André Augstburger (49) hat es sofort erkannt: «Das ist eine einmalige Chance fürs Eishockey im Oberwynental.» Durch die Gründung der neuen Liga «Mysportsleague», welche vier Teams aus der 1. Liga übernimmt, werden auf nächste Saison Plätze in der 1. Liga frei. Einer davon könnte dem SC Reinach gehören.


Erstklassiges Eishockey im Oberwynental – dieser Traum bekommt mehr und mehr Substanz. Auch dank André Augstburger, welcher neu den Posten des Sporchefs beim SC Reinach besetzt. Er war es, der im Dezember 2016 den Verband kontaktierte. Und den Bescheid erhielt: Wenn der SCR sportliche Konkurrenzfähigkeit und wirtschaftliche Stabilität garantiert, steht dem «Projekt 1. Liga» nichts im Wege.


Top-Klubs zeigen Interesse
Für dieses Projekt ist der ehemalige SC Reinach-Junior André Augstburger genau der Richtige. Rund 30 Jahre lang war er Trainer von Nachwuchs- und Aktivmannschaften, unter anderem bei Schweizer Top-Klubs wie dem EV Zug und dem EHC Kloten.

Nun soll er als Sportchef eine komplett neue Mannschaft – hauptsächlich aus jungen Spielern – zusammenstellen. Augstburgers langjähriger Freund und Weggefährte Beat Renggli wird Trainer des 1.-Liga-Teams. Aus der ganzen Schweiz sollen die Jungtalente (U23-Spieler) nach Reinach kommen.

Welchen Anreiz gibt es für sie? «Hier müssen die Jungen nicht hinten anstehen, sondern können Verantwortung übernehmen und mitentscheiden», so Augstburger. Und sie können vielleicht noch den Sprung in eine höhere Liga schaffen.

«Es gibt Kontakte mit verschiedenen Top-Klubs, welche an einer Kooperation mit uns als Ausbildungsverein interessiert sind», verrät Augstburger. Welche Vereine das sind, darf er noch nicht sagen.


Hoffen auf neuen Hockey-Boom
Für den SC Reinach wäre das 1.-Liga-Team ein Aushängeschild. «Und die Chance auf einen neuen Eishockey-Boom», hofft Augstburger. Das alles gibt es aber nicht gratis. Weil das 1.-Liga-Projekt finanziell nicht risikofrei ist, wurde ein neuer Verein gegründet, der sich unabhängig finanziert. 250 000 Franken kostet der Betrieb pro Saison.

Die Finanzen sind denn auch der grosse Knackpunkt im Projekt. Über Sponsoring soll die Viertelmillion zusammenkommen. Eine Zürcher Vermarktungsagentur hilft dem SCR bei der Suche nach Geldgebern. «Wir konzentrieren uns auf überregionale Sponsoren» erklärt Augstburger. «Schliesslich wollen wir nicht dem Hauptverein die Sponsoren abgraben.»

Auf dem Töff mit Arno Del Curto

Sein Mutterverein SC Reinach liegt André Augstburger am Herzen. 1982, ein Jahr nach der Gründung, packte den Fünfzehnjährigen das Eishockey-Fieber. Trainer war damals ein gewisser Arno Del Curto, der nunmehr in 20 Jahren als Cheftrainer beim HC Davos Kultstatus erlangt hat.

«Ein feiner Kerl ohne Berührungsängste, der immer geradeheraus seine Meinung sagt. Er lebt fürs Eishockey», beschreibt André Augstburger seinen Ex-Trainer. Er muss lachen, als ihm eine Anekdote aus den alten Zeiten einfällt: «Einmal habe ich Arno auf dem Weg ins Training mitgenommen – auf dem Gepäckträger meines Töfflis.»

Für den jungen André war der Traum von der grossen Karriere bald zu Ende. 18 Jahre alt war er, als er sich den Oberschenkel brach. Ein Jahr später konnte er noch immer nicht beschwerdefrei spielen.
Also wurde André Augstburger Trainer. Zusätzlich hat er seit 13 Jahren eine eigene Schreinerei in Menziken. Dort arbeitet er 100 Prozent. «Das bedeutet dann halt 7-Tage-Wochen und wenig Zeit für die Familie», meint er.

Jetzt, wo Augstburger zurück in Reinach ist, fallen zumindest die langen Autofahrten zum Training weg. Der gebürtige Reinacher glaubt an das ehrgeizige «Projekt 1. Liga». «Wir wollen etwas Langfristiges aufbauen. Ich bin zuversichtlich, dass es klappt.»