Staffelbach
Der Ammann und die fliegenden Bäume von Staffelbach

Am 5. Christbaumwerfen waren unterschiedliche Wurftechniken zu beobachten. Der neue Gemeindeammann Max Hauri warf zum ersten Mal. Gewonnen hat er nicht.

Peter Weingartner (Text und Fotos)
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Christbaum-Werfen in Staffelbach
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Gemeindeammann Max Hauri zeigt vollen Einsatz und gewinnt doch nicht.
Einen Christbaum durch die Luft zu schleudern ist kein einfaches Unterfangen.
Wenn es eine Stilnote geben würde, wäre dieser Werfer ganz vorne mit dabei.
Eins, zwei und weg mit dem Baum.
Auch Mädchen werfen den Baum ganz beachtlich weit.
Die ganze Familie warf diesen Christbaum.

Christbaum-Werfen in Staffelbach

Staffelbachs Gemeindeammann, der Biobauer Max Hauri, feierte an der fünften Auflage des Christbaumwerfens am Dreikönigstag seine Wurfpremiere. Das Perfide: Es gibt keinen Probewurf; der einzige Wurf zählt. «Fünf Meter zehn», sagt die Schiedsrichterin, und Wettkampfchefin Ruth Aeschbach notiert den ersten Wurf über die Fünfmetergrenze.

Es geht um den Plausch, sagt Bernadette Lüthi vom Frauenturnverein. Aufs Baumwerfen ist der Verein gekommen, nachdem der Gemeinderat dem Verein aus Umweltschutzgründen nahegelegt hat, aufs Verbrennen der Weihnachtsbäume zu verzichten. Nun werden die Bäume des Dorfes in einen Wagen neben der Wettkampfanlage geschmissen. «Wir häckseln sie und brauchen das Holz für die Schnitzelheizung», sagt Förster Martin Leu. Und die Idee des Werfens ist der Werbung eines skandinavischen Möbelhauses abgekupfert mit einem Unterschied: Statt aus dem Fenster werden die Bäume auf dem ebenen Pausenplatz horizontal geworfen.

Wie packt man dieses Sportgerät an? Orientiert man sich am Speerwurf? Kann man ihn in eine aerodynamische Form drücken? Oder packt man den Baum an der Krone – immerhin ist Dreikönigstag – und nimmt sich das Hammerwerfen zum Vorbild? Wie auch immer; das Reglement kennt da keine Einschränkungen: Am Ende wird gemessen, wo der Baum zuerst den Boden berührt. Es gibt übrigens unterschiedliche Kategorien, und die Bäume sind stets dieselben. So viel Chancengleichheit muss sein.

Gemeindeammann Max Hauri obliegt auch die Pflicht, die Ansprache zum neuen Jahr zu halten. Auf einen Rückblick aufs 2012 verzichtet er, muss aber zur Kenntnis nehmen, dass auch für 2013 schon einiges gelaufen ist. So ist die Geburtshelferkröte bereits zum Tier des Jahres 2013 gekürt worden. Immerhin dürfe man deshalb als Kompliment auffassen, wenn jemand einen Glögglifrosch nennt.

Was aber soll er der Bevölkerung, von der wohl gegen 150 Personen anwesend sind, wünschen? Ein gutes neues Jahr? Oder doch lieber ein besseres? Das würde ja heissen, dass 2012 nicht gut gewesen ist. Oder gar ein bestes neues Jahr? Er verwirft auch diese Idee: Dann müssten die folgenden Jahre ja schlechter werden. Oder ein vorzügliches Jahr für die Musizierenden, ein Sechser-Jahr für die Schüler? Hauri kommt zum Schluss, dass «gut» eben schon das richtige Wort sei. Damit könne jeder in Verbindung bringen, was für ihn passt. Und dann lädt er zum Apéro «gesponsert von der Gemeinde, das heisst von Ihnen».

Mehlsuppe, Schweinswürstli mit Senf und Brot gibts und zum Dessert Kuchen. Und was sind die fünf Meter zehn des Ammanns wert? Die jeweils zwei Besten jeder Kategorie erhalten einen Preis; Max Hauri wird von Bernadette Lüthi nicht nach vorne gebeten. Thomas Sommer hat fünf Meter achtzig weit geworfen. Enttäuscht? Nein, überrascht, sagt Max Hauri. «Wir haben im Gemeinderat abgemacht, dass er Dritter wird», sagt Gemeinderat Ruedi Müller, denn es mache sich nicht gut, wenn jemand vom Gemeinderat die Preise abräume. Damit hatte er die Lacher an der Festbankgarnitur auf seiner Seite.