Reitnau
Der Abfallberg ist um die Hälfte geschrumpft – neues System bewährt sich

Die Umstellungen in der Abfallentsorgung zeigen Wirkung. Nach den ersten drei Leerungen zeigt sich, dass Reitnau Ernst macht mit dem Umweltschutz und dem Ziel, weniger Abfall zu verursachen.

Raphael Nadler
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Thomas Hochuli (links) und Hansruedi Hochuli leeren jeden zweiten Dienstag die Abfallcontainer in Reitnau und sind erfreut über das neue System.

Thomas Hochuli (links) und Hansruedi Hochuli leeren jeden zweiten Dienstag die Abfallcontainer in Reitnau und sind erfreut über das neue System.

Raphael Nadler

Es ist noch dunkel, als Thomas und Hansruedi Hochuli zusammen mit Chauffeur Ruedi Hunziker zum dritten Mal in diesem Jahr den Abfall in Reitnau einsammeln. Was sich wie etwas Alltägliches anhört, ist gleichzeitig Neuland. Erst Anfang Jahr wurde in ihrer Gemeinde die gewichtsabhängige Abfallgebühr eingeführt. Für die Männer hinten auf dem Lastwagen eine Erleichterung. «Seit jeder Haushalt einen eigenen Abfallcontainer hat, müssen wir kaum mehr schwere Abfallsäcke in die Hand nehmen», sagt Thomas Hochuli, der seit rund vier Jahren auf dem Lastwagen mitfährt.

Auch wenn das neue System am letzten Dienstag erst zum dritten Mal zum Einsatz kam, die Handgriffe sitzen. Fast synchron hängen die beiden Männer die Abfallcontainer an den Lastwagen. Nun werden sie angehoben, gewogen, geleert und nochmals gewogen. Alles passiert automatisch.

Ab und zu lassen die Männer einen Abfallcontainer stehen. «Wer ihn nicht geleert haben will, bringt einen Vermerk an», sagt Aushilfe Hansruedi Hochuli, der in diesem Jahr erstmals im Einsatz ist. «Mir ist aufgefallen, dass es viel weniger Abfall hat», sagt er.

Vor Weihnachten «ausgemistet»

Tatsächlich hat die Einführung des neuen Systems in Reitnau zu einer Verminderung des Abfallbergs beigetragen. «Die Menge hat sich mehr als halbiert», sagt Guido Rölli, Leiter des Werkhofs. «2014 hatten wir im Schnitt zwischen 12 und 14 Tonnen Abfall pro Sammeltag, nun sind es noch zwischen 6 und 7 Tonnen.» Genau gewogen waren es bei den ersten drei Sammlungen 5,7 Tonnen, 6,8 Tonnen und 6 Tonnen.

Und wo ist der Rest? «Ein Teil davon ist sicherlich auf unserer Multisammelstelle gelandet», erklärt Rölli. Den wohl grösseren Teil haben die Reitnauerinnen und Reitnauer in den letzten drei Sammlungen vor dem Systemwechsel der Abfallentsorgung mitgegeben. «Da wurden noch viele Wohnungen entrümpelt», hat Guido Rölli auf der Abrechnung des Entsorgungsunternehmens festgestellt. «Zuvor nie erreichte 16, 21 und 24,5 Tonnen Abfall wurden entsorgt.» In Reitnau wird der Abfall nur alle zwei Wochen eingesammelt.

Zurück auf die Strasse: Dort gönnt sich das Trio einen verdienten Pausenkaffee. «Viel schneller sind wir mit dem neuen System beim Einsammeln nicht», hat Chauffeur Ruedi Hunziker festgestellt. «Dafür kann ich nun einen neuen Lastwagen fahren», sagt er, der schon seit 37 Jahren am Steuer unterwegs ist, stolz. Sein Arbeitgeber, die E. Hofmann AG aus Schöftland, hat einen neuen MAN angeschafft, der extra mit einem speziellen Wäge- und Kippsystem ausgerüstet ist.

Weniger Ausgaben budgetiert

Die Befürchtungen der Bevölkerung im Vorfeld der Umstellung drehten sich hauptsächlich um die Finanzen. Viele wollten nicht glauben, dass die Umstellung günstiger kommt als die bisher verrechneten Pauschalgebühren. «Wir werden uns Ende des Quartales eine erste Übersicht verschaffen», sagt Reitnaus Gemeindeschreiber Heinz Wölfli, «damit wir sehen, wie sich die Kosten entwickeln.»

Bisher bezahlten ein Einpersonenhaushalt 167 Franken und ein Mehrpersonenhaushalt 286 Franken pauschal. Neu bezahlt jeder Haushalt eine Grundgebühr von 135 Franken, dazu kommen 50 Rappen beziehungsweise 20 Rappen pro entsorgtes Kilo Abfall. Bei einer Annahme von rund 20 Kilo pro Leerung (Familie) ergibt das Kosten von total 252 Franken. «Jeder Haushalt kann einen Teil seiner Ausgaben für die Abfallentsorgung selbst bestimmen», argumentierte Gemeinderat Rolf Trösch bereits im Vorfeld der Umstellung.