Oft brennen die Lichter in der Werkstatt bis spätabends. Im ehemaligen Kuhstall herrscht eine wohlige Wärme, nichts lässt den tobenden Sturm draussen erahnen.

Der Duft von Wachs liegt in der Luft, es ist beinahe weihnachtlich. Doch hier werden nicht etwa Kerzen gezogen, der Duft kommt von einem speziellen Wachs, mit dem Roy Leuenberger seinen Ski den perfekten Belag verpasst.

Manchmal arbeitet er bis in die Nacht hinein, um die Ski pünktlich ausliefern zu können. Und das neben seinem 90-Prozent-Job als Schreiner. Roy Leuenberger ist gelernter Skibauer. Im Jahr 2003 hat er, damals 28 Jahre alt, mit der dreijährigen Lehre angefangen.

«Meine Eltern sagten mir zwar, dass ich spinne, aber sie haben mich immer unterstützt. Es war halt schon immer mein Traum», sagt Leuenberger.

Er lernte einerseits, einen Ski zu bauen, er lernte aber auch, einen Ski zu vermarkten. Er rutschte allmählich in die Welt des Skirennsports hinein. Danach zog es ihn nach Neuseeland, wo er einige Monate mit den neuseeländischen Nachwuchs-Skirennfahrern als Service-Mann unterwegs war.

Einblick in Roy Leuenbergers Werkstatt

Einblick in Roy Leuenbergers Werkstatt

Die Skipresse ist das Herz

Vor drei Jahren hat der gebürtige Kölliker begonnen, eigene Ski unter dem Namen R11 zu produzieren. R steht für seinen Vornamen, 11 für das Jahr 2011, in dem alles begann. In einem Bauernhaus in Kölliken hat er seine Werkstatt auf zwei ehemalige Kuhställe und den Milchraum verteilt.

An der wichtigsten Maschine steht auf einem Schild: «Fotografieren verboten». Es handelt sich um die Skipresse. Zwei Jahre hat Leuenberger daran gearbeitet. «Die Skipresse ist das wichtigste Teil beim Skibauen», sagt er. Die Skipresse ist geheizt. Mit Druck und Wärme werden die Skilagen zusammengepresst und verleimt.

Der Ski ist ein Sandwich

Von vorne: Zuerst entwickelt Roy Leuenberger auf dem Computer Ideen für einen Ski. Dann lässt er beim Mechaniker Formen aus Aluminium machen.

Leuenberger fertigt seine Ski nach der Sandwich-Bauweise an. Das heisst, verschiedene Schichten werden in die Aluminiumform gelegt. Eine schwarze Polyethylen-Schicht bildet den Rennbelag.

Es folgen eine Aluminium-Schicht, Kanten und eine dünne Fiberglas-Schicht. Danach folgt der wichtigste Teil des Skis, der sogenannte – eigens konstruierte – Kern.

Er besteht aus einer Mischung aus speziell leichten Hölzern. «Über den Kern bestimme ich den Charakter des Skis», sagt Leuenberger. «Ich baue keinen Ski ohne Holzkern, denn er gibt dem Ski eine gewisse Spritzigkeit und Dynamik.»

Danach legt er wieder eine Fiberglas-Schicht und eine Alu-Schicht sowie ein Deckblatt aus Nussbaumholz und eine Schutzfolie obendrauf. Dem «Sandwich» setzt er den Alu-Deckel auf, danach verschwindet der neue Ski für eine Stunde in der Presse. Leuenberger lässt ihn danach ganz auskühlen. «Deshalb laufen meine Ski ruhig», sagt er.

Leuenberger selbst fährt seit seinem vierten Lebensjahr Ski. Eine Saison lang habe er sich als Snowboardfahrer versucht. Doch das «Ewige-am-Boden-Sitzen» habe ihm nicht entsprochen.

2200 Franken pro Paar

Ist der Ski aus der Presse, schleift Leuenberger den Leim ab und gibt ihm von Hand ein Profil. Den Feinschliff erledigt er in einem Sportgeschäft, weil er selbst dazu die Maschinen nicht zur Verfügung hat.

Den letzten Schliff und das Wachs erhalten die Ski jedoch wieder in der Werkstatt, im ehemaligen Kuhstall Nummer zwei. «Ich produziere Ski für normal sportliche Fahrer», sagt er. Je nach Wunsch versetzt er dem Ski auch einen Rennschliff.

Bis jetzt produzierte Leuenberger rund 15 Paar Ski pro Jahr, 20 Stunden brauchte er für ein Paar. Doch das soll sich ändern: Ziel ist es, 100 Paar in einem Jahr herzustellen.

Dafür hat er sich nun bereits mit Raphael Burri, ebenfalls gelernter Skibauer, zusammengetan, der ihn im Verkauf unterstützt. Die Ski werden im Direktverkauf an den Mann gebracht, rund 2200 Franken kostet das Paar mit Bindung.

Trotz der vielen Arbeit ist im Kuhstall immer aufgeräumt und geputzt. Dafür gibt es laut Skibauer Leuenberger auch einen Grund: «Einen guten Ski kann man nicht im Dreck bauen.»