Muhen/Schöftland

Dem Männerchor gehen bald die Stimmen aus

Karl-Friedrich Barthel (links) und Christian Knechtli schauen auf 20 Jahre Männerchor zurück. cfü

Karl-Friedrich Barthel (links) und Christian Knechtli schauen auf 20 Jahre Männerchor zurück. cfü

Weil der Männerchor immer weniger Mitglieder hat, ist seine Zukunft ungewiss. Man hat beschlossen, die Aktivitäten des Chors in seiner jetzigen Form zu beenden, vierstimmige Chorlieder können nicht mehr gesungen werden.

Einst waren sie beinahe 50 Sänger. Doch mittlerweile ist vom Glanz nicht mehr viel übrig. Noch singen 20 Männer im Männerchor Muhen-Schöftland. Bald werden weitere acht Sänger zurücktreten, der Gesundheit oder des Alters wegen. Damit steht der Chor vor dem Aus.

1828 wurde der Männerchor Schöftland gegründet, 20 Jahre später der Männerchor Muhen. Im Jahr 1993 beschloss man, gemeinsam zu proben und aufzutreten. Der Grund für den Zusammenschluss waren nicht etwa zu wenige Mitglieder. Es gab ein anderes Problem: Der Männerchor Muhen hatte keinen Dirigenten mehr und musste sich schnellst möglich nach einer neuen Leitung umschauen.

Voller Saal zu Beginn

Man entschloss sich nach mehreren Gesprächen zusammenzuspannen und als Männerchor Muhen-Schöftland aufzutreten. «Damals waren alle top motiviert», sagt Christian Knechtli, der seit 1999 Präsident des Männerchors ist. Der neue, grosse Chor habe beim Publikum Anklang gefunden, die Säle waren jeweils voll.

Knechtli ist als 22-Jähriger dem Chor beigetreten. Doch «heute gibt es in einem Männerchor selten jemanden unter 40 Jahren», sagt er, ein wenig wehmütig. «Ein Dorfverein ist einfach nicht mehr attraktiv.» Meist sei die Zeit ein Problem und die Vereinstätigkeit lasse sich nicht mit dem Beruf unter einen Hut bringen.

Der Stimmbruch sei ein weiteres Problem. «Oft gelingt es den jungen Männern nicht, sich nach dem Stimmbruch wieder zum Singen zu motivieren», sagt Knechtli. Dass dies nicht immer der Fall ist, zeigt das Beispiel von Karl-Friedrich Barthel, langjähriger Dirigent des Männerchors: «Vor dem Stimmbruch hatte ich eine glasklare Sopran-Stimme, danach eine Bass-Stimme.» Aber dem Singen habe er sich deshalb nicht abgewendet.

Immer weniger Mitglieder

Doch die wenigsten Männer fanden den Weg zum Chor, die Mitgliederzahl nahm sukzessive ab. «Mit der Abnahme der Sängerzahl sank auch die Qualität», sagt Barthel. Mit viel Werbung versuchte man, den Dorfverein wieder in Erinnerung zu rufen. Man trat in Restaurants auf, organisierte Lottoveranstaltungen und Raclette-Essen, trat an der Gemeindeversammlung auf. Doch all dies half nichts. «Wir haben einige Dämpfer einstecken müssen», sagt Christian Knechtli. Doch eine positive Nachricht gibt es: Dem Verein ging es finanziell immer gut – obwohl die Mitglieder keine Beiträge einzahlen mussten. Dank der vielen Aktivitäten konnte sich der Verein finanzieren.

Heute sind die einzelnen Stimmregister zu schwach besetzt, um weiterhin vierstimmige Chorlieder zu singen. Deshalb hat man beschlossen, die Aktivitäten des Chors in seiner jetzigen Form zu beenden. «Das hat sich seit längerem abgezeichnet», sagt Knechtli. Am Wiesenfest in Muhen wird der Chor zum letzten Mal auftreten. Offen ist, ob der Chor ganz aufgelöst wird oder allenfalls als zweistimmige Kleinformation weiter bestehen kann.

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