Platz-/Stadion-Frage

Dem FC Muhen geht es wie dem FC Aarau

Chris Stecher, Präsident FC Muhen, vor dem nicht verbandskonformen Naturrasenplatz in Muhen.

Der FC Muhen und der FC Aarau haben keine verbandskonforme Spielfelder. Daher sind beide Vereine auf den Goodwill des Fussballverbandes angewiesen. Die Zeit drängt – besonders für den FC Muhen.

Aus Sicht der Swiss Football League (SFL) genügt das «Brügglifeld» den heutigen Anforderungen nicht mehr. Doch der Fussballverband hat viel Geduld mit den Aarauern. Klar ist: Ohne Aussicht auf ein neues Stadion bekäme der FCA im Frühsommer 2021 keine Lizenz mehr für den Verbleib in der Challenge League. Klar ist weiter: Sollte der Baubeginn für das Stadion nur noch daran scheitern, dass im Frühling 2021 noch Rechtsverfahren gegen die Baubewilligung für die Hochhäuser ausstehend sind, wird die SFL ein weiteres (letztes?) Mal ein Auge zudrücken. 

Unter vergleichsweise weit grösserem Zeitdruck steht der FC Muhen. Sein Fussballplatz ist deutlich zu klein. Sein bestes Team (aktuelle Herbstmeister) könnte nur von der 4. in die 3. Liga aufsteigen, wenn ab kommenden Sommer (Saison 2019/20) ein verbandskonformer Platz bestünde. Das wäre selbst dann nicht möglich gewesen, wenn die Stimmbürger am Wochenende den 3,9-Mio-Kredit für die Vergrösserung und Erneuerung des Platzes genehmigt hätten. Aber der Aargauische Fussballverband (AFV) hätte dann eine Ausnahme gemacht – weil sich eine Lösung in Realisierung befunden hätte. Die ersten Bauarbeiten hätten im Mai beginnen sollen. 

Jetzt zeichnet sich ab, dass der Gemeinderat den Fussball-Kredit ein zweites Mal an die Gemeindeversammlung bringen wird. Wahrscheinlich dann mit einem Natur- statt einem Kunstrasen, wahrscheinlich mit einem Kredit in der Grössenordnung von 3 statt 3,9 Millionen Franken. Ob der FC Muhen auch aufsteigen könnte, wenn erst der Kredit genehmigt wäre? 

Klar ist: Es wäre weiterer Goodwill des AFV nötig. Ein Entscheid ist noch nicht gefallen. «Wir müssten diskutieren, wie kulant wir noch sind», erklärt Richard Zwicker, der bei AFV für Sportplätze zuständig ist. Die Geduld des Verbandes ist bereits arg strapaziert, denn die Platz-Vorgabe gibt es nun schon seit einigen Jahren. Und im Aargau sind nur noch etwa ein halbes Dutzend Vereine in einer ähnlich schwierigen Lage wie der FC Muhen. 

FC Muhen verliert knapp an Urne

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Ein schwerer Schlag für den Fussballclub: Mit über 52 % stimmt Muhen gegen einen neuen Fussballplatz und lässt somit den Traum des FC Muhen platzen.

Mindestens 63,6 Meter breit 

Die Ausgangslage: Die Swiss Football League hat 2011 verordnet, dass Fussballfelder 100 Meter lang und 64 Meter breit sein müssen. Etwa 2015 empfahl die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu), dass auf jeder Seite ein zusätzlicher Sicherheitsabstand von 3 Metern vorhanden sein sollte. Wer diesen nicht einhält, dürfte im Unfall-Fall Probleme mit der Versicherung bekommen. Ein Fussballfeld wäre demzufolge 106 mal 70 Meter gross. 

2014 hat der Aargauische Fussballverband Regeln für Plätze bis zur 2. Liga erlassen. Diese dürfen, sofern sie vor 2013 erstellt worden sind (was in Muhen so ist), 10 Prozent kleiner sein. Also minimal 90 mal 57,6 Meter, respektive 96 mal 63,6 Meter. In Muhen ist der seit rund 40 Jahren bestehende Platz nur 100 mal 57 Meter gross. Eine Vergrösserung ist nur möglich, wenn die Färbergasse verlegt wird, was am Sonntag abgelehnt worden ist. 

Viel zu diskutieren gab in Muhen die Frage des Kunstrasens. Davon gibt es im Aargau erst ein knappes Dutzend. Ein Kunstrasen kostet zwischen 1 und 1,5 Millionen Franken (je nachdem, was man alles dazu rechnet, etwa die Beleuchtung). Dass Vereine mit 4.-Liga-Teams über einen Kunstrasen verfügen, ist eher die Ausnahme. Zuletzt wurde in der Region in Küttigen (Ritzer) ein Kunstrasen in Betrieb genommen. In Erlinsbach ist einer im Bau.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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