Reinach
Das Zügeln hätte die Lindenplatz-Linde nicht überlebt – nun wird sie ersetzt

Traktandiert waren an der Partei- und Presseinformation zur Gmeind unter anderem das Budget und ein Kreditantrag – im Mittelpunkt stand aber ein Baum.

Rahel PLüss (Text und Foto)
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Die 20-jährige Linde würde den Umzug kaum überleben, sagen Fachpersonen.

Die 20-jährige Linde würde den Umzug kaum überleben, sagen Fachpersonen.

Rahel Plüss

Nicht das Reinacher Budget gab am meisten zu reden, auch nicht der geplante Trottoirabschnitt entlang der Lenzstrasse. Nein, es war ein Baum, der für emotionalen Gesprächsstoff an der Partei- und Presseinformation zur Gmeind vom 9. November sorgte – eine Linde, ums genau zu nehmen. Und die steht nicht einmal auf der Traktandenliste.

Die Rede ist von jenem Baum, der dem Reinacher Lindenplatz seinen Namen gibt und der nun, so wars im «Wynentaler Blatt» zu lesen, dem neuen Kreisel weichen muss – entgegen der ursprünglichen Aussage des Gemeinderats. Das stiess SP-Präsidentin Klara Häfliger sauer auf. Sie prangerte den Gemeinderat an, nicht offen zu kommunizieren, ja, sie sprach gar von Kalkül.

«Es war nie unser Ziel, den Baum umzuhauen», sagte Gemeinderat Ruedi Lanz, der unter anderem das Ressort Verkehr unter sich hat. Abklärungen im Zusammenhang mit der Umgebungsplanung hätten unterdessen aber gezeigt, dass der Baum einfach zu nahe am Verkehr stehe. Er müsste ständig massiv zurückgeschnitten werden. Man habe in Erwägung gezogen, die Linde zu versetzen. Untersuchungen hätten aber gezeigt, dass der rund 20-jährige Baum einen Umzug mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht überleben würde, weil das Wurzelwerk zu stark beschädigt würde. Zudem würde der Umzug rund 20 000 Franken kosten, viel Geld für solch schlechte Prognosen. Der Gemeinderat habe sich deshalb für die Pflanzung eines neuen Lindenbaums entschieden, etwa 3,5 Meter zurückversetzt.

Die eigentlichen Traktanden waren zügig abgehandelt. Die Gemeinde will entlang der Lenzstrasse ein neues Trottoir bauen, das Fussgänger von den neuen Quartieren am Dorfrand sicher ins Zentrum bringt. Dafür beantragt der Gemeinderat den Stimmberechtigten einen Kredit in Höhe von 210 000 Franken – inklusive Neubau einer Wasserleitung in diesem Gebiet. Das entspricht nur einem Teil der Gesamtkosten, 60 Prozent der Ausgaben für den Bau des Gehwegs gehen zulasten des Kantons.

Das neue Trottoir wird ans bestehende, das bis zur Einmündung der Alzbachstrasse in die Lenzstrasse führt, anschliessen. Allerdings müssen die Fussgänger bei der Chrischona-Kapelle die Strasse queren. Als Überquerungshilfe ist eine Insel vorgesehen. Die Stelle werde übersichtlicher in diesem Bereich, weil mit dem geplanten Neubau der Alzbachkapelle auch die Mauer entlang der Strasse fortkäme, erklärte Rudolf Lanz und ging damit auf Fragen nach dem Sicherheitsaspekt ein.

Steuerfuss bleibt bei 119 Prozent

Das Budget 2017 der Gemeinde Reinach rechnet auch heuer mit einem Defizit. Bei einem betrieblichen Aufwand von knapp 30,07 Mio. Franken (ohne Eigenwirtschaftsbetriebe) geht das Budget von einem Verlust in der Höhe von 176 500 Franken aus. Trotzdem will man nach wie vor am Steuerfuss von 119 Prozent festhalten, wie Gemeindeammann Martin Heiz erklärte. Angesichts der Unsicherheiten bei den Sozialausgaben und den Steuereinnahmen sowie hinsichtlich des unklaren Ausgangs betreffend des neuen Finanz- und Lastenausgleichs wolle man jetzt keine Steuerfusserhöhung vom Zaun reissen. «Der Verlust zeigt, dass wir ein bisschen vorsichtig sind.» Die Nettoschuld liegt bei 13,31 Mio. Franken.

Der Voranschlag geht von Nettoinvestitionen in der Höhe von 1,346 Mio. Franken aus. Im Budgetjahr wird hauptsächlich in den Strassenbau investiert. Der Selbstfinanzierungsgrad liegt bei 93,12 Prozent. In den Vorjahren lag dieser Satz erheblich tiefer, was zu Neuverschuldungen führte. Auf der Einnahmenseite sind im Voranschlag 2017 Steuern von 17,31 Mio. Franken budgetiert.

Die langfristigen Schulden belaufen sich voraussichtlich auf 24,5 Mio. Franken. Die Nettoschuld pro Einwohner beläuft sich auf 1679 Franken.