Reinach
Das «Wunder der Liebe» kehrt ins TaB zurück

30 Jahre Kulturhaus am Bahnhof – Gunhild Hamer inszeniert ein Stück aus der Geschichte des ehemaligen «Kino Sommer».

Peter Siegrist
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Regisseurin Gunhild Hamer (r.) mit Susanne Hermann und Beni Weber. psi

Regisseurin Gunhild Hamer (r.) mit Susanne Hermann und Beni Weber. psi

Peter Siegrist

Mit der Puderquaste in der Hand gibt die Regisseurin Gunhild Hamer letzte Spielanweisungen an Susanne Hermann und Beni Weber, welche im Stück ein Liebespaar verkörpern. Ein Pinselstrich auf die Stirn und der Glanzpunkt ist weg, die Szene kann gedreht werden. Richtig, an diesem Sonntagnachmittag ist ein Videoteam an der Arbeit und dreht die Szenen, die später synchron zur der Theateraufführung auf der Leinwand eingespielt werden.

Berühmt geworden ist das «Kino Sommer» in Reinach 1968, als hier der Film des deutschen Volksaufklärers, Oswald Kolle, «Das Wunder der Liebe – Sexualität in der Ehe» gezeigt wurde. Ein Film, der etwa im Kanton Zürich von der Zensurbehörde verboten worden war. So geschah es, dass in Reinach Kinogänger mit ZH-Autonummern vor der Kasse Schlange standen, dass sich dafür Reinacherinnen inkognito diesen Film in Aarau zu Gemüte führten.

Heute ist das TaB ein Kulturhaus mit Kleintheater und Atelier Kino. Das Besondere: Das neue Stück wird auf der Bühne, im Kino und auf der Leinwand gleichzeitig aufgeführt. Das TaB-Theaterensemble, alles Laienschauspieler mit langjähriger Bühnenerfahrung, lässt die 68-er Jahre im und ums Kino wieder aufleben. Den ersten Bühnenproben gingen umfangreiche Recherchen und Interviews mit Zeitzeugen voraus. So hat Nadia Pfendsack zum Beispiel im Archiv des Wynentaler Blattes nach Quellen gegraben. Theaterautor Adrian Meier hat in der Folge mit diesem Material dem Haus und dem Ensemble ein Stück auf den Leib geschrieben.

Produktionsleiter und TaB-Präsident Clo Bisaz ist begeistert: «Wir treten im März mit einem Stück vor das Publikum, welches auf drei Schienen rollt.» Eine Hälfte des Publikums werde im Kino sitzen, wo vor der Leinwand eine zusätzliche Bühne aufgebaut wurde. Die andere Hälfte der Zuschauer wird im Theatersaal Platz nehmen. «Gespielt wird synchron an beiden Orten», erklärt Bisaz. Und dennoch werde niemand auch nur eine Szene verpassen. Denn was oben geschieht wird Live auf die Leinwand im Parterre übertragen und umgekehrt.

Als drittes Element kommen die vorproduzierten Szenen auf der Leinwand hinzu. So sei es möglich, sagt Bisaz, dass einmal ein Schauspieler aus der Leinwand heraustrete und auf der Bühne weiter spiele. «Die Schauspieler erzählen von heute und von ihren Kinoerlebnissen, und sie schlüpfen dann in die historischen Figuren.» Nach der Pause findet der grosse Wechsel statt: Wer im Theater sass, geniesst den zweiten Teil im Kinosaal und umgekehrt.

Seit November ist das Ensemble daran, die Szenen unter der Leitung von Gunhild Hamer bis ins Detail einzustudieren. Das Verweben von Kino und Bühne stellt hohe Anforderungen an die Präsenz der Spieler und der Profitechniker, welche die Einspielungen und Liveübertragungen koordinieren müssen. Noch fehle das Bühnenbild, sagt Gunhild Hamer, aber ab Mitte Februar werde alles fertig installiert sein. Die grösste Herausforderung? «Das ist sicher das synchrone Zusammenspiel auf allen drei Ebenen», sagt Hamer.

Am 4. März findet die Premiere statt. Das Theater am Bahnhof bringt nach dem Stück «Deubelbeiss und Schürmann – der Postraub» vom April 2010 ein weiteres Stück Reinacher Geschichte auf die Bühne.

Der Vorverkauf für die zwölf Vorstellungen ist eröffnet unter www.tab.ch

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