«Mein Grossvater hat immer gesagt, das Wasser im Bohler kommt aus den Voralpen», sagt Ruedi Bertschi und schliesst die Metallkuppel einer der Brunnstuben nahe der Grenze zum luzernischen Rickenbach. Das Plätschern verstummt. Ob das stimme, wisse er nicht, so der Gontenschwiler Brunnenmeister weiter. Er möge auch nicht darüber mutmassen, das unterirdische Wassersystem sei sehr komplex. Es spielte ja keine Rolle. «Viel wichtiger ist, dass es fliesst», sagt er mit Nachdruck.

Und das tut es in Gontenschwil – aus über 400 Quellen. Die genaue Anzahl kennt niemand, denn längst nicht alle Quellen sind gefasst und viele gehören Privaten. Viele Haushalte im Dorf versorgen sich noch heute mit eigenem Quellwasser. Die anderen beziehen ebenfalls Quellwasser, nur sprudelt es aus einer Leitung der kommunalen Wasserversorgung.

Woher kommt das Wasser?

Auch beim Kanton weiss man nicht genau, woher das Wasser kommt, das da aus dem Boden drückt. «Sicher ist, dass das Einzugsgebiet dieser Quellen gross sein muss», sagt Ronni Hilfiker, Fachspezialist Grundwasser bei der Abteilung Umwelt. Sonst hätten nicht die meisten von ihnen trotz der Trockenheit in diesem Sommer munter weitergesprudelt. Von daher liege die Vermutung nahe, das Wasser komme aus den Voralpen. Untersuchungen habe es seines Wissens aber noch nie gegeben.

Während das Wasser in diesem Hitzesommer mancherorts zu einem raren Gut wurde, gibt es im Dorf hinter der Moräne mehr als genug davon. So viel, dass es ohne weiteres möglich war, die Nachbargemeinde Reinach weiterhin zu beliefern, wie das schon seit den 1980er-Jahren geschieht. Wie auch im Hitzesommer 2003, benötigte Reinach heuer zeitweise die maximale Menge von 500 Litern pro Minute. Mehr schafft die Verbindung zwischen den beiden Dörfern nicht. Wird viel an Reinach geliefert, reicht allerdings das Gontenschwiler Quellwasser nicht aus, in dem Fall muss über das Pumpwerk «im Bogen» zusätzlich Grundwasser ins System eingeleitet werden.

Einziges sicheres «Wasserdorf»

Gontenschwil hat die einzige Wasserversorgung in der Region, die «sowohl den Spitzenbedarf wie auch den Ausfall der grössten Wassergewinnungsanlage aus eigener Kraft bewältigen kann.» Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Waldburger Ingenieure AG im Jahr 2010, die vom Gemeindeverband aargauSüd impuls zum Zweck der «Optimierung der Wasserversorgung aus regionaler Sicht» in Auftrag gegeben worden war. Bis dato sind die aus der Studie gewonnenen Erkenntnisse allerdings nicht weiterverfolgt worden, wie es bei aargauSüd impuls auf Anfrage heisst.

Wegen des Wasserüberflusses gab es in der Gemeinde lange keine kommunale Wasserversorgung. «Eine öffentliche Trinkwasserversorgung ist für viele von uns heute eine Selbstverständlichkeit», sagt Gemeindeammann Renate Gautschy. Doch es habe Pioniergeist und mehrere politische Anläufe gebraucht, bis Gontenschwil im Jahr 1966 eine solche realisiert habe – als drittletzte Gemeinde im Kanton notabene. Als Vorreiter massgeblich beteiligt war Otto Bertschi, der Grossvater des heutigen Brunnenmeisters. Dem Spengler Otto Bertschi «gelang es, bereits vorhandene, kleine Teilnetze unter sich zu vereinigen und zu ergänzen.» So steht es in der Dorfchronik von Rolf Bolliger und Markus Wider-Dean aus dem Jahr 2012. «Er wurde damit zum grössten Wasserbesitzer und Pionier der Gontenschwiler Wasserversorgung», ist in der Chronik weiter zu lesen. «Bertschi investierte auf eigenes Risiko in den Bau von Brunnstuben, Reservoirs und kilometerlangen Leitungen.»

Öffentliche Versorgung: Heikle Sache

In den 50er-Jahren wollte die Gemeinde möglichst rasch eine flächendeckende Wasserversorgung einführen und dazu Otto Bertschis Wassernetz übernehmen. «Man konnte sich aber nicht auf beidseitig akzeptierte Bedingungen einigen, was zu einem langjährigen Hickhack und – als Folge davon – zu weiteren Verzögerungen führte», so die Historiker in der Dorfchronik.

Es war Ruedi Bertschis Onkel Willy, der 1966, nachdem das Wassernetz an die Gemeinde überging, erster Gontenschwiler Brunnenmeister wurde. Dessen Bruder Ernst, Ruedi Bertschis Vater, war Stellvertreter. «Ich habe das Wasser gewissermassen in den Genen», sagt Ruedi Bertschi und lacht. Er will sich nicht in den Vordergrund stellen. Trotzdem, was er heute über Wasser allgemein und über die Gontenschwiler Wasserinfrastruktur im Speziellen weiss, kann man nicht lernen – Brunnenmeisterschulung hin oder her – das hat er von Kindsbeinen an mitbekommen. Und so kommt es auch nicht von ungefähr, dass Sohn Joel Bertschi stellvertretender Brunnenmeister ist.

Um der Bevölkerung die Bedeutung und Geschichte der kommunalen Trinkwasserversorgung näher zu bringen, plant das Dorfmuseum Gontenschwil im kommenden Jahr eine Ausstellung zu diesem Thema.

Eigenes Wasser hat auch der Gasthof Bad Schwarzenberg in Gontenschwil. Die Quellen im Fels hinter dem Haus seien anno 1640 von Goldgräbern aufgetan worden – das erzählt man sich jedenfalls in Gontenschwil. «Denn wo Wasser ist, ist auch Gold», sagt Dieter Roth, Eigentümer und Guilde-Koch im «Bad Schwarzenberg». Für diesen Sandstein schien die alte Weisheit nicht zu gelten, die Goldgräber fanden jedenfalls nicht, wonach sie suchten. Trotzdem, ein Schatz war der Fund allemal. Denn das Wasser, das hier am Ende eines Stollens, rund 15 Meter tief im Fels verborgen, gesammelt wird, hat Mineralwasserqualität. Bis heute. Seit 1990 wird kein Schwarzenberger Mineralwasser mehr abgefüllt. In jenem Jahr ging die Brauerei Hochdorf, die das Wasser seit 1973 nutzte, an Feldschlösschen über. Der Grosskonzern hatte kein Interesse mehr an einer Vermarktung. So kamen nicht nur die Liegenschaft Bad Schwarzenberg, sondern auch die Quellen in den Besitz von Dieter Roth, der den Gasthof ebenfalls seit 1973 in Pacht führte. «Wir haben Freude an diesem Wasser», sagt Roth und stellt zwei Karaffen auf den Tisch: Eine mit und eine ohne Kohlensäure. Neben gutem Essen bietet er seinen Gästen auch eigenes Wasser an. Das «Stille» holt er eigens mit Flaschen aus dem Reservoir nebenan. «Es ist einfach besser, wenn es nicht zuerst durch die Leitungen gepumpt wird», so der Wirt. Für das Blöterliwasser, das im Keller des Gasthofs mit Kohlensäure versetzt werde, spiele es hingegen keine Rolle. Im Reservoir lagern etwa 38 000 Liter Wasser. Auch das «Bad Schwarzenberg» kennt keine Wasserknappheit. Die sechs gefassten Quellen liefern nicht viel, aber zuverlässig: Um die 28 Minutenliter sind es im Schnitt. «Wenn es sehr trocken war, merken wir das erst ein Jahr später.» Auch Brunnenmeister Ruedi Bertschi trifft man ab und zu im «Bad Schwarzenberg» an – spätestens nach dem nächsten Regen wieder: Im Auftrag der Wirtefamilie wird er Proben nehmen, um die Qualität des Quellwassers zu überprüfen.

Aus dem Fels kommt Mineralwasser

Eigenes Wasser hat auch der Gasthof Bad Schwarzenberg in Gontenschwil. Die Quellen im Fels hinter dem Haus seien anno 1640 von Goldgräbern aufgetan worden – das erzählt man sich jedenfalls in Gontenschwil. «Denn wo Wasser ist, ist auch Gold», sagt Dieter Roth, Eigentümer und Guilde-Koch im «Bad Schwarzenberg». Für diesen Sandstein schien die alte Weisheit nicht zu gelten, die Goldgräber fanden jedenfalls nicht, wonach sie suchten. Trotzdem, ein Schatz war der Fund allemal. Denn das Wasser, das hier am Ende eines Stollens, rund 15 Meter tief im Fels verborgen, gesammelt wird, hat Mineralwasserqualität. Bis heute. Seit 1990 wird kein Schwarzenberger Mineralwasser mehr abgefüllt. In jenem Jahr ging die Brauerei Hochdorf, die das Wasser seit 1973 nutzte, an Feldschlösschen über. Der Grosskonzern hatte kein Interesse mehr an einer Vermarktung. So kamen nicht nur die Liegenschaft Bad Schwarzenberg, sondern auch die Quellen in den Besitz von Dieter Roth, der den Gasthof ebenfalls seit 1973 in Pacht führte. «Wir haben Freude an diesem Wasser», sagt Roth und stellt zwei Karaffen auf den Tisch: Eine mit und eine ohne Kohlensäure. Neben gutem Essen bietet er seinen Gästen auch eigenes Wasser an. Das «Stille» holt er eigens mit Flaschen aus dem Reservoir nebenan. «Es ist einfach besser, wenn es nicht zuerst durch die Leitungen gepumpt wird», so der Wirt. Für das Blöterliwasser, das im Keller des Gasthofs mit Kohlensäure versetzt werde, spiele es hingegen keine Rolle. Im Reservoir lagern etwa 38 000 Liter Wasser. Auch das «Bad Schwarzenberg» kennt keine Wasserknappheit. Die sechs gefassten Quellen liefern nicht viel, aber zuverlässig: Um die 28 Minutenliter sind es im Schnitt. «Wenn es sehr trocken war, merken wir das erst ein Jahr später.» Auch Brunnenmeister Ruedi Bertschi trifft man ab und zu im «Bad Schwarzenberg» an – spätestens nach dem nächsten Regen wieder: Im Auftrag der Wirtefamilie wird er Proben nehmen, um die Qualität des Quellwassers zu überprüfen.