Reinach
Das Trafo-Häuschen wird zu einem geschützten Objekt

Die revidierte Bau- und Nutzungsordnung liegt nun vor. Nur wenig Land kann ausgezont werden. Ammann Martin Heiz moniert wegen vieler Diskussionen mit dem Kanton «Bürokratie pur». Der Handlungsspielraum der Gemeinde ist gering.

Nadja Rohner
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Dieses Transformatorenhäuschen gilt neu als schützenswertes Objekt.

Dieses Transformatorenhäuschen gilt neu als schützenswertes Objekt.

Rahel Plüss

In Reinach liegt die revidierte Bau- und Nutzungsordnung (BNO) zur Einsicht bei der Bauverwaltung auf. Zwei Jahre lang habe die zuständige Kommission mit den Planern daran gearbeitet, erzählt Gemeinderat Rudolf Lanz am Dienstag an einer Pressekonferenz: «Unsere Vorlage ist bei der Prüfungsinstanz des Kantons in zweiter Lesung durchgekommen. Das ist eher die Ausnahme, normalerweise braucht es drei bis vier Anläufe.»

Knapp 5 Hektaren Bauland sollen ausgezont werden, davon rund 2,3 Hektaren im Rahmen der BNO-Revision, der Rest für Richtplananpassungen. Eigentlich ist das wenig. Bei der letzten Revision vor 18 Jahren wurden ganze 150 Hektaren ausgezont – also rund dreissigmal so viel wie heute.

«Jetzt haben wir aber zehnmal mehr diskutiert und korrespondiert», sagt Ammann Martin Heiz und konstatiert: «Bürokratie pur.» Man merkt es ihm und dem Leiter Bau und Planung Philipp Rüber sowie Gemeinderat Rudolf Lanz an der Pressekonferenz an: Mit vielem, was «der Kanton» in Sachen Raumplanung vorschreibt, sind sie nicht einverstanden.

Der Handlungsspielraum der Gemeinden ist klein – man fügt sich. Anlass zum Stirnrunzeln bietet in Reinach das neue, umfangreiche Bauinventar der Gemeinde, zwei dicke Ringbücher mit besonders schützenswerten Bauten. Das Transformatorenhäuschen im Lenz ist neu ein geschütztes Objekt. Und auch das halbverfallene Förster-Heiz-Haus ist als Gebäude mit Substanz-Schutz eingetragen. Es gehört einer Erbengemeinschaft, die tief in die Tasche greifen müsste, wenn sie aus dem Haus etwas Neues machen wollte: «Im Falle eines grösseren Umbaus sind vorhergehende bauarchäologische Abklärungen vorzunehmen», heisst es im Bauinventar. «Wir konnten nicht verhindern, dass das so eingetragen wird», sagt Gemeindeammann Heiz. Die Erbengemeinschaft könnte aber noch Einsprache erheben.

Zudem gibt es in Reinach neu eine Handvoll «historisch wertvolle Gärten», zum Beispiel beim Museum Schneggli. Auch diese dürfen nur mit besonderen Auflagen verändert werden.

Man hätte sich etwas mehr gesunden Menschenverstand statt derart viele Vorgaben und bürokratische Hürden gewünscht, lautet der Tenor im Gemeinderat. Allerdings gab es bei der Erarbeitung der BNO auch erfreuliche Momente: So wurde das attraktive Baugebiet beim Sonnenberg vor einer Auszonung bewahrt. Und ein Grossteil der 28 Mitwirkungen, die aus der Bevölkerung eingingen, konnten bereinigt werden.

Wachstum ja, aber mit Bedacht

Im Grundsatz wolle man mit der neuen BNO eine kontinuierliche Bevölkerungsentwicklung sicherstellen – verdichtetes Bauen und eine Erhöhung der Ausnützungsziffer sind unumgänglich. Jedoch: «Qualität vor Quantität», sagt Rudolf Lanz. «Wir wollen kein Wachstum um jeden Preis.» Das heisst: Um das eher dürftige Steuersubstrat zu erhöhen, sollen gute Steuerzahler nach Reinach ziehen. Gleichzeitig will man mit der neuen BNO die Identität der Zentren erhalten und das Gewerbe im Ort fördern. Zu einem Schlafdorf dürfe Reinach nicht werden, so Lanz.

Bis zum 29. September liegt die revidierte Bau- und Nutzungsordnung öffentlich bei der Abteilung Bau und Planung auf. «Wir hoffen, dass sie von möglichst vielen Reinachern eingesehen wird», sagt Ammann Heiz. Nach der Auflage werden allfällige Einspracheverhandlungen geführt, im Sommer 2016 soll die revidierte BNO der Gemeindeversammlung vorgelegt werden.

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