Reinach/Menziken
Das sind die kritischen Stellen der unbändigen Wyna

Der Kanton Aargau hat die aktuelle Hochwasserkarte ins Internet gestellt. Ein Blick darauf zeigt, im Oberwynental gibt es noch mehrere kritische Stellen und über 50 Punkte, wo die Wyna über die Ufer treten könnte.

Peter Siegrist
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Das sind die kritischen Stellen der Wyna

Der Kanton Aargau hat die aktuelle Hochwasserkarte ins Internet gestellt. Ein Blick darauf zeigt, im Oberwynental gibt es noch mehrere kritische Stellen und über 50 Punkte, wo die Wyna über die Ufer treten könnte.

Der Reinacher Gemeindeammann Martin Heiz und der Menziker Gemeinderat Ueli Rindlisbacher stehen in Reinach, hinter der Valiant Bank am Wyna-Ufer. In diesen Tagen führt der Bach kaum mehr Wasser, aber dennoch runzeln die beiden Politiker die Stirn.

«Der Kanton und die Gemeinden haben während der letzten 20 Jahre sehr viel gemacht und grosse Summen verbaut», sagt Heiz, «das muss man sagen.» Aber dennoch sei weder in Menziken noch in Reinach die Hochwassergefahr vom Tisch, ergänzt Rindlisbacher.

Die beiden Rückhaltebecken, eines südlich von Beromünster und eines zwischen Zetzwil und Gontenschwil, erfüllten zwar ihre Aufgabe. Seit «Beromünster» gebaut ist, ist die Gefahr für die beiden Oberwynentaler Gemeinden viel geringer, aber nicht gebannt. Und das Becken im Moos schützt das mittlere Wynental.

Zuflüsse und Engpässe der Wyna

Ueli Rindlisbacher erklärt die Situation. «Im oberen Wynental sind es ganz klar die Seitenbäche, die uns Sorge machen.» Bei einem heftigen Gewitter würden die Bächlein innert 20 Minuten zu reissenden Bächen. In Menziken sind es der Rickenbach, der Trolerbach und der Schwarzenbach, die viel Wasser von den Talseiten herunter in die Wyna führen. In Reinach ist es der Schorenbach, der zum grössten Teil eingedolt ist und hinter der Valiant Bank in die Wyna mündet. Bei Hochwasser sind die Zuflüsse für die Seitenbäche reduziert, und das Wasser staut sich zurück bis in die Quartiere.

Zudem gibt es in beiden Dörfern noch ein paar enge Stellen, wo die Wyna unter Strassen und Gebäuden hindurchfliesst. Kritische Punkte sind hier zum Beispiel die Gässlibrücke, die Bogenbrücke Herkulesstrasse und weiter nördlich oberhalb die Firma Fischer an der Grenze Menziken-Reinach sowie die Unterführung hinter der Valiant Bank in Reinach.

Man treibe den Hochwasserschutz heute auf zwei Ebenen weiter, erklärt Rindlisbacher. Da sei einerseits der Objektschutz in den gefährdeten Gebieten: «Im Prinzip halten wir mit Schwellen und Mauern das Wasser von den Gebäuden fern und leiten es von der Strasse wieder zurück ins Bachbett.»

Ein weiteres Rückhaltebecken?

Weiter diskutiere man im Richtplan weitere grosse Massnahmen. So wäre es möglich, südlich von Menziken im Gebiet Maihusen, angelehnt an den ehemaligen Bahndamm, ein weiteres Rückhaltebecken zu realisieren. «Rund 120000 Kubikmeter Wasser könnten hier zurückgehalten werden und dosiert weitergeleitet werden. «Das wäre wohl die günstigste und effizienteste Möglichkeit.»

Allenfalls zusätzlich stauen könnte man noch im Gebiet des Schlifiweihers im Südwesten von Menziken. «Etwa 8000 Kubikmeter wären da möglich», erklärt Rindlisbacher. An einen Hochwasserstollen ab Einmündung Rickenbach in Menziken bis ins Reinacher Unterdorf glauben die beiden Kommunalpolitiker selber nicht.

Eine weitere Möglichkeit wäre die Vertiefung des Bachbettes der Wyna, um den Durchfluss zu steigern. Aber da sind beide realistisch: «Gerade im Dorf stehen viele Gebäude ganz am Bachufer und ihre Fundamente sind Teil des Ufers. Da kann man nicht graben», sagt Heiz. Umso wichtiger sei deshalb ein guter Unterhalt, der engen Stellen und Bachunterführungen. «Wir müssen regelmässig das angeschwemmte Kies ausbaggern», sagt Rindlisbacher, «und so den Weg für das Wasser offen halten.»