Schlossrued

Das Schloss Rued ist bald keine «Villa Durchzug» mehr

Läuft alles nach Plan, ist Ende Monat der Blick auf das Schloss wieder frei.

Läuft alles nach Plan, ist Ende Monat der Blick auf das Schloss wieder frei.

Die aufwendige Sanierung der Aussenhülle vom Schloss Rued ist Ende Monat abgeschlossen. Im Inneren soll ein Seminarzentrum entstehen.

Es geht etwas auf dem Schloss Rued. Noch ist das Herrschaftsgebäude aus dem späten 18. Jahrhundert von unten bis oben eingerüstet, doch bis Ende Monat sollen die Sanierungsarbeiten an der Aussenhülle abgeschlossen sein. Es war ein aufwendiges Unterfangen – nicht nur die Aussensanierung selbst, die ganze Planung und Konzeptionierung, das Einholen der Bewilligungen und die bautechnischen Vorabklärungen nahmen ungeheuer viel Zeit in Anspruch, wie es seitens der Eigentümerin, der Erowa AG, heisst. Sie hatte das Gebäude im Jahr 2006 ersteigert. In der Zwischenzeit kamen der Schlossrueder «Storchen» und das ehemalige Tanzhüsli hinzu, zusammen mit dem Schloss ein historisches Ensemble im Ruedertal.

Nicht oberste Priorität

Seit fast einem Jahr ist das Schloss nun eingehüllt. Manch einer unten im Dorf mag sich derweil die Frage gestellt haben, was die da oben wohl so lange treiben. Dass das Schloss Rued in der Agenda der international tätigen Firma nicht zuoberst gestanden hat, daraus macht man bei der Erowa AG keinen Hehl. Nicht ganz unschuldig ist aber auch der Denkmalschutz. Das sagt der Denkmalpfleger selbst, nicht so direkt, aber bildlich: «Unsere Arbeit gleicht dem Vorgehen eines Arztes», so Jonas Kallenbach, der die Sanierungsarbeiten begleitet.

Bald sieht das Schloss von aussen wieder aus wie zu Zeiten des Herrn von Rued.

Bald sieht das Schloss von aussen wieder aus wie zu Zeiten des Herrn von Rued.

«Zuerst müssen wir den Patienten untersuchen, herausfinden, was ihm fehlt und entscheiden, wie wir ihm helfen können.» Das brauche Zeit. Das leuchtet ein. Immerhin ist der Patient über 200 Jahre alt und hat in der Vergangenheit stark gelitten. Von einem «sehr schlechten Zustand» ist die Rede. Bevor die Erowa AG das Schloss erstand, hatten die Besitzer in rascher Abfolge gewechselt. Ihre Untätigkeit hinterliess Spuren am alten Gemäuer. Trotz alledem sei die Grundsubstanz der Baute gut erhalten geblieben, sagt der Denkmalpfleger. «Das ist unser Glück.»

Kalkputz aus 19. Jahrhundert

Wenn die Hüllen demnächst fallen, soll das Schloss von aussen wieder annähernd so aussehen wie damals, als es Carl Friedrich von May, der Herr von Rued, in den Jahren 1792 bis 1796 nach einem grossen Schlossbrand wieder erbauen liess. «Wir haben versucht, uns sowohl von der Materialisierung wie von der Farbgebung her dem Originalzustand anzunähern», sagt Kallenbach. Dass dies überhaupt möglich wurde, war nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass man beim Abbruch eines nachträglich angebauten Aussenkamins Reste des Kalkputzes aus dem 19. Jahrhundert entdeckte. Ebenfalls gut erhalten sind die schätzungsweise 150- bis 200-jährigen Eichenfenster. Sie können saniert und energetisch aufgewertet werden, bleiben also bestehen. Ein weiterer Glücksfall.

Mit weiteren zweieinhalb bis drei Jahren Bauzeit rechnet die Erowa AG für den Innenausbau. Wenn man in dem feuchten, ausgehöhlten Gebäude steht, wo der Boden fehlt und es von den Wänden bröckelt, fällt die Vorstellung eines modernen Seminarzentrums schwer. Doch die Eigentümerschaft äussert sich entschlossen, und es klingt angesichts der fragenden Gesichter unten im Dorf wie ein Versprechen: «Was wir angerissen haben, das ziehen wir auch durch.»

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