Fusion

Das heisse Ende von Attelwil

Das ehemalige Schulhaus Attelwil steht seit über einem Jahr leer. Bisher wollten es die Stimmbürger nicht zum Verkauf freigeben.

Das ehemalige Schulhaus Attelwil steht seit über einem Jahr leer. Bisher wollten es die Stimmbürger nicht zum Verkauf freigeben.

Attelwil blickt seiner letzten Gemeindeversammlung entgegen. Es warten ein umstrittenes Geschäft und der Besuch eines Regierungsrates.

Es ist der Abschied von einer Gemeinde: Am 22. November treffen sich die Attelwiler ein letztes Mal zu einer Versammlung. Ab dem 1. Januar sind sie wegen der Fusion Reitnauer. Für vier Gemeinderäte wird die Gemeindeversammlung eine der letzten Amtshandlungen sein, von den bisherigen ist einzig Markus Baumann in der Exekutive der fusionierten Gemeinde Reitnau vertreten.

Zwei Höhepunkte sind an dieser Dernière zu erwarten: Zum einen gibt sich Regierungsrat Urs Hofmann, zuständig für die Gemeinden, die Ehre und hält eine Ansprache. Zum anderen soll reiner Tisch gemacht werden. Der Gemeinderat geht an der letzten Gmeind ein heisses Eisen an, das schon längere Zeit am Glühen ist.

Bisher Nein zu Verkauf

Der Gemeinderat beantragt den Stimmbürgern erneut, das Sorgenkind der Gemeinde, das ehemalige Schulhaus, verkaufen zu dürfen. Die Betreiber der Schule hatten gekündigt, seit Juni 2017 steht das Gebäude leer. Es ist gemäss Gemeinderat stark renovierungsbedürftig, bei längerer Nichtnutzung droht der Zerfall. Die Gemeinde schrieb es für 65 242 Franken jährlich zur Miete aus, einen Mieter fand man jedoch nicht. Hingegen kamen schnell einmal Kaufangebote, weshalb schon der Wintergmeind 2017 beantragt wurde, an Stelle der Vermietung den Verkauf zu prüfen. Das wollten die Attelwiler jedoch nicht. Auch als man an der diesjährigen Sommergmeind das Thema abermals auf den Tisch brachte – es gibt zwei konkrete Kaufinteressenten – waren die Stimmbürger dagegen. Das Gebäude sei als Mietobjekt eine wertvolle Kapitalanlage, die Wiese würde zudem für die Bundesfeier und Fussballspiele gebraucht, hiess es damals. Notfalls solle der Mietzins gesenkt werden.

Verkauf erneut auf dem Tisch

Bald steht das Gebäude eineinhalb Jahre verwaist da. Deshalb wird den Attelwilern nun zum dritten Mal ein Verkauf schmackhaft gemacht. Die Strategie: Transparenz. In der Broschüre zur Gmeind werden zum ersten Mal die beiden Kaufinteressenten genannt. Der eine ist Willi Lehmann, Eigentümer des Restaurants Schmiedstube, der zweite Andreas Hochuli, Inhaber der Sieber Holzbau AG in Triengen LU. Der Gemeinderat schreibt dazu: «Die beiden Kaufinteressenten möchten ihre Projekte/Visionen vor der Gemeindeversammlung offenlegen. Die Gemeindeversammlung Attelwil soll die Gelegenheit erhalten, in voller Kenntnis der Projekte und Visionen der Interessenten nochmals über eine allfällige Verkaufsprüfung der Gesamtparzelle oder der Teilparzelle diskutieren zu können.»

Die Interessenten werden an dem Abend gemeinsam ihre Projektideen vorstellen. Laut Botschaft könne an beide verkauft werden. Denn anscheinend sind sie nicht an denselben Objekten der Parzelle interessiert, die aus Schulhaus, Schulgelände und der Liegenschaft «Walter Morgenthaler» besteht. So wird der Gmeind nebst dem Parzellenverkauf auch die Abparzellierung der Liegenschaft «Walter Morgenthaler» beantragt.

Das Interesse von Willi Lehmann ist insofern interessant, als dass seine «Schmiedstube» unmittelbar neben der Parzelle steht. Im Restaurant werde es nun Veränderungen geben, heisst es in der Botschaft. Damit wird die Schliessung der Dorfbeiz durch Wirtin Manuela Loosli per 16. Dezember angesprochen. Die 26-Jährige hatte das Lokal vor zwei Jahren übernommen. Aus der Formulierung kann gelesen werden, dass darin künftig keine Wirtschaft mehr betrieben wird.

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