Oberkulm

«Das halbe Buch schreibt sich von selbst»: 16-jährige Aargauerin veröffentlicht ersten Fantasy-Roman

«Das Königreich von Elionor» ist das erste Buch von Ladina Decurtins.

«Das Königreich von Elionor» ist das erste Buch von Ladina Decurtins.

Ladina Decurtins (16) aus Oberkulm hat ihren ersten Fantasy-Roman veröffentlicht. Aus der Geschichte soll eine Trilogie werden.

Ihr erstes Buch schrieb Ladina Decurtins im Alter von zehn Jahren zu Hause im Kinderzimmer. Es handelte sich dabei um eine Kurzgeschichte, aus der sie später am heimischen Drucker ein Buch entstehen liess. Heute, sechs Jahre später, hält die 16-Jährige ihren ersten richtigen Roman in der Hand, gedruckt und herausgebracht hat ihn diesmal ein Verlag.

Die junge Frau wirkt im ersten Moment eher zurückhaltend. Sobald die Sprache auf ihr Buch kommt, versteht man jedoch, wieso Decurtins im Alter von 16 Jahren einen Verlag von ihrem Werk überzeugen konnte. Hat sie ein Ziel, verfolgt sie es und lässt sich nicht verunsichern.

Ladina Decurtins liest aus ihrem Buch «Die Königstochter von Elionor»

Ladina Decurtins liest aus ihrem Buch «Die Königstochter von Elionor»

Decurtins schrieb schon in ihrer Kindheit viel: «Die erste Kurzgeschichte verfasste ich, weil mir langweilig war und ich mich beschäftigen wollte.» Über die Jahre schrieb die Oberkulmerin unzählige Kurzgeschichten, doch ein Problem blieb dabei stets bestehen: «Nach spätestens zehn Seiten gingen mir die Ideen aus und ich wusste nicht, wie ich die Geschichte weitererzählen soll.»

Von sechs Kapiteln wieder zurück zum Neuanfang

Die Idee für ihr zukünftiges Buch hatte Ladina Decurtins bereits seit längerem im Hinterkopf. Eine Geschichte über die 17-jährige Faye Miller, deren Mutter von einem Tag auf den anderen spurlos verschwindet. Auf mysteriöse Weise findet sich Faye in einer neuen Welt voller Magie wieder. Dort findet sie heraus, dass sie Feuer erzeugen und kontrollieren kann. In dieser Welt erfährt Faye einiges über ihre Familie, ihre Vergangenheit und auch sich selbst. Doch Faye hat in der neuen magischen Welt auch Feinde, die nach dem Leben des Mädchens trachten. Um die Geschichte von Faye überhaupt in einem Buchformat erzählen zu können, machte sich Decurtins einen Plan. Sie recherchierte im Internet nach Schreibmethoden und wie andere Autoren den Prozess angegangen sind. «Ich schrieb nicht mehr einfach so drauf los, sondern machte mir zuerst Mindmaps und arbeitete die Charaktere meiner Protagonisten aus.» Dank der neuen Schreibmethoden schrieb die Jungautorin sechs Kapitel von ihrem Débutroman und löschte diese wieder komplett. «Ich habe gemerkt, dass die Grundgeschichte für mich stimmt, sich die Charaktere aber nicht so entwickeln, wie ich es mir vorgestellt habe. Es gab zu viele Lücken und Ungereimtheiten.»

Das Löschen von so vielen Seiten schien Decurtins nicht sonderlich beeindruckt zu haben. Hört man der jungen Autorin zu, erkennt man schnell, dass sie das Schreiben um der Geschichte willen macht und nicht primär für das fertige Produkt. Auch beim zweiten Schreibversuch machte sich Decurtins keinen Druck. «Teilweise schrieb ich jeden Tag, dann aber auch mal wieder einen Monat nicht. Manchmal hatte ich in der Schule viel zu tun, mal aber auch einfach keine Lust.»

Rund zwei Jahre brauchte Decurtins, die mittlerweile die Kantonsschule in Aarau besucht, um ihr Buch fertigzustellen. Schon vorher wandte sie sich an verschiedene Verlagen und bot ihr Manuskript an. Von den ersten zehn Verlagen, die sie anschrieb, erhielt sie keine Rückmeldung. Also suchte die 16-Jährige im Internet nach neuen Adressen, die für sie in Frage kamen. «Man muss es probieren, sonst weiss man nicht, ob es funktioniert», so Ladina Decurtins.

Der zweite Versuch brachte Erfolg. Ein Verlag interessierte sich für das Buch, doch Decurtins musste es nochmals überarbeiten. «Ich habe unter anderem auch noch Kapitel aus der Sicht von Nebenfiguren geschrieben und einige Ungereimtheiten ausgemerzt», erklärt sie. Wie fühlt es sich an, wenn man sein erstes eigenes Buch in der Hand hält? «Irgendwie komisch, aber auch cool», sagt Decurtins und grinst.

Eigenständig handelnde Romanfiguren

Auch mit Kritik und schlechten Rezessionen weiss die Oberkulmerin umzugehen: «Wenn jemand meinen Schreibstil nicht mag, ist es oft eine subjektive Ansicht, das muss ich akzeptieren», sagt sie. Momentan schreibt Decurtins am zweiten Band ihres Buches. Für Fayes Abenteuer hat Ladina Decurtins eine Trilogie geplant. Die Geschichte nimmt dabei teilweise einen nicht geplanten Lauf. «Das halbe Buch schreibt sich von selbst, aber manchmal machen die Figuren, was sie wollen», erklärt sie lachend. «Ich hatte für Faye, die Hauptfigur schon genau Pläne und plötzlich war sie in meiner Geschichte in der Bibliothek, ich wusste nicht, wie sie dahingekommen ist.»

Vollzeitautorin möchte Decurtins derzeit nicht werden. «Ich weiss, wie schwierig es sein kann und wie viel dahinter steckt, ausschliessen würde ich es aber nicht.» Erstmals steht für die Oberkulmerin ein Auslandsjahr in der USA an. Wo genau das sein wird, weiss sie noch nicht. Die USA kennt Decurtins jedoch sowieso sehr gut. Mit ihrer Familie reist die Oberkulmerin jedes Jahr in die USA, um einen Teil der Ferien dort zu verbringen. Später möchte Decurtins Jura studieren, gerne auch in den USA. «Das wird wahrscheinlich ein wenig kompliziert, aber probieren kann man es.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1