Unterkulm
Das Gülle-Malheur bleibt ohne Folgen – Bauer wird freigesprochen

Ein Wynentaler Bauer wurde vor dem Bezirksgericht Kulm freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn zuvor zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt – wegen Verletzens der Sorgfaltspflicht.

Melanie Eichenberger
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zvg

Es war nicht der Tag des damals 40-jährigen Bauern aus dem Wynental. Am Abend des 29. Juni 2016 brachte er auf seinem Feld Gülle aus. Als er fertig war – das Fass noch nicht ganz leer –, stiess er beim Verlassen des Feldes mit dem Auslassstutzen seines Druckfasses am Boden auf. Der Stutzen, der, wie sich später herausstellte, durchgerostet war, gab nach. Und da hatte der Bauer die Sauerei: Ungefähr 500 Liter Jauche flossen in Richtung des nahegelegenen Erlenbächlis. Der Landwirt reagierte sofort und alarmierte die örtliche Feuerwehr und den Brunnenmeister. Er hatte Glück im Unglück: Die Feuerwehr war wegen eines Verkehrsunfalls in der Region unterwegs – und darum sofort einsatzbereit. Sie konnte das Bächli stauen, die Fische retten, die Jauche abpumpen und so Schlimmeres verhindern.

Fahrlässiges Vergehen

Alles noch mal gut gegangen – könnte man meinen. Die Staatsanwaltschaft sah das aber anders. Sie verurteilte den Wynentaler Bauern wegen fahrlässigen Vergehen gegen das Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 80 Franken bei einer Probezeit von drei Jahren. Dazu eine Busse von 500 Franken. Das Strafmass begründete sie mit dem Verletzen der Sorgfaltspflicht. Der Bauer sei dieser nicht nachgekommen, weil er vor dem Ausbringen der Gülle den Zustand des Druckfasses nicht kontrolliert habe. Damit war der Beschuldigte nicht einverstanden. Er erhob Einsprache. Der Fall wurde in der Folge an das Bezirksgericht Kulm überwiesen.

Jetzt musste er sich vor der Einzelrichterin behaupten. Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny Fäs befragte den Beschuldigten zum besagten Abend: «Können Sie uns erzählen, was zu diesem ‹Malheur› geführt hat?» Der Beschuldigte gab den Sachverhalt wieder und erklärte der Richterin aufgrund von Bildern des Auslassstutzens in den Verfahrensakten den Defekt des Güllenfasses. Das 25-jährige Fass werde von drei verschiedenen Parteien in der Region verwendet. «Es ist immer sachgemäss gewartet worden», betonte der Beschuldigte. Die Krux an der Sache: Der Stahl-Stutzen des Güllenfasses war in den Schieber hineingeschraubt. Der wiederum bestand aus Messing. Das hineingeschraubte Teil rostete im Innern. Deshalb war von aussen nicht erkennbar, dass der Stutzen im Begriff war, kaputt zu gehen.

Auf die Frage, ob es einen Anlass dazu gebe, bei der Wartung eines Druckfasses den Schieber und Stutzen jeweils auseinanderzuschrauben, entgegnete der Beschuldigte mit einem klaren Nein. «Sonst müsste ich jede meiner Maschinen vor dem Gebrauch auseinanderschrauben.» Auch sei in keiner Bedienungsanleitung gestanden, dass dieses Teil durchrosten könnte.

Schnell und richtig gehandelt

Im Schlussplädoyer betonte der Landwirt, dass es ihm wichtig sei, zu sagen, dass er zu keinem Zeitpunkt fahrlässig gehandelt habe. «Deshalb sitzen wir auch hier», so der Bauer, der ohne Anwalt an der Verhandlung erschien. Er lege grossen Wert darauf, dass seine Maschinen ständig gewartet und geflickt würden. «Es stand schlichtweg nicht in meiner Macht, den Unfall zu verhindern.»

Dies sah die Einzelrichterin auch so. Die Gerichtspräsidentin kam zum Schluss, dass von aussen tatsächlich keine Mängel am Druckfass hätten festgestellt werden können. Und der Bauer so seine Sorgfaltspflicht nicht verletzt habe. Sie hatte keine Zweifel am gewissenhaften Umgang des Bauern mit seinen Maschinen. Was zwar nicht zur Urteilsfindung beigetragen habe, dem Bauern aber trotzdem zugutegehalten wurde, war: «Dass Sie – nachdem das ‹Malheur› passiert ist – richtig und schnell gehandelt haben», so die Gerichtspräsidentin zum Beschuldigten.

Der Bauer aus dem Bezirk Kulm wurde freigesprochen, die Verfahrenskosten gehen zulasten des Staates.

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