Es klappert, der Lärm ist ohrenbetäubend, 92 Dezibel, die Ohrstöpsel liegen bereit. Im Raum webt die Bandfabrik Huber Bänder. Der Raum wird Schiffchen-Weberei genannt, da er vor allem aus Schiffchen-Webstühlen besteht. Sie sind alle vollelektronisch und sie lärmen. Hier werden unter anderem Filter für die Chemie-Industrie und Storenbänder produziert. «Die einzelnen Komponenten der Maschinen werden nach unseren Bedürfnissen entwickelt», sagt Geschäftsführer Thomas Huber. «Deswegen haben wir in der Fabrik eine ausgebaute Werkstatt.» Am Unternehmer-Apéro führt er die Gewerbler durch seine Fabrik. Eine Fabrik, die seit 1864 in Familienbesitz und in Oberkulm ansässig ist.

25 Millionen Meter Band

Bis heute konnte sich die Bandfabrik durchsetzen, produziert technische Bänder aus allen verwebbaren Materialien, wie Garne aus Kunstfasern, Natur- und auch Glasfasern. Den Ausschlag, in Oberkulm zu bleiben, hätten die Mitarbeiter gegeben. «Die Bandproduktion braucht ein spezielles Wissen. Würden wir wegziehen, würde dieses Wissen verloren gehen», sagt Huber. In Oberkulm werden jährlich bis zu 25 Millionen Meter Band produziert, rund 65 Prozent davon wird exportiert.

Doch wie geht es den anderen Oberkulmer Unternehmern? Wo drückt ihnen der Schuh? «Bei uns läuft es gut», sagen Matthias Schmid und Martin Abbühl von der Abbühl + Schmid GmbH, einer Firma, die Heizungs- und Sanitärinstallationen sowie Spenglerarbeiten ausführt. Das hätten sie auch dem Brunnenmeister-Amt zu verdanken. Ähnliches sagt auch Roger Stenz von der Firma Gassmann Service AG, spezialisiert auf Energie- und Wärmetechnikanlagen. Vor zwei Jahren hat die Firma ihren Hauptsitz von Zetzwil nach Oberkulm verlegt, von wo aus sie in der ganzen Region tätig ist.

«Bei mir läuft alles übers Internet, der Standort spielt keine Rolle», sagt Friedrich Schütz. Er fertigt Flugzeugmodelle aus Expandiertem Polypropylen (EPP) an, das beinahe unzerstörbar sei. Momentan baue er in Zusammenarbeit mit ETH, WWF und Greenpeace das Gerüst eines Drohnen-Prototypen zur Überwachung von illegalem Baumschlag.

Lädelisterben beschäftigt

«Ich habe eine gute Stammkundschaft», sagt Anita Voggesser. Die Gesundheitsmasseurin betreibt seit über zehn Jahren eine Praxis. Auch auf eine gute Kundschaft zählen kann Erika Roth, die in Oberkulm und in Reinach das Blumengeschäft Art Floral betreibt. Doch: «Die grosse Schwierigkeit ist das Personal.» Es sei nicht einfach, offene Stellen mit Leuten aus der Region zu besetzen, momentan hat sie zwei offene Stellen.

Esther Lüscher (vorher Weigl) wird ihr Advokaturbüro bald altershalber aufgeben. Sie hat einen Wunsch für Oberkulm und das Wynental: «Ich würde es sehr begrüssen, wenn es mehr Anwältinnen in der Region hätte.» Und die Frauen sind sich einig: «Die Kunden wären dankbar, wenn die Geschäfte hier in der Region wären.» Damit sprechen sie das Lädelisterben an. Denn nach der Geschäftsaufgabe der Metzgerei Kyburz gibt es keinen Metzger mehr in Oberkulm. «Ich hoffe, dass das Lädelisterben aufhört», sagt auch Gemeindeammann Edmund Studiger in seinen Ausführungen (siehe Box).

Zurück in der Bandfabrik, die Unternehmer sind in der Nadelweberei angekommen, Nadelmaschine reiht sich an Nadelmaschine. Im nächsten Raum werden die Bänder auf Webfehler kontrolliert. Im sogenannten Thermofixierprozess werden mit Wärme Zugkraft und Dehnung festgelegt und die Bänder werden mit Chemikalien bearbeitet. Dann werden sie auf Spulen aufgezogen, in Kartonschachteln verpackt und bereitgestellt für die Auslieferung.