Schmiedrued
Das Ende des Reitvereins bedeutet auch das Aus für die Fuchsjagd

Jahr für Jahr lockte die Fuchsjagd im Ruedertal im Herbst zahlreiche Schaulustige an. Das ist nun vorbei, weil der Reitverein aufgelöst wird. Der bekannte Staffelbacher Arthur Steinmann, auch «Mister Fuchsjagd» genannt, erinnert sich.

Sibylle Haltiner
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Zurück auf der Nütziweid nach einer gelungenen Fuchsjagd
13 Bilder
Kari Häfeli, mit Cowboyhut, führte viele Jahre das Feld der Westernreiter an
Viele Pferde genossen das Bad in der Suhre
Fuchsjagd bedeutet gemeinsames Ausreiten und Springen von Naturhindernissen
Die Ponys füllten jeweils ein eigenes Feld
Im Finish gaben Reiter und Pferde nochmals alles
Die Jagdhornbläser Freiwild Wiggertal sorgten für herbstliche Atmosphäre
Bereit zum Abritt mit der Stute Quick Star
Das frische Galoppieren gefiel Pferden und Reiterinnen
Arthur Steinmann und Quick Star beim Springen
Arthur Steinmann (Zweiter von rechts) mit dem Fuchsschwanz am Ärmel vor dem Abritt
Auch Haflingerpferde nahmen an der Fuchsjagd teil und sprangen begeistert über die Hindernisse
Fuchsjagden im Ruedertal

Zurück auf der Nütziweid nach einer gelungenen Fuchsjagd

Sibylle Haltiner

Mindestens 35 Ruedertaler Fuchsjagden ist er geritten, meistens an der Spitze des ersten Feldes, und die Strecken gekannt hat er wie kein anderer. Der Staffelbacher Arthur Steinmann kann mit Fug und Recht als «Mister Ruedertaler Fuchsjagd» bezeichnet werden.

Gemeinsames Reiterlebnis

Die Fuchsjagd am ersten Oktoberwochenende war jeweils der Höhepunkt im Vereinsjahr der Ruedertaler Reiter. Im Frühling hat sich der Verein aufgelöst: Es mangelte an Mitgliedern und Nachfolgern für den Vorstand.

Damit ist auch die Fuchsjagd Geschichte. Der Anlass wird nicht nur vielen Jagdreitern fehlen, sondern auch den Zuschauern, welche die Felder gerne beim Vorbeireiten beobachteten. Trotz des Namens sind Jagdreiter nämlich sehr friedlich, nicht einmal die Füchse mussten sich vor ihnen fürchten.

Bei der Fuchsjagd handelt es sich um ein gemeinsames Ausreiten über Wiesen und Felder. Jede Reitergruppe wird von einem Fuchs angeführt, der die Strecke kennt. Am Schluss gibt es ein Rennen, dessen Sieger einen Fuchsschwanz erhält.

Allerdings wurden die Reiter mit den Jahren immer weniger. «Viele Freizeitreiter sind sich nicht mehr gewohnt, in der Gruppe zu galoppieren», konstatiert Arthur Steinmann. «Und die Springreiter befürchten, dass sie danach ihre Pferde nicht mehr unter Kontrolle haben.» Trafen sich früher über 100 Reiterinnen und Reiter zum Abritt auf der Nütziweid ob Schmiedrued, schwand deren Zahl in letzter Zeit zusehends.

Hornklänge gaben das Signal

Für Steinmann war jede Fuchsjagd ein besonderes Erlebnis. «Es ist einfach ein schönes Gefühl», schwärmt er, «und die Jagdhornbläser sorgten für die richtige Atmosphäre. Auch die Pferde wussten immer, dass es jetzt losgeht, und waren bereit, sobald die Hornklänge ertönten.»

Der «Steime Thuri», wie er von Kollegen genannt wird, ritt aber nicht nur mit, er war auch für die Strecke verantwortlich. Als Vertreter für Futtermittel hatte er die notwendigen Kontakte zu den Bauern und Landbesitzern, die abgeerntete Felder und gemähte Wiesen für den Durchritt zur Verfügung stellten. «Einige haben jeweils richtiggehend auf meinen Besuch gewartet», berichtet der Staffelbacher.

Fünf verschiedene Strecken hatte er zur Auswahl, sodass die Ruedertaler Fuchsjagd den Teilnehmern abwechslungsreiche Routen bieten konnte. Oft stand auch ein Bad in der Suhre auf dem Plan.

Dort zeigte sich, wessen Pferd genug Mut hatte, um ins Wasser hinunterzusteigen, und mancher Reiter kam mit nassen Hosen wieder hoch – meistens aber, weil sein Vierbeiner aus lauter Freude übermütig geplantscht hatte.

Obwohl das Springen in der Jagdreiterei einen grossen Stellenwert hat, war die Fuchsjagd ein Anlass für alle Arten von Reitern und Pferderassen. Sogar Westernreiter nahmen gerne teil, Kari Häfeli, ein weitherum bekanntes Original mit langem Bart und Cowboyhut, führte lange Jahre dieses Feld an.

Arthur Steinmann aber war immer bei den Springern dabei. «In den vorderen Feldern war das Springen Ehrensache», erzählt er. Wer ein Hindernis verpasste, spendierte nachher seinen Mitreitern einen Halbliter Wein.

Wobei dieser Tribut von den meisten gerne bezahlt wurde, war doch das gemütliche Beisammensein ein ebenso geschätzter Bestandteil der Fuchsjagd wie das Reiten selbst.

Fuchsschwanz als Trophäe

Doch vor dem geselligen Ausklang wurde jeweils in einem kurzen Rennen, dem sogenannten Finish, um den Fuchsschwanz gekämpft. «Für viele war der Gewinn des Fuchsschwanzes das Wichtigste», erzählt Steinmann.

«Nach dem Mittagessen, dem sogenannten Bügeltrunk, wurden die Reiter bereits ruhig und überlegten sich eine Rennstrategie.» Auch Steinmann hatte oft ein schnelles Pferd unter dem Sattel und nahm einige Male einen Fuchsschwanz mit nach Hause.

Das Wichtigste für den Reitverein war eine unfallfreie Veranstaltung. «Wir haben viel Wert auf die Sicherheit gelegt und feste Hindernisse gebaut, damit die Pferde vorsichtig springen», erklärt der erfahrene Fuchs.

Zu grösseren Unfällen kam es in all den Jahren nie, auch wenn immer mal wieder ein Reiter ungewollt den Sattel verlassen musste. Doch nicht jedem passierte ein solches Malheur. Mit einem verschmitzten Lächeln betonte «Mister Fuchsjagd»: «Runtergefallen ist der Steime Thuri nie. Daran hätte ich sonst recht zu nagen gehabt.»

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