Unterkulm
Das Duell der Heimkehrer um den Sitz im Gemeinderat

Um den freien Sitz im Gemeinderat kämpfen zwei Kandidaten. Sowohl Luigi Radaelli wie auch Peter Michel lebten lange im Ausland.

Rahel Plüss
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In Unterkulm kämpfen zwei Kandidaten um den freien Sitz im Gemeinderat (Archiv)

In Unterkulm kämpfen zwei Kandidaten um den freien Sitz im Gemeinderat (Archiv)

Peter Siegrist

Zuerst wollte niemand in den Unterkulmer Gemeinderat – jetzt kommt es zu einer Kampfwahl. Peter Michel (1970/parteilos) und Luigi Radaelli (1944/parteilos) treten im zweiten Wahlgang gegeneinander an.
Im ersten Wahlgang hatte sich niemand für den freien Sitz von Daniel Lemp (SVP), der Ende vergangenes Jahr aus persönlichen Gründen seine Demission eingereicht hatte, angemeldet. So wars denn nicht weiter verwunderlich, dass am Abstimmungssonntag vom 28. Februar niemand das absolute Mehr erreichte – auch nicht Luigi Radaelli, der im Vorfeld als «wilder Kandidat» mit Leserbriefen in der Dorfpresse auf sich aufmerksam machte. Er erzielte 94 Stimmen, das absolute Mehr lag bei 139.
Warum hatten die beiden sich nicht bereits im ersten Wahlgang zur Verfügung gestellt? «Ich habe Anfang Jahr berufliche Veränderungen durchgemacht und konnte noch nicht abschätzen, ob ich die nötige Zeit für das Amt aufbringen kann», sagt Peter Michel. Das habe sich inzwischen geändert und er sei motiviert, «ins Dorf und seine Leute zu investieren».

Gemeinderatskandidat Luigi Radaelli «Ich hasse das Extreme. Opposition bringt uns nicht weiter.»

Gemeinderatskandidat Luigi Radaelli «Ich hasse das Extreme. Opposition bringt uns nicht weiter.»

zvg

Luigi Radaelli begründet die späte Anmeldung darin, dass er sich in der Zeit in einem anderen Projekt für die Gemeinde engagiert hätte. Seine Vision von einem Integrationsbüro für die Region Kulm habe sich nicht in der Weise in Angriff nehmen lassen, wie er sich das gewünscht habe. Deshalb seine Entscheidung, politisch aktiv zu werden.

Das «Miteinander» ist zentral

Wofür stehen die beiden Kandidaten? Für Peter Michel steht die Sozialpolitik im Vordergrund. «Ich möchte mich für die Stärkung der Familie und ein gutes Zusammenleben in der Gemeinde einsetzen», sagt der 45-jährige, zweifache Familienvater. Dazu sei ihm eine gute Integration der Ausländer und ein «Miteinander» der ganzen Bevölkerung ein grosses Anliegen. Er wolle als Mitbürger und Politiker nahe an der Bevölkerung sein, damit ein gemeinsames Unterwegssein gestärkt werden könne. «Ethisch-moralische Werte und das soziale Engagement sind für mich zentral.»
Für Luigi Radaelli ist «eine differenzierte, gesunde Mitte wichtig», wie der 72-Jährige, der drei Kinder und sechs Enkelkinder hat, sagt. «Ich hasse das Extreme», so Radaelli. «Opposition bringt uns nicht weiter.» Er wolle sich für die Rückkehr einer starken Konkordanz-Demokratie einsetzen und mehrheitsfähige Sachpolitik betreiben, bei der jeder seine eigene Meinung einbringen könne. Thematisch stehen auch bei ihm Integrationsfragen im Vordergrund. Er finde es notwendig, dass Ausländer gut integriert sind. Des Weiteren sind ihm Umwelt- und Wirtschaftsthemen wichtig. Unter anderem will er «Arbeitsplätze nach Kulm bringen.»

Beide Kandidaten lebten länger im Ausland

Eines haben die beiden Kandidaten gemeinsam: Sie haben beide längere Zeit im Ausland gelebt. Peter Michel ist mit seiner Familie seit vier Jahren zurück in der Schweiz, zuvor lebte er zehn Jahre im Senegal, wo er sich in der Entwicklungshilfe engagiert hatte. Der gelernte Autospengler hatte vor seinem Auslandeinsatz ein Theologiestudium absolviert. Ins Wynental ist er gekommen, um die Pastorenstelle in der Chrischona-Gemeinde Unterkulm anzunehmen. Seit der Schliessung der Chrischona Unterkulm arbeitet er in der Betreuung von Menschen mit psychischer Beeinträchtigung.

Gemeinderatskandidat Peter Michel «Ethisch-moralische Werte und das soziale Engagement sind für mich zentral.»

Gemeinderatskandidat Peter Michel «Ethisch-moralische Werte und das soziale Engagement sind für mich zentral.»

zvg

Luigi Radaelli ist ein Kulmer. 35 Jahre lang lebte er mit seiner Familie auf dem Steinenberg. Die Kinder gingen in Unterkulm zur Schule. Die vergangenen 25 Jahre verbrachte er mit seiner Frau im Ausland. «Die Logistik-Projekte, die ich entwickelt habe, haben mich in der halben Welt herumgebracht», so Radaelli, der ehemalige Maschinenbauer. Deutschland, Österreich, Manila, Dubai – er habe viel gesehen. Jetzt, zurück in der Heimat, will er in seinem dritten Lebensabschnitt «etwas für die Allgemeinheit tun.»
Der zweite Wahlgang ist auf den 5. Juni terminiert. Gemeindeammann Roger Müller freut sich, «dass es zu einer Abstimmung kommt und nicht einfach einer reinrutscht», wie er sagt. «Schön, dass die Bevölkerung eine Auswahl hat.»