Reinach
Das Dorf Reinach kennt er wie kein anderer

Hans Haller war 33 Jahre lang Mitarbeiter des Werkdienstes in Reinach. Nun wird er pensioniert. In dieser langen Zeit hat er miterlebt, wie sich die Arbeitsabläufe dank Maschinen verändern, aber auch wie sich die Menschen verändern.

Christine Fürst
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Hans Haller steht ein letztes Mal neben der Wischmaschine MFH 2500.Patrick Züst, AZ-Mediencamp

Hans Haller steht ein letztes Mal neben der Wischmaschine MFH 2500.Patrick Züst, AZ-Mediencamp

Patrick Züst, az-Mediencamp

«Als ich das letzte Mal mit der Wischmaschine unterwegs war, wurde mir erst richtig bewusst, dass ich pensioniert werde», sagt Hans Haller, «ich werde die Arbeit schon ein wenig vermissen.»

Nach 33 Jahren als Mitarbeiter des Werkdienstes in Reinach wird er pensioniert. Gefallen habe ihm vor allem die Abwechslung: «Am Morgen wusste ich jeweils nicht, was ich machen musste, jeder Tag war eine Überraschung.»

Momentan geniesst Hans Haller seine letzten Ferien – vor den «endlosen Ferien». Wegen des strengen Winters haben sich viele Überstunden angesammelt, die er nun vor seinem offiziellen Arbeitsende am 31. Juli beziehen kann.

Als er vor 33 Jahren zum Werkdienst kam, hatte er eigentlich andere Pläne im Kopf. Er wollte den Bauernbetrieb der Eltern in Reinach übernehmen, doch diese wollten ihn verpachten und er wollte nicht Pächter werden. Deshalb schaute er sich nach einer Stelle um – und auf dem Bauamt wurde er fündig.

Weil er die landwirtschaftliche Schule und die Berufsprüfung auf der Liebegg abgeschlossen hatte und mit speziellen Maschinen umgehen konnte, war die Stelle perfekt für ihn. So gut, dass er sie nicht mehr wechseln wollte. Den Hof seiner Eltern übernahm er erst später und er betrieb neben der Arbeit Ackerbau auf dem Hof.

In den 33 Jahren hat Hans Haller viele Veränderungen miterlebt. Während zu Beginn noch die Strassen und Trottoirs von Hand gewischt wurden, wird dies heute mit einer Wischmaschine gemacht. Damit die Wiesen nicht ins Trottoir wachsen, musste früher in mühsamer Arbeit von Hand «abgerandet» werden. Heute erledigt auch dies eine Maschine.

Doch selbst die Menschen hätten sich verändert: «Früher gab es schon ab und zu einen Kaffee zum Dank, heute haben die Leute keine Zeit mehr.» Sein Chef, Peter Züsli, ergänzt: «Unsere Arbeit ist selbstverständlich geworden.»

Neben dem Fahren mit der Wischmaschine musste Haller Einlaufschächte leeren und die Kanalisation spülen, Sträucher schneiden und im Winter Pikettdienst leisten. Seit 1999 war er Bachaufseher, überprüfte die Wasserabflüsse und musste wenn nötig die Rechen freimachen.

Und immer kam ihm zugute, dass er sein Dorf in und auswendig kennt. Denn in Reinach ist er aufgewachsen, hier ging er zur Schule und ist bis heute geblieben. Spass hätten ihm alle Arbeiten gemacht. Und auch in schwierigen Situationen behielt er die Ruhe: «Ich redete jeweils mit den Leuten und versuchte so, die Probleme zu lösen», sagt er.

Nun geht Hans Haller in Pension. Langweilig wird es ihm bestimmt nicht. Er müsse jetzt aufräumen, was auf dem Hof liegen geblieben sei, auch einen Computer-Kurs und Ferien hat er eingeplant. In seinem Team wird er eine Lücke hinterlassen. «Er war zuverlässig, hat mitgedacht und war immer da, wenn man jemanden gebraucht hat», sagt Chef Peter Züsli.