Schöftland
Das Dorf möchte langsamer wachsen

Schöftland rechnet mit einer künftigen Bevölkerungszunahme von 50 Einwohnern pro Jahr. Verdichtung nach innen ist geboten.

Peter Weingartner
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Der historische Kern von Schöftland wird im Rahmen der Nutzungsplanungsrevision nicht angetastet. Peter Weingartner

Der historische Kern von Schöftland wird im Rahmen der Nutzungsplanungsrevision nicht angetastet. Peter Weingartner

Peter Weingartner

Die gültige Nutzungsplanung ist 20 Jahre alt. In dieser Zeit ist die Bevölkerungszahl von 2700 auf 4200 gestiegen. Der Gemeinderat orientierte deshalb diese Woche über die Revision, die frühestens im Winter 2016 vor die Gemeindeversammlung kommen soll. Im gleichen Tempo wie in den letzten zehn Jahren möchte die Gemeinde nicht weiter wachsen. Gemeindeammann Rolf Buchser: «Das eher unbegrenzte Wachstum in der Vergangenheit ist vorbei.» Dennoch ist für ihn klar: «Schöftland als ländliche Zentrumsgemeinde muss sich entwickeln können.» Auch in den 15 bis 20 Jahren, in denen die neuen Grundlagen gelten sollen.

Nicht gerüttelt wird am historischen Dorfkern, gemäss Inventar ein Ortsbild von nationaler Bedeutung, als «verstädtertes Dorf» typisiert. Dabei handelt es sich um den südlichen Dorfteil um Luzernerstrasse, Picardiestrasse, Ruederstrasse und Dorfstrasse, wo auch das Schloss und die Kirche stehen. Ein Teil der ursprünglichen Kernzone soll zur Zentrumszone nördlich des historischen Kerns geschlagen werden, wo mehr an Erneuerung und Entwicklung möglich wird, auch was die Höhe der Gebäude angeht.

Verdichtung nach innen ist auch in Schöftland ein Gebot der Stunde. Zumal 92 Prozent der Bauzonen überbaut sind, die Gemeinde also kaum Baulandreserven hat. So zeigt der Plan «Verdachtszonen für die Innenentwicklung», wo unter Einhaltung der Qualitätsvorgaben (Grünräume zum Beispiel) höher und dichter gebaut werden darf. Neu gibt es eine «Wohnzone Nachverdichtung». Quasi eine Aufzonung.

WSB-Anlagen künftig jenseits der Suhre?

Ein Ziel der Schöftler Siedlungsentwicklung ist die Entwicklung eines «neuen Wohn-und Arbeitsschwerpunkts». Darüber orientierte der Gemeinderat nicht explizit, da dies nicht Teil der Revision ist. Doch worum gehts dabei? Im Bereich WSB-Bahnhof und Mühleareal, an zentralster Lage, gibt es unterschiedliche Nutzungen: Remisen und Rangier-/Abstellgleisanlagen der WSB, inaktive Mühle, Wohn- und Gewerbebauten. Zur Zeit laufen Verhandlungen zwischen WSB, Kanton und Gemeinde. Es ist die Absicht der bisher involvierten Parteien, auf der linken Seite der Suhre, auf dem Gebiet Hegmatte, eine Erweiterungszone zu etablieren. «Wir geben uns ein Jahr Zeit, um eine Einigung zu finden», sagte Rolf Buchser gegenüber der az. Die Idee: Die Infrastrukturbauten der WSB – nicht aber der Bahnhof – sollen aus dem Gebiet rechts der Suhre, das an die Kern- und Zentrumszone grenzt, herausgenommen werden und neu auf der linken Seite der Suhre Platz finden. Damit könnte auf dem zentrumsnahen Mühleareal freier geplant und gebaut werden; die Erschliessungsproblematik (Unterdorfstrasse) liesse sich wohl entschärfen. Es entstünde ein «attraktives Zentrum mit einer hohen Nutzungsdichte». Das neue Bauland auf der linken Seite der Suhre böte der Gemeinde als «Wohn- und Arbeitsschwerpunkt» Entwicklungschancen. Am heutigen Standort würde der WSB-Bahnhof ausgebaut. (wpo)

Bauzone an der Badstrasse

Auszonungen an der Peripherie, am Waldrand, im Umfang von 0,56 Hektaren stehen Einzonungen von 0,5 Hektaren gegenüber. Konkret geht es um das Gebiet an der Luzernerstrasse, anschliessend an die bereits bestehenden Häuser bis zur Badstrasse. Hier besteht eine Gestaltungsplanpflicht.

Die neue Nutzungsplanung sieht eine Bevölkerungszunahme von 50 Einwohnern pro Jahr vor (1,4 Prozent pro Jahr). Das entspricht etwa dem Wachstum über die letzten 30 Jahre. Zum Vergleich: Schöftland wuchs in den letzten zehn Jahren jährlich um 2,13 Prozent. Die kantonale Prognose sieht ein Wachstum von bloss 0,81 Prozent. Wächst Schöftland gemäss Plan, hat die Gemeinde 2030 rund 5000 Einwohner.

Öffentliche Auflage im Herbst

Ab Montag, 2. Mai, liegen die Unterlagen 30 Tage zur Mitwirkung im Schloss auf. Auf Anmeldung kann man am 21. Mai von 10 bis 12 Uhr und am 23. Mai von 19 bis 21 Uhr in den Sprechstunden mit Gemeindevertretern und Fachplanern reden. Auf Anregung aus der Versammlung hin werden die Planunterlagen auch auf der Website der Gemeinde einzusehen sein.

Der Fahrplan sieht vor, dass im Herbst die öffentliche Auflage mit Einsprachemöglichkeit erfolgt. Vor die Gemeindeversammlung kommt die revidierte Nutzungsplanung entweder im Winter 2016 oder im Sommer 2017. In Kraft tritt sie, wenn der Regierungsrat sie genehmigt hat.

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