Zofingen
Das Chopinjahr inspiriert auch Klavierfans an der Kanti

Chopins 200. Geburtstag hat zwar nicht die Beachtunge des 250. von Mozart vor vier Jahren. Anna Merz erkannte in diesem Gedenkjahr aber die Chance, Chopings Musik ihren Schülern näherzubringen.

Kurz Buchmüller
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Das Jahr des Chopin

Das Jahr des Chopin

azNetz

Den Weg zur Umsetzung dieser Idee fanden dann die Lehrpersonen der Kantonsschule im Klavierunterricht gemeinsam. Anna Merz, Helen Meyer und Jörg Gugelmann begannen Literatur über Chopin zu studieren, trugen Noten zusammen und traten damit vor die Unterrichteten. «Wir waren überrascht, wie positiv dieses Projekt aufgenommen wurde», erklärte die Initiantin Anna Merz.

«Zwar steht das Klavierspiel gegenwärtig an der Kanti sehr hoch im Kurs, erstaunlich und erfreulich ist jedoch, dass junge Menschen auch heute noch spontan von Chopins Musik berührt und erwärmt werden.» Ab dem Sommer standen dann Mazurkas, Polonaisen, Etüden, Walzer und Nocturnes von Chopin auf dem Lehrplan. Die Früchte wurden am Vortragsabend in der Aula geerntet, und zwar reichlich.

Mit Chopins Musik identifiziert

Elf am Klavierunterricht Teilnehmende führten vor, wie sie Zugang zu Chopin gefunden haben und was daraus geworden ist. Die Auseinandersetzung muss sehr intensiv gewesen sein. Die meisten spielten ohne Noten, aus dem inneren Verständnis heraus.

Sie belegten damit, dass der Kontakt mit Chopins Klaviermusik weit über die technische Seite hinaus ging und in die romantische, leidenschaftliche und gefühlvolle Ausdrucksweise des Komponisten eindrang.

Das war in Ansätzen schon in der Mazurka in F-Dur vorhanden, gespielt von Tobias Meier aus der 1. Klasse. Der Walzer in h-Moll erhielt unter den Händen von Simge Yildiz bereits das ihm eigene beschwingte Singen, und das Nocturne in e-Moll füllte Miriam Marti mit träumerischer Schwärmerei.

Nicolas Künzli gelang in der Etüde in G-Dur der Sprung auf die Ebene von fliessender Virtuosität, im Nocturne in H-Dur erfolgte eine konzertreife Interpretation mit dosiertem Anschlag.

Sarah Bauer holte aus der Mazurka in a-Moll die Kontraste heraus, und Maverick Hofer liess im Walzer in e-Moll und in der Etüde in f-Moll viel Talent für schnelle Läufe und musikalische Einfühlung erkennen. Ein spannungsreiches Spiel gelang Julia Ingold in der Nouvelle Etude in f-Moll.

Lesungen als Ergänzung

Dominique Beetz und Valerie Steffen orientierten mit Ausschnitten aus der Chopin-Literatur über Herkunft, Stationen und Eigenheiten des Komponisten, der vor allem als Konzertpianist in die Musikgeschichte einging, obwohl er öffentliche Auftritte scheute und mied.

Über den berühmten Trauermarsch, dem Norah Sigg eine gehaltvolle Auslegung gab, schrieb Liszt: «Das konnte nur ein Pole schreiben.» Der so genannte «Minutenwalzer» sei Chopin aus der Feder geflossen, als er einen nach dem Schwanz schnappenden Hund im Kreis herumjagen sah.
Michel Hirt brauchte für den Walzer in Des-Dur zwar etwas länger als eine Minute, geriet aber nie ins Stocken. Viel Gefühl legte Dario Flückiger in die Melancholie des Nocturne in f-Moll hinein.

Chantal Schmidli wiederum führte in der Polonaise in A-Dur, die «militärische» genannt, mit energisch platzierten Akkorden einen ganz anderen Chopin vor. Das Publikum fühlte sich von dessen Musik ebenso hingezogen wie die jungen Interpreten.

Die Auseinandersetzung muss sehr intensiv gewesen sein.