Das bewegte Leben der Hotelkönigin Ljuba Manz (77) füllt Bände – vorerst füllt es ein neues Buch, in dem ihr Weg von der kriegsgeschüttelten Ukraine über das Wien der Nachkriegszeit bis an die Zürcher Bahnhofstrasse nachzulesen ist. Auch werden darin Details über das Manzsche Familienanwesen Dornegg, ihre Beziehung zu Unterkulm und zum Böhler, dem Pass, der Schöftland und Unterkulm verbindet.

Für das Vorwort zur Lebensgeschichte konnte Ljuba Manz Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz gewinnen. «Sie ist nach ihrer Jugend stets auf das Leben zugegangen und hat solches nicht bloss über sich ergehen lassen», schreibt er darin.

Von Zürich auf den Böhler

Im Buch wird erzählt, wie Ljuba Manz zu ihrem Anwesen im Wynental gekommen ist. Mitglied der Hoteldynastie der Familie Manz, deren Flaggschiff das «St. Gotthard» in Zürich ist, wurde sie 1974. Die erste Ehefrau des Hoteliers Caspar Manz war 1971 verstorben. Drei Jahre später heiratete er die gebürtige Russin Ljuba, 17 Jahre jünger als er. Kennen gelernt hatten sie sich, als sie ihn überzeugte, die Austern für seine bekannte Hummerbar fortan über ihr Importgeschäft für Fisch und Meeresfrüchte zu beziehen.

Diese Heirat führt das Paar in den Aargau. Im Buch heisst es: «Um klare Verhältnisse zu schaffen, entscheidet sich Caspar Manz in Absprache mit der Vormundschaftsbehörde, seinen Kindern das Erbe ihrer Mutter auszuzahlen. Dafür fehlen ihm jedoch die finanziellen Mittel. Er entschliesst sich, dafür das Haus auf der Forch ZH zu verkaufen. Für sich und Ljuba findet er in unmittelbarer Nähe zum ‹St. Gotthard› ein neues Zuhause. Auf der Schipfe in Zürichs Altstadt mietet er eine bescheidene Zweizimmerwohnung. Auch Ljuba wird aktiv und erhält durch einen Zufall Unterstützung. Der deutsche Komponist Professor Werner Egk besitzt im Aargau, nahe Dornegg, ein schönes ländliches Anwesen. Er hat es erstanden, um sich in der Schweiz niederzulassen – was ihm die Behörden jedoch verweigern. So ist der bekannte Musiker und Ehrenbürger von München gezwungen, sein Bijou wieder zu verkaufen: an Ljuba. Sie handelt mit ihm einen Kaufvertrag aus, der sie verpflichtet, den Kaufpreis in zehn Jahresraten abzuzahlen. Vereinbart ist auch: Sollte der 1901 Geborene vor dieser Zeitspanne sterben, würden, weil keine Erben vorhanden sind, die Zahlungen eingestellt. Werner Egk stirbt 1983, kurz nachdem Ljuba die letzte Rate überwiesen hat.»

Die Zwillinge Alexander und Michael, die 1980 zur Welt kommen, wachsen im Landhaus auf. Im Buch steht darüber folgendes: «Es ist eine behütete Kindheit in ländlicher Umgebung im Aargau. Ein geräumiges Gebäude im traditionellen Bauernhausstil mit dazugehörenden Stallungen für die Pferde von Caspar Manz. Drumherum viel Natur. Hier wachsen die Buben auf.»

An einer anderen Stelle wird beschrieben, wie die Familie im Landhaus Dornegg Weihnachten feierte: «Weihnachten ist bei Familie Manz immer ein grosses Ereignis. Für Ljuba ist es wichtig, dass Sascha und Mischa die russische Sprache und Kultur kennen und verstehen lernen. Jedes Jahr lädt sie deshalb russische Kinder zu sich nach Hause ein. Vor der Perestroika ist das mitunter ein schwieriges Unterfangen. In der Schweiz leben zu dieser Zeit nicht viele Russen. Die meisten von ihnen sind Dissidenten. Deren Kinder versammelt Ljuba über die Festtage auf dem Böhler, selbstverständlich organisiert sie auch einen russisch sprechenden Weihnachtsmann. Es wird auf Russisch gesungen, Gedichte werden rezitiert, und Geschenke gibt es natürlich auch.»

Ein Haus der Musik

An den Weihnachtsfesten lässt Ljuba Manz als Liebhaberin klassischer Musik junge Nachwuchsmusiker auftreten, von denen sie viele finanziell fördert. 2017, 10 Jahre nach Caspar Manz’ Tod, versammelt sie die internationalen Musiktalente erneut in ihrem Landhaus – und lädt zu den Konzerten die Bevölkerung ein. Im Buch steht: «Weil in den Jugendjahren ihrer Söhne das Landhaus Dornegg im Aargau stets ein Ort der Begegnung und des Musizierens gewesen ist, gründet Ljuba im Jahr 2017 die Musiktage Dornegg, die sie über die Manz Privacy Hotels sponsert: Drei Tage geben junge Talente auf dem Landgut Konzerte für die Bevölkerung vor Ort.» Auf der letzten Seite des Buches kommt Ljuba Manz selber zu Wort: «Verstehen zu leben. Verstehen zu geben. Verstehen zu lieben. Verstehen zu gehen.»

Geschrieben haben das Buch der ehemalige «Blick»-Chefredaktor René Lüchinger und Brigitta Willmann.