Chronik
Das «Asana Spital Menziken» begibt sich auf Zeitreise

Das «Asana Spital Menziken» blickt in einer Chronik auf seine Gründung vor 115 Jahren zurück.

Katja Schlegel
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Das «Krankenasyl Ober-Wynen- und Seetal» bei der Einweihung Ende August 1902.

Das «Krankenasyl Ober-Wynen- und Seetal» bei der Einweihung Ende August 1902.

zvg

Ein Krankenhaus ohne Röntgen- oder Desinfektionsapparat, ohne Waschmaschine oder Staubsauger, dafür mit zwei Schweinen im Garten, die die Küchenabfälle fressen. Dazu ein so schwacher Wasserdruck, dass manchmal gar während Operationen kein Wasser aus dem Hahn kommt – heute unvorstellbar. Doch genau so beginnt 1902 die Geschichte des «Krankenasyl Ober-Wynen- und Seetal», dem heutigen «Asana Spital Menziken».

120 Jahre ist es her, seit eine illustre Gruppe aus Fabrikanten, Politikern, Pfarrherren, Ärzten und Lehrern unter der Führung des Menzikers Jakob Irmiger die Ärmel hochkrempelte und kämpfte. Mit Füllfeder und Notizbüchern zogen sie von Haustür zu Haustür und sammelten Geld für ihr Projekt, manchmal bekamen sie auf einen Schlag 1000 Franken, mal nur 50 Rappen. Aber fünf Jahre später hatten die Männer ihr Ziel erreicht, allen Skeptikern, allen Widrigkeiten zum Trotz. Vor 115 Jahren wurde das Asyl mit 28 Betten eröffnet. Dieses Jubiläum wird gefeiert. Nächste Woche läutet das Asana Spital das Jubiläumsjahr ein.

Blick auf die eigenen Wurzeln

«Bei all den rasanten Entwicklungen, die im Moment in unserem Haus laufen, tut es zwischendurch gut, innezuhalten und einen Blick auf die eigenen Wurzeln zu werfen», sagt Therese Gautschi, Leiterin Pflegedienst. «Zu wissen, worauf eine Kultur beruht, ist wichtig.» Gautschi hat deshalb die Idee der Zeitreise angeregt, sie hat die Veranstaltungen organisiert, die das ganze Jahr über die Zeit von anno dazumal aufleben lassen. Und sie war es auch, die veranlasst hat, dass die alten Protokollbücher und Pläne im Spital-Estrich gesichtet und Geschichten rund um das Asyl zusammengetragen wurden. Entstanden ist eine Chronik über die Entstehungsgeschichte des Krankenasyls, über die Schwierigkeiten und Freuden, die die Gründer vor über 100 Jahren erlebt haben. Sie wird kommende Woche mit einer Lesung vorgestellt.

Alles wie um die Jahrhundertwende

Einläuten des Jubiläumsjahres mit Lesung aus der Jubiläumschronik, Donnerstag, 23. März, 19.30 Uhr
Serenade im Spitalpark mit Musik aus der Zeit um 1900, 19. August, 17 Uhr
Tag der offenen Tür 9. September, 10 bis 16 Uhr
Erzähltal zu «Behandlungsmethoden um 1900», 17. September, 9.30 Uhr
Sonntagsbrunch mit Essen von anno dazumal 24. September, 11 Uhr
Weihnachtsumtrunk 21. Dezember, 12 Uhr

«Mit dieser Chronik können wir den Mitarbeitern und der ganzen Bevölkerung zeigen, wie das früher alles war mit ihrem Asyl», sagt Gautschi. Damals, als die ganze Bevölkerung Geld für das Asyl spendete, obwohl es vielen vorne und hinten an Geld fehlte. Damals, als man nach einem einfachen Schnitt in den Finger sterben konnte, weil es noch kein Antibiotikum gab. «Das zum Beispiel ist eine Errungenschaft, die heute als ganz selbstverständlich angeschaut wird», sagt Gautschi. Und es sei nur eines von vielen Beispielen.

Schwestern in heller Aufregung

Die Geschichte des Spitals oder des Asyls, wie es damals genannt wurde, ist eine bewegte. Mal ist sie bitterernst, wenn es beispielsweise darum geht, dass Gerüchte über einen verhungerten Patienten die Existenz des Asyls bedrohen. Oder als die Menziker in den Zwanzigerjahren mit dem Kanton bis vor Bundesgericht ziehen müssen, weil der Kanton plötzlich viel weniger an einen Neubau zahlen will, als erwartet.

Manchmal ist die Geschichte auch unglaublich komisch: Wenn der Aktuar staubtrocken darüber schreibt, dass ein Patient unter Narkose den Operationstisch zertrümmert hat und man lange darüber diskutiert habe, wer denn nun die Reparaturkosten von 2.85 Franken trägt. Oder dass die Köchin eine Belohnung bekommt, weil sie die Schweine im Garten so gut mit Küchenabfällen gemästet hat, dass ihr Verkauf an den Metzger das Betriebsergebnis aufpoliert hat. Oder dass die Anschaffung eines Grammophons und das Probe-Hören von ein paar Platten die Schwestern in helle Aufregung versetzt und dem Gärtner die Stelle gekündigt wird, weil er auf eine Woche Ferien pro Jahr beharrt.

«Beim Lesen musste ich oft laut herauslachen», sagt Therese Gautschi. Und oft habe sie sich beim Gedanken ertappt, dass es ja genau das Gleiche wie heute sei. «Gewisse Probleme und Herausforderungen haben auch nach über einem Jahrhundert nichts an ihrer Aktualität eingebüsst. Das zu wissen, hat etwas Beruhigendes.» Eines gefalle ihr bei all den Geschichten, Zitaten und Schmankerln aus der Gründungszeit besonders gut, sagt Gautschi, denn auch das habe über all die Jahre nichts an Gültigkeit verloren. Und zwar der letzte Wunsch von Jakob Irmiger, dem Vater des Spitals: «Tragt Sorge, dass das Krankenasyl das bleibt, was es heute ist: Ein Heim, gegründet auf uneigennützige, opferfreudige Wohltätigkeit, erfüllt vom Geist der Liebe und des Dienens.»