Kölliken
«Das Amt lohnt sich trotzdem»: Ein Mitglied der Schulpflege gesucht – im Extremfall für nur noch eineinhalb Jahre

Larissa Hunziker
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Die asbtretende Schulpflegerin Petra Bitterli: «In eineinhalb Jahren kann man viel bewegen.»

Die asbtretende Schulpflegerin Petra Bitterli: «In eineinhalb Jahren kann man viel bewegen.»

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Am 17. Mai stimmen die Aargauerinnen und Aargauer darüber ab, ob die Schulpflege abgeschafft werden soll oder nicht. Am selben Datum ein neues Schulpflegemitglied wählen zu müssen, ist daher sicher nicht ideal. In Kölliken ist das aber genau der Fall.

Denn nach elf Jahren als Schulpflegerin, zehn davon als Präsidentin, hat sich Petra Bitterli entschlossen, per Ende Juni ihre Demission einzureichen. «Beruflich und privat hat sich bei mir seit der Wiederwahl vor zwei Jahren sehr viel verändert», erklärt sie ihre Beweggründe. Deshalb wird in der Kölliker Schulpflege ein Platz frei.

Teilnehmer denken über Kandidatur nach

Bis zum 3. April läuft die offizielle Anmeldefrist, bislang gab es noch keine offiziellen Kandidaturen. Damit sich Interessierte vorab ein Bild von ihrer zukünftigen Tätigkeit machen können, hat die Schulpflege am Dienstagabend einen Informationsanlass durchgeführt. «Die ganze Schulpflege war anwesend und konnte aus erster Hand erzählen, was die Aufgaben eines Schulpflegers sind», sagt Petra Bitterli. Obwohl sie eigentlich keine Werbung für den Anlass gemacht hätten, seien einige Leute gekommen. «Das hat uns sehr gefreut.» Man habe Gespräche geführt und sei anschliessend noch eins trinken gegangen. «Die Teilnehmer haben uns gesagt, dass sie sich eine Kandidatur überlegen», sagt Bitterli.

Auch mit vier Schulpflegern würde es funktionieren

Angst, dass Kölliken wegen der Abstimmung kein neues Schulpflegemitglied findet, hat sie keine. Und wenn doch: «Wir haben verschiedene Varianten, die gangbar wären. Wenn wir niemanden finden, besteht etwa die Möglichkeit, dass die vier übrigen Mitglieder den Rest der Amtsperiode fertigmachen.» Das seien aber erst Überlegungen, die sich noch konkretisieren müssten. «Schliesslich gibt es nach dem 3. April auch noch eine Nachmeldefrist und auch die Möglichkeit eines zwei- ten Wahlgangs im September bestünde.» Sie würden aber natürlich auf einen Kandidaten hoffen.

Für sie ist der Ausgang der Abstimmung offen

Würde das neue Schulpflegemitglied gewählt und die Schulpflege gleichzeitig abgeschafft, so wäre das neue Mitglied nur rund eineinhalb Jahre im Amt, bis zum Ende der Amtsperiode. Existiert die Schulpflege weiter, würden dann Neuwahlen anstehen. «Auch wenn es nur noch eineinhalb Jahre sein sollten, in dieser Zeit kann man viel bewegen. Das Amt lohnt sich trotzdem», sagt Bitterli.Sie selbst möchte sich nicht äussern, ob sie für oder gegen die Abschaffung ist. «Ich sehe das differenziert», sagt sie. Auch eine Prognose über den Ausgang der Abstimmung möchte sie nicht abgeben. «Beide Optionen sind durchaus möglich.» Sie denke, dass vor allem kleine Gemeinden, bei denen die Schulpflege oft operativ eingreifen müsse, eher gegen eine Abschaffung seien. Grössere Gemeinden, bei denen die Schulpflege nur strategisch tätig ist, seien hingegen dafür. «Auch bei den Schulleitern sehe ich ganz unterschiedliche Meinungen.» Der Ausgang der Abstimmung sei für sie also noch offen.

«Ich hätte sehr gerne noch weitergemacht»

«Ich war sehr gerne Mitglied der Schulpflege und hätte eigentlich gerne noch weitergemacht. Aber manchmal kann man es sich nicht aussuchen», sagt Bitterli. Das Schönste an ihrer Tätigkeit sei gewesen, in die Schule hinein zu sehen und ein Teil davon zu sein. «Die Schule ist ein sehr inspirierendes Umfeld», sagt sie. Es seien Freundschaften entstanden und sie habe wirklich etwas beeinflussen können.

Aber natürlich gab es auch Schattenseiten. «Wenn man mit anderen Behörden zusammenarbeiten musste und aneinander vorbeiredete, war das schon zermürbend.» Gravierende Erlebnisse mit Eltern oder Lehrpersonen hätte sie aber nie gehabt. «Das ist auch immer eine Frage der Kultur, die man als Schulpflege selbst lebt.»

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