Kurz vor dem glamourösen Ball entscheidet sich Charlotte am Samstagabend für die mit Diamanten besetzte Kette. Nur, diese liegt im Tresorfach der Bank Leerau, gut verschlossen. Öffnen wird sie dieses trotz Schlüssel nicht können, sie hat nämlich nur während der Öffnungszeiten der Bank Zugang zum Tresorfach. Das wird sich in Zukunft ändern: Im Neubau der Bank wird es einen automatisch betriebenen Kundentresor geben, der sieben Tage jeweils 24 Stunden zugänglich ist. Die Besitzer von Tresorfächern bekommen eine Karte, mit der sie sich identifizieren und so auch am Wochenende oder mitten in der Nacht ihr Fach öffnen können. «Wir sind sicher, dass wir mit dieser Neuerung auch die Nachfrage nach Tresorfächern erhöhen können», sagt Emil Gafner, Mitglied der Geschäftsleitung.

Die Baubewilligung für den Neubau liegt zwar noch nicht vor, aber bald, wie Gafner sagt. Weil ein eingedolter Bach neben dem geplanten Neubau verläuft und der Gewässerabstand von sechs Metern eingehalten werden muss, musste die Bank zuerst mit dem Kanton Aargau eine Lösung finden. «Diese wurde nun gefunden und wir warten auf die Erteilung der Baubewilligung.»

Zwei kubische Gebäude geplant

Die Bank Leerau plant zwei kubische Gebäude anstelle des jetzigen Bankgebäudes. In der ersten Etappe wird jenes Gebäude gebaut, das näher an der Suhrentalstrasse liegt. Dort wird im Parterre der neue Hauptsitz der Bank Leerau einquartiert, in den oberen Stöcken soll es Platz für eine Ärztegemeinschaft sowie acht Wohnungen geben. «Leider haben wir bis jetzt noch keine Hausärzte gefunden», sagt Emil Gafner, «dabei bräuchte die Region unbedingt Hausärzte.» Er spricht damit den Hausärzte-Mangel im oberen Suhrental an. «Wir machen uns aber keinen Druck. Wir sind nicht darauf angewiesen, die mögliche Praxis gleich am ersten Tag vermieten zu können.»

Ziel sei es, noch in diesem Jahr mit den Bauarbeiten zu beginnen. Sobald der erste Kubus erstellt ist, wird die Bank vom alten ins neue Gebäude gezügelt. Grosser Knackpunkt sind dabei die Tresorfächer: Die Kunden müssen nämlich ihren Inhalt selber zügeln. «Wir werden jeden Kunden anschreiben und instruieren», sagt Gafner. Ist das letzte Tresorfach geleert, kann das alte Gebäude abgerissen und in einer zweiten Etappe ein weiterer Kubus mit 12 Wohnungen gebaut werden. In einer Tiefgarage soll es 40 Parkplätze geben, dazu kommen oberirdisch einige Kundenparkplätze.

Warum ist überhaupt ein Neubau nötig? «Im jetzigen Bankgebäude haben wir zu viel Platz, den wir aufgrund der Gebäudekonstruktion nicht anders nutzen können», sagt Emil Gafner. Ein Neubau sei kostengünstiger und effizienter als eine Renovation und Umstrukturierung von leerstehenden Flächen. Dies obwohl eine Untersuchung des Bodens ergeben hat, dass die Mischung aus Lehm und Sand instabil ist und deshalb der Neubau mit Pfählen erstellt werden muss – was teurer ist. Momentan geht man von Gesamtkosten von rund 13 Millionen Franken aus.

Erst vor sechs Jahren wurde im Nachbardorf Schöftland der Leerau-Park eröffnet. Die Bank ganz nach Schöftland zu verlegen, kommt für Emil Gafner aber nicht infrage: «Sparen kann man immer, aber eine Zusammenlegung wäre der falsche Ansatz. In Kirchleerau befindet sich der ursprüngliche Hauptsitz, den geben wir nicht auf.» Am 1. Januar 2018 will die Bank in Kirchleerau die Türen im neuen Gebäude öffnen.