Oftringen

Dank Abfallprodukte könnte der «Rinderwahnsinn» kein Thema mehr sein

Hanspeter Schläfli: Aus dem Problem will er ein Geschäft machen.

Hanspeter Schläfli: Aus dem Problem will er ein Geschäft machen.

Die Entsorgung Region Zofingen (Erzo) hat drei Standbeine: die Kehrichtversorgungsanlage (KVA), die Abwasserreinigungsanlage (ARA) und eine Kadaversammelstelle. Letztere funktioniert problemlos. Düstere Wolken liegen jedoch über der KVA und der ARA.

Damit sich über diesen nicht ein Gewitter entlädt, befindet sich der Zweckverband in einer Transformation. Hanspeter Schläfli, Gemeindeammann von Oftringen, will in seiner Funktion als Erzo-Präsident zusammen mit den Vorstandsmitgliedern die Zukunft des Verbands selbst gestalten – sich nicht «fremdgestalten» lassen.

Neue KVA ist kein Thema

Um was geht es? Die KVA, eine von dreien im Aargau (neben Buchs und Turgi), stösst an ihr Lebensende. Aus wirtschaftlichen Gründen kann eine neue KVA kein Thema sein. Der Vorstand der Erzo denkt darüber nach, wie in Zukunft der regionale Abfall fach- und umweltgerecht den Weg zu anderen KVA findet.

Viel wichtiger sind die Zukunftsperspektiven der ARA: Im Gegensatz zum Kehricht – der nicht zwingend in Oftringen verbrannt werden muss –, ist eine Abwasserreinigung am Unterlauf der Wigger zwingend, bei der Erzo in Oftringen wie auch in Aarburg.

Das Problem hier: Der Bund verlangt ab 2026 von den ARA-Betreiberinnen, dass sie das im Klärschlamm enthaltene Phosphor extrahieren und als Dünger für die Landwirtschaft wieder dem Kreislauf zufügen.

Gute Ausgangslage

Das ist leichter gesagt als getan, stellt Schläfli fest. Aber die Erzo hat eine gute Ausgangslage. «Seit Jahren verbrennen wir in einem Drehofen Klärschlamm – auch für andere ARA», sagt er. Das Problem sei aber, dass derzeit kein Phosphor zurückgewonnen werde.

Um dies zu bewerkstelligen, gibt es laut Schläfli mehrere Wege. Ziel der Erzo ist es, zu einem überregionalen Klärschlamm-Kompetenzzentrum zu werden und anderen das Problem der Phosphor-Zurückgewinnung abzunehmen. Im Kanton Zürich etwa sammelt man bereits per Verordnung allen Klärschlamm zentral und führt diesen einem sogenannten Wirbelschichtofen zu.

Energie muss ihm nicht zugeführt werden, er bezieht diese aus dem Klärschlamm. Aber dem erzeugten Produkt ist noch kein Phosphor entzogen. Dies geschieht anschliessend und spätestens ab 2026 in einer anderen Anlage.

Nun geht es um die Investition

Einen anderen Weg stellt der bestehende Drehofen der Erzo dar. Gibt man dem Klärschlamm Zusatzstoffe (wie Abfallprodukte) bei, entsteht eine Asche, die als Dünger genutzt werden kann. Dank der hohen Hitze im Ofen ist das Produkt steril, der «Rinderwahnsinn» kein Thema.

Während der Drehofen heute mit Abgasen der KVA befeuert wird, wäre künftig eine Altholzverbrennung möglich, die aber auch Energie für Stromproduktion und Fernwärme liefert. Wie gut funktioniert das in der Praxis? Die Drehofenanlage der Erzo ist einmalig. Deshalb wird das Verfahren aktuell in Oftringen getestet – mit finanzieller und fachlicher Unterstützung des Bundes.

Nach einem Variantenentscheid geht es um die Investition. Die soll eine AG tätigen, an der sich der Bereich der ARA der Erzo und andere Partner beteiligen. Ein Darlehen könnte der KVA-Teil der Erzo beisteuern, dessen Kasse für den späteren Rückbau der Anlage gut ausfinanziert ist.

Dagegen gibt es unter den KVA-Gemeinden gewissen Widerstand. Dazu Schläfli: «Eine interne Verzinsung des Darlehens käme den KVA-Gemeinden zugute, alternativ liegen aber auch Angebote einer Bank vor.» (bkr)

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