Erst stand das Gespräch mit der Ehefrau an. Dann mit dem Arbeitgeber. Danach wusste Daniel Wehrli: Er wird zusagen. Und als Nachfolger von Franz Vogt in den Grossen Rat eintreten. Die nervenzehrenden Momente der letzten zwei Wochen, in denen der Schöftler SVP-Gemeinderat, der in Gränichen als Werkmeister angestellt ist, über Zusatzaufwand und Arbeitspensumreduktion grübeln musste, sind vorbei. Gelöst und mit strahlendem Gesicht kommt der 52-Jährige nach seiner Vereidigung gestern aus dem Aarauer Grossratssaal.

«Es ist speziell, wie ich nachgerückt bin», sagt Wehrli. Er hätte es dem Leimbacher Franz Vogt gegönnt, dass er seine Amtszeit beendet. «Ich freue mich zwar auf das Grossratsmandat, andererseits bedrückt mich der Grund dafür, die Erkrankung von Franz.»

Vom vierten Ersatzplatz in den Grossrat

Wehrli ist seit 2014 Gemeinderat, seit 2010 Präsident der Schöftler SVP und im Vorstand der Bezirks- und Kantonalpartei. Er war 2016 auf dem 7. Listenplatz. Nach der Wahl wurde er vierter Ersatz. Als solcher macht sich ein Politiker normalerweise keine Gedanken über ein mögliches Nachrücken.

Die Mandatsanfrage sei denn auch überraschend gekommen, sagt er. Dies, obwohl er seit dem Rücktritt von Karin Bertschi Ende Mai auf den ersten Ersatzplatz vorgerückt ist. «Ich habe nicht damit gerechnet, dass es noch einen Abgang gibt», so Wehrli. Dass Franz Vogt gesundheitshalber seine Mandate abgeben müsse, habe sich nicht abgezeichnet. Ins kalte Wasser würde er trotzdem nicht springen: «Durch das Präsidium der Ortspartei und meine Vorstandsarbeit in der Kulmer und Aargauer SVP sollte ich gerüstet sein.»

Keine Klassenunterschiede im Kantonsparlament

Macht es Wehrli nichts aus, als «nur» vierter Nachrück-Kandidat in den Grossen Rat zu kommen? Zwischen Politikerkollegen zu sitzen, die mit Glanzresultaten gewählt wurden? «Ich habe keine Angst, dass es im Grossen Rat Klassenunterschiede gibt», so Wehrli. «Als Gemeinderat hat man im Grossrat auch ein bestimmtes Ansehen.»

Zusammen mit Parteikollege Manuel Kaspar (Oberkulm), dem Nachfolger von Karin Bertschi, wurde er in der gestrigen Grossratssitzung vereidigt. Zuvor stand die Fraktionssitzung auf dem Programm – bereits seine zweite, denn die SVP-Kollegen nahmen die beiden Frischlinge schon vor einer Woche zur Eingewöhnung mit. Dort traf er auch seinen Rats-Namensvetter, Daniel Wehrli aus Küttigen. Gleicher Name, gleiche Partei und der gleiche Beruf – werden die Grossräte den beiden Spitznamen geben? «Damit hätte ich kein Problem», sagt der Schöftler Wehrli und lacht.

Die Zeit, die er nun im Grossrats-Amt tätig ist, bei der Arbeit freizuschaufeln, war kein Zuckerschlecken. Weniger noch in der Rekordzeit von zwei Wochen. «Ich bin etwas ins Schleudern gekommen», sagt Wehrli, der bei Märki AG Innenausbau in Gränichen einen höheren Kaderposten belegt. «Es hängen doch ein paar Sachen von mir ab.» Nun ist alles geregelt: Der neue Grossrat geht auf 80 Prozent runter.

Der SVP geht Grossrats-Ersatz aus

Die SVP stellt die meisten Grossräte im Bezirk Kulm. Vier von den neun Grossräten sind SVPler. Doch drohen ihr jetzt die Ersatzpersonen auszugehen. Der Birrwiler Max Härri trat ab, nachdem er als Gemeindeammann gewählt wurde. Dieses Jahr traten Karin Bertschi (Leimbach) und Härri-Nachfolger Franz Vogt (Leimbach) aus dem Rat zurück. Der Gontenschwiler Christian Peter, ursprünglich zweiter Ersatz, verzichtete. Der Menziker Gemeinderat Hans-Heinrich Leuzinger ist der einzig verbleibende Ersatz.