Uerkheim
Damit in Uerkheim nichts vergessen geht: Senioren trugen ihre Fotos zusammen

Die vergangene Zeit auf eine CD gebannt: Niemand hat bisher ein Buch über Uerkheim geschrieben. Damit trotzdem nicht alles vergessen geht, trugen die Senioren ihre Fotos zusammen.

Aline Wüst
Merken
Drucken
Teilen
Pia und Erich Bolliger schauen sich auf dem Kachelofen die Fotos von früher an. Aline Wüst

Pia und Erich Bolliger schauen sich auf dem Kachelofen die Fotos von früher an. Aline Wüst

Rund 145 Fotos von damals sind auf eine CD gebrannt. Initiiert hat dieses Projekt Pfarrer David Scherler. Mitgeholfen hat auch das Ehepaar Bolliger. Ihre Lebensgeschichte ist mit Uerkheim verwoben, obwohl sie 42 Jahre lang weg waren.

Sie wissen noch gut, wie es damals war: In ihrer Kindheit war die Hauptstrasse noch nicht geteert, es gab auch keine Autos. Nur zwei, die für Taxifahrten eingesetzt wurden. «Dafür gab es Pferdegespanne; die Strasse war immer übersät mit Rossäpfeln», erinnert sich Pia Bolliger (79).

Abgebildet ist ein Teil Uerkheims Richtung Hinterwilerstrasse.
9 Bilder
Das Bauernhaus (von Buchers) mit Strohdach, das Elternhaus von Margrit Hartmann und Hans Bucher
Eine Hausmetzgete mit Metzger Wüthrich vom Neudorf
Abgebildet ist der Brand vom 9.9.1946. Hinter dem Restaurant Eintracht steht noch das alte Wöschhüsli. Rechts ist noch ein Teil vom Haus Gottl. Liechti (heute Gemeindesaal) sichtbar.
Das alte Bolliger-(Guggers-)Haus, die heutige Schreinerei Fretz
Die Belegschaft der ehemaligen Weberei Worb & Scheitlin (1950-1960)
Ein Teil des Oberdorfs, als die Strasse noch nicht geteert war
Volksfest Bethli Rüegger und Ernst Bucher
Ein Teil Uerkheims, fotografiert auf der „Weid“

Abgebildet ist ein Teil Uerkheims Richtung Hinterwilerstrasse.

Zur Verfügung gestellt

Verpasste Zeit

Nach der Schule arbeitete sie in der Leinenweberei. Eines Tages kam auch Erich Bolliger in die Fabrik. Seine künftige Frau erinnert sich, was ihr erster Satz war: «Jetzt kommt der auch noch.» Er ist geblieben in ihrem Leben.

Sie heirateten, und als Erich Bolliger eine Stelle bei der Leinenweberei Bern bekam, zogen sie in die Hauptstadt. Dort, unweit des Rosengartens, wuchsen ihre vier Kinder auf, und Erich Bolliger verfiel den Berner Young Boys. Kaum einen Match hat er seither verpasst.

Dann starb Pia Bolligers Vater in Uerkheim. Das Ehepaar kaufte das Haus und kehrte vor 14 Jahren in die alte Heimat zurück. Anfänglich waren sie jede Woche noch mindestens einmal in Bern. Noch heute haben sie eine kleine Wohnung dort.

Sprechen die beiden über Uerkheim, reihen sie die Zeiträume nach Pfarrern aneinander: Der Pfarrer, der sie konfirmierte, derjenige, der sie traute, der Pfarrer, der Alkoholiker war, der tolle deutsche Pfarrer und jetzt Pfarrer Scherler, der ein Glück sei.

Verändert habe sich in Uerkheim vor allem, dass man die Leute nicht mehr kenne. «Einen Block weiter, und ich habe keine Ahnung, wer dort wohnt», sagt Pia Bolliger.

Von früher zu sprechen, das machen sie gerne. Aber sonst? Sonst reden sie eigentlich nicht oft miteinander. «Wir haben alles zusammen erlebt, wissen alles voneinander.» Oder etwa doch nicht? Als der 81-Jährige erzählt, dass er monatlich seine Jasskollegen in Bern treffe, sagt seine Frau: «Dann redet ihr über früher.»

Nein, entgegnet ihr Mann, wir sprechen davon, was wir unseren Frauen alles zugemutet haben. «Ich war oft fort, sass in vielen Kommissionen.» Die Kinder habe er nicht richtig aufwachsen sehen. Das realisiere er erst jetzt, wenn er Zeit mit den Enkeln verbringe. «Aha», sagt Pia Bolliger, «das höre ich jetzt zum ersten Mal.»