Triengen

Couscous und Röschti: Eine exotische Liebe gegen die Obrigkeiten

Das Theater «Couscous und Röschti» erzählt von der Zeit, als algerische Kämpfer im Dorf interniert waren.

Fast wäre sie vergessen gegangen, diese aussergewöhnliche Episode aus der Geschichte der Luzerner Gemeinde Triengen, die Erinnerung daran immer mehr verblasst und schliesslich verflogen.

Doch vor 6 Jahren wurde der Gemeinde eine Ehrenmedaille überreicht. Von Spahi-Soldaten, algerischen Kämpfern in französischen Diensten. Diese Feierlichkeit warf Licht auf eine Begegnung, die so nicht geplant, von Leuten mit Einfluss anders gewollt und gegen alle Widerstände äusserst fruchtbar war.

Man schrieb das Jahr 1940. Die Trienger Männer hatten sich aufgemacht mit Gamelle und Gewehr, um an der Front den Einsatz für das Vaterland zu leisten. Der Bundesrat erlaubte ungefähr zur gleichen Zeit 43000 von der Wehrmacht bedrängten Soldaten den Übertritt in die Schweiz, wo sie interniert werden sollten.

So kam es, dass rund 550 Soldaten fremder Truppen über Delémont und Sursee nach Triengen gelangten. Viele von ihnen algerische Spahis, die mit ihrem leuchtend roten Überwurf, ihrem Turban oder Fez und der dunklen Hautfarbe die Neugierde der Trienger auf sich zogen.

Historischer als dramatischen Stoff

Der Luzerner Historiker Manuel Menrath hat für seine Arbeit «Exotische Soldaten und ehrbare Töchter» diese Zeit wissenschaftlich aufgearbeitet. Gleichzeitig hat die Überreichung der Ehrenmedaille die Theatergesellschaft Triengen dazu inspiriert, die Begegnung der Spahis mit der Luzerner Gemeinde auf der Bühne zu inszenieren.

Als Autor wurde der Trienger Sekundarlehrer, az-Journalist und freie Schreiber Peter Weingartner verpflichtet. Entstanden ist das Theaterstück «Couscous und Röschti», das ab dem 22. Juni beim Bahnhofplatz von Triengen als Freilichtaufführung präsentiert wird.

An der offenen Probe von vorgestern Abend sagt Peter Weingartner, er habe relativ schnell gemerkt, dass der historische Stoff auch zum dramatischen Stoff taugt. Vor allem sei es ihm wichtig, das Publikum zu unterhalten. So habe er in der dramatischen Umsetzung, die Eifersüchteleien, die Widerstände aber auch den zivilen Ungehorsam, den die Trienger Bevölkerung geleistet hatte, herausgearbeitet. Sie ranken sich um die im Zentrum der Geschichte stehende Liebesbeziehung zwischen der einheimischen Anna (Rahel Erni) und dem Algerier Ali (Michael Schaller). Diese gegenseitige Zuneigung zwischen den Protagonisten steht sinnbildlich auch für die fruchtbare Beziehung zwischen den Spahi Soldaten und der Trienger Bevölkerung, die gegen den Willen der Obrigkeit durchgesetzt wurde.

An der offenen Probe sind auch zwei Zeitzeuginnen anwesend. Martha Steiger und Hildegard Kaufmann waren Schülerinnen, als die Spahi in Triengen waren. Sie erinnern sich noch an die Aufregung, die im Dorf geherrscht hatte und an die strenge Order, die von ganz oben durchgegeben wurde. «Als junges Mädchen», so Martha Steiger, «hätte man kaum mehr ins Dorf gedurft.» Der Ortspfarrer fürchtete um den Zerfall von Moral und Sitte. Und erst als sich die Dorfbevölkerung weigerte, diese Abschottung der fremden Soldaten gutzuheissen und den Kontakt zu ihnen suchte, schwenkte der Gemeinderat um und unterstützte den kulturellen Austausch aktiv.

Einnehmend ist die Kulisse, die auf dem Bahnhofplatz errichtet wurde. Die offene Probe beginnt. Anna verabschiedet sich von ihrem Freund, der ins Militär einrückt. Der Dorftrinker johlt. Die Spahi erscheinen. Der Pfarrer wettert. Bei Martha Steiger und Hildegard Kaufmann steigen Erinnerungen hoch. Die Uniformen der Spahi hätten genauso ausgesehen, wie diejenigen, welche die Schauspieler jetzt tragen würden. «Nur noch schöner», fügen sie lachend hinzu.

Ein besonderes Highlight der Aufführung macht die Zusammenarbeit der Theatergesellschaft mit der Triengen-Sursee-Bahn AG möglich. Diese feiert heuer ihren einhundertsten Geburtstag. Von Sursee werden die Theaterbesucher mit der Dampflok nach Triengen geführt.

Infos: www.theater-triengen.ch

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