Die letzten Tage waren hektisch für die Heilsarmee Aargau Süd. Seit Jahren stellen sie ihre Topfkollekte im Bärenmarkt Reinach auf, doch heuer erhielten die Salutisten von der Coopzentrale zuerst keine Bewilligung.

Grund dafür war eine neue Regelung des Grossverteilers, keine politischen oder religiös motivierten Standaktionen mehr zuzulassen. Erst als die az am Dienstag die Angelegenheit publik machte, zog Coop das Verbot zurück und sagte, die Regelung sei zu streng befolgt worden.

Einen Ersatzstandort zum Spendensammeln hatte die Heilsarmee zu diesem Zeitpunkt bereits gefunden: Neben dem Recycling-Paradies in Reinach und dem Menzomarkt in Menziken war neu auch der Platz vor der Kantonalbank Reinach als Sammelort vorgesehen. Doch nach dem positiven Entscheid stellte die Heilsarmee ihren Topf gerne im Bärenmarkt auf.

Dies kam auch bei den Besuchern des Einkaufszentrums gut an. «Es wäre wirklich daneben, wenn sie hier nicht mehr sammeln dürften, das Geld ist ja für einen guten Zweck», sagten Liliane und Benny Ammann, die jedes Jahr etwas in den Heilsarmee-Topf legen.

Marcel Kuster, Filialleiter des Coop Bärenmarkt, wurde von den Turbulenzen überrascht. «Die Anfrage lief nicht über uns», erklärte er. «Ich bin in Reinach aufgewachsen, für mich gehört die Heilsarmee zur Weihnachtszeit.»

Hat er Boykottdrohungen erhalten, wie sie in Internet-Kommentaren zu lesen waren? «Nein, die Leute wissen, dass die Absage nicht aus unserer Filiale kam.»

Die Brassband der Heilsarmee spielte vor der Eingangstüre. Diese Gruppe verkürzte ihren Auftritt, damit es nicht zu Überschneidungen mit dem Gospelchor Menziken kam, der für den gleichen Tag im ersten Stock sang.

Die Gesangsgruppe der Heilsarmee positionierte sich anschliessend direkt beim Lift und viele Passanten zückten ihr Portemonnaie. So auch Frau Hediger. «Ich finde es allerhand, dass sie zuerst nicht hätten auftreten dürfen», erklärte sie. «Es braucht ja viel Mut, um hinzustehen, zu singen und Geld zu sammeln. Ausserdem tun sie viel Gutes.»

Mehr Geld für Sozialprojekte

Bjørn Marti, Korpsleiter der Heilsarmee Aargau Süd, bestätigte, dass sie aus der Bevölkerung viel Sympathie erfahren hätten. «Die ganze Angelegenheit hat die Leute sensibilisiert und wir haben viele ermutigende Reaktionen erhalten.»

Bereits während der Sammelaktion vermutete Marti, dass die Turbulenzen einen positiven Einfluss auf die Einnahmen, welche vollumfänglich Sozialprojekten in der Region zukommen, haben könnten.

Am Abend dann die Gewissheit: «Wie vermutet war der gesammelte Betrag im Bärenmarkt höher als die letzten Jahre. Im Vergleich zu letztem Jahr hat sich der Betrag mit 2282 Franken mehr als verdoppelt», konnte Marti vermelden.