Reinach

Coiffeuse baut sich Zukunft in der Mühle auf

Lehrmeisterin Maya Räber spielt mit Lehrtochter Sarina Moser Coiffeur fürs Zeitungsbild.

Lehrmeisterin Maya Räber spielt mit Lehrtochter Sarina Moser Coiffeur fürs Zeitungsbild.

Maya Räber hat ihren Coiffeursalon in Reinach aus dem 80-jährigen Hüsli in die kürzlich renovierte Mühle gezügelt. Ihr ehemaliger Salon wird dem Boden gleich gemacht.

In den Räumen der frisch renovierten Alten Mühle in Reinachs Dorfkern kehrt Leben ein. Am Dienstag haben Maya Räber und ihre Lehrtochter Sarina Moser ihren neuen Coiffeur-Salon im Erdgeschoss des ehrwürdigen Gebäudes eröffnet und den ersten Kundinnen und Kunden die Haare geschnitten und frisiert.

Die letzten sieben Jahre hat Maya Räber im legendären Coiffeur-Hüsli am Wyna-Ufer im Zentrum ihren Salon «Figaro» betrieben. Bei der Planung der Wohnüberbauung Casa Schneggli wurde klar, dass das Hüsli eigentlich im Weg stand. «Ich wurde von der Bauherrschaft angefragt, ob ich das kleine Grundstück am Wyna-Ufer samt Hüsli verkaufe», erklärt Maya Räber. Sie habe zugesagt, «denn hinter dem Neubau wären wir mit dem Hüsli völlig verschwunden.» Es habe sich die Möglichkeit ergeben, in der renovierten Mühle im Erdgeschoss unterzukommen. «Jetzt bin ich wieder an vorderster Front dabei», sagt Maya Räber und ist zufrieden mit der neuen Lösung.

Abschied und Loslassen

Das Hüsli sei ein bisschen Nostalgie gewesen, meint sie, «es war uns dort wohl». Die Nähe zur Wyna habe ihr nie nasse Füsse beschert, auch beim letzten Hochwasser vor vier Jahren nicht. «Der Bach floss zwar vorn und hinten durch, die Strasse war unter Wasser, aber das um drei Tritte erhöhte Gebäude lag stets über dem Wasserspiegel. Klar, ein bisschen Wehmut schwinge da mit, wenn sie daran denke, dass sie als letzte Coiffeuse im bekannten Coiffeurhüsli Haare geschnitten habe.

Das Coiffeurhüsli wurde 1932 von Coiffeur Fritz Haller erbaut

Das Coiffeurhüsli wurde 1932 von Coiffeur Fritz Haller erbaut

Gebaut hat das Coiffeurhaus vor 80 Jahren Coiffeurmeister Fritz Haller. In den 1980er-Jahren zog sich Haller aus dem Berufsleben zurück. Kurt und Ruth Frey übernahmen die Nachfolge. 2005 kaufte Maya Räber das Haus und wechselte nach 11-jähriger Geschäftstätigkeit in Beinwil am See nach Reinach.

«Wenn diese Woche mein Hüsli abgerissen wird, bin ich wahrscheinlich froh, wenn ich mit einer Kundin beschäftigt bin, ich schaue dann nicht aus dem Fenster, sonst fliessen die Tränen.» Aber Maya Räber ist auch Realistin. Klar, den Entscheid zum grösseren Salon habe sie nicht leichtfertig aus dem Bauch heraus gefällt, denn in Reinach habe sie viele Mitbewerber, und «da ist man auf einen treuen Kundenstamm angewiesen», sagt sie. Zudem freut sie sich, an der guten Lage des neuen Geschäfts, mitten im Zentrum und direkt an der Hauptstrasse.

Neustart in zeitgemässem Design

Jetzt steht Maya Räber im neu eingerichteten Salon. Rote Sessel, dunkler Boden, helle Wände und Gestelle. Ein zeitgemässes Design mit klaren Formen und das einfache Farbkonzept geben dem Geschäftsraum einen einladenden Touch. «Mit dem Zeitgeist weitergehen und manchmal Geliebtes loslassen, das gehört zu meinem Beruf, den ich über alles liebe», sagt eine strahlende Maya Räber.

Und sie bringt ihre Freude am neuen Arbeitsort mit einem schönen Bild auf den Punkt: «Der Salon im Hüsli war wie ein Meiteli, und jetzt ist mit dem neuen Standort in der Alten Mühle daraus eine Dame geworden.»

Vielseitig geforderte Geschäftsfrau

Die Arbeit mit und für ihre Kundinnen und Kunden freue sie. «Ich gehe gern auf ihre Wünsche ein.» Dabei schätze sie immer wieder auch das Einfache, das Bewährte müsse man nicht den Modeströmungen opfern. «Mein Beruf ist sehr vielseitig, ich werde rundum gefordert.» Handwerk, Kreativität und Gespür seien gefragt. Daneben muss die Geschäftsfrau ihre Buchhaltung und die Logistik des Salons im Schuss halten.

Ein besonderes Anliegen ist Maya Räber die Nachwuchsförderung. Sie engagiert sich als Lehrmeisterin in der Ausbildung junger Berufsleute. Maya Räber bildet die jungen Leute im Damen- und Herrenfach aus. Eigentlich die vornehmste Aufgabe für Berufsleute, den eigenen Nachwuchs zu fördern.

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