Reinach
Claudia Meier, die gute Seele vom Mini-Kiosk

Der winzige Kiosk an der Bahnhofstrasse hat seine Stammkundschaft – davon leben lässt es sich allerdings nicht.

Rahel Plüss
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Kiosk Bahnhofstrasse Reinach

Kiosk Bahnhofstrasse Reinach

Ein Stuhl hat Platz. Und ein Ofen, der Abfallkübel, die Lottomaschine. Viel mehr nicht. Der Kiosk an der Reinacher Bahnhofstrasse ist winzig. Ein paar wenige Quadratmeter. Claudia und Werner Meier, die in Menziken leben und das Budchen seit September führen, haben nicht nachgemessen. «Jedenfalls ist es zu eng, um sich bei Minustemperaturen die Füsse richtig warmzutreten», sagt Claudia Meier. Eine bessere Isolation muss gelegentlich her. «Aber wenn man sich recht anzieht, gehts schon», sagt sie und lacht. Ein herzliches Lachen. «Wollen Sie einen Kaffee?», fragt die Frau zwischen Zeitungen, Schleckzeug und Glückslosen hervor und reibt sich die Hände.

Kiosk bietet Tagesstruktur

Über dem Kopf der Verkäuferin steht «Kiosk mit», dahinter prangt ein Herz. «Das ist unser Motto», sagt Werner Meier. Zwar hat er das Kioskinventar als Privatmann erstanden, doch der kleine Laden gehört zum Verein «PlantoB», dem er als Gesamtleiter vorsteht. «PlantoB», unter anderem mit Laden gleich hinter dem Kiosk, bietet seit 2013 Tagesstrukturen für Menschen, die den Anforderungen der Arbeitswelt nicht gewachsen sind. Derzeit seien es zwei Personen mit einer körperlichen Beeinträchtigung, die Claudia Meier jeweils am Kiosk ablösen.
«Wir nehmen uns Zeit für die Leute», so Werner Meier.

Auf engen Platz viel Menschlichkeit: der Mini-Kiosk an der Bahnhofstrasse in Reinach Claudia Meier führt seit September 2016 den winzigen Kiosk an der Bahnhofstrasse Reinach.

Auf engen Platz viel Menschlichkeit: der Mini-Kiosk an der Bahnhofstrasse in Reinach Claudia Meier führt seit September 2016 den winzigen Kiosk an der Bahnhofstrasse Reinach.

Vieles seien Stammkunden noch aus der Zeit von Dora Zogg. Die 70-Jährige hatte den Kiosk im Februar 2016 nach 14 Jahren in jüngere Hände übergeben. Ganimete und Sptim Iseni starteten mit viel Elan. Doch es klappte nicht. Der Jungunternehmerin wurde es zu viel, nachdem das Baby da war. So ging der kleine Kiosk an Meiers über, das Gebäude vorerst in Miete.

Und wie steht es mit der Konkurrenz zum nahegelegenen Bahnhofkiosk aus? «Wir haben eine andere Klientel», so Claudia Meier. «Unsere Kunden müssen nicht auf den Zug pressieren, die kommen manchmal auch nur auf einen Kaffee vorbei.» Man kenne sich, helfe sich gegenseitig bei nicht oder falsch gelieferter Ware auch mal aus. Doch kann man von so einem kleinen Kiosk leben? «Nein, das sicherlich nicht», sagt Werner Meier. Der Verkaufsstand sei als Teil des Vereins respektive des Projekts für Menschen mit besonderem Förderbedarf zu sehen und könne auch nur so existieren. «Natürlich hilft uns jeder Kunde, unser Angebot aufrechtzuerhalten.»

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