Reitnau

Christliche Selbstversorger renovieren verlotterten Hof

Raffaele Carmine vom Verein Arche Noe, der einen Hof umbaut und damit Menschen in Not helfen will.

Raffaele Carmine vom Verein Arche Noe, der einen Hof umbaut und damit Menschen in Not helfen will.

Der christliche Verein Arche Noe will Randständigen ein Zuhause auf Zeit geben. Dazu verwandeln die Mitglieder ein abbruchreifes Bauernhaus zu einem Wohnheim, das sich selbst versorgen kann. Projektleiter ist ein ehemaliger Börsenhändler.

Raffaele Carmine war einst Börsenhändler. Jetzt leitet er die Renovation eines abbruchreifen Bauernhofs. Hier soll bald der Hippie-Traum von der Selbstversorgung verbunden mit dem christlichen Glauben gelebt werden. Einziehen will Carmine aber nicht selber. Wohnen sollen hier sozial schwache und randständige Leute. Bis zu acht Personen könnten im umgebauten Haus wohnen. Getragen wird das Projekt vom Verein Arche Noe mit Sitz in Gossau SG.

Dass die Kombination von Hilfsangebot für Menschen mit Drogenproblemen in einer christlichen Institution vielen sauer aufstösst, versteht Carmine. Er sagt allerdings, dass es gerade für Menschen mit Drogenproblemen unzählige staatliche Angebote gebe. «Wir zwingen niemanden zu uns zu kommen, noch suchen wir aktiv nach Leuten.» Der christliche Glauben werde zwar gelebt – sehr bibelnah. «Wir wollen hier aber niemanden bekehren», sagt Carmine.

Böse Briefe hat der Verein bereits bekommen. Anwohner sind ausserdem skeptisch oder haben Angst, dass im Bauernhof ein Asylheim entsteht und die Kriminalität dadurch steige. Keine Angst hat Bruno Altherr, der an der gleichen Strasse wohnt: «Das ist kein frommes Guselzeugs», sagt er über die Menschen vom Verein Arche Noe. Das seien weltoffene, realistische Menschen.

Zufällig in Reitnau gelandet

Geplant ist das Projekt wie folgt: Verschiedene Leute unterstützen den Umbau des Bauernhauses finanziell. Viele helfen ehrenamtlich mit. Der Verein, der aus fünf Leuten besteht, lässt dabei sein Beziehungsnetz spielen. So plant momentan ein befreundeter Biogärtner den Garten, der rund 15 Personen ernähren soll. Arbeiten, die keine Ehrenamtlichen übernehmen können, werden extern vergeben.

Sobald das Bauernhaus fertig ist, soll kein Geld von aussen mehr zugeschossen werden müssen, sagt Carmine. Wer in der Gemeinschaft leben will, muss aber mindestens einen Tag pro Woche im Hof mithelfen. Dafür sind Kost und Logis frei. Anfragen hat der Verein schon jetzt mehr als freie Plätze. Geleitet wird das Projekt von einer jungen Familie mit vier Kindern. Sie wird nach dem Umbau im Stöckli wohnen. Der Familienvater hat ein Zügelunternehmen und war selbst einmal drogensüchtig.

Arbeiten können die Bewohner im ehemaligen Kuhstall, dort ist nun eine Werkstatt eingerichtet, wo Möbel aus Leitungsrohren hergestellt werden. An der Firma, die diese Möbel vertreibt, ist Carmine beteiligt.

Das Ziel des Projekts: Die Leute sollen arbeiten, Lohn erhalten und damit wieder in den Arbeitsprozess integriert werden. Nach einer befristeten Zeit müssen sie das Bauernhaus wieder verlassen. Sie sollen auf dem Hof Selbstvertrauen gewinnen, gesund werden und wieder auf eigenen Beinen stehen. Aber warum macht Carmine das: «Ich habe schlicht Freude daran, anderen Menschen zu helfen.»

Es sei Zufall, dass der Verein ausgerechnet in Reitnau – wo es viele freikirchliche Angebote gibt – sein Projekt aufbaut. «Wir wollten eigentlich in die Ostschweiz, fanden dort aber keinen geeigneten Hof.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1