Reinach
Christian Gantenbein will keine «sogenannte Wohlfühlschule»

Im Februar hat Christian Gantenbein seine Stelle als Schulleiter an der Kreisschule Homberg angetreten. Nach einem halben Jahr steckt der Reinacher Schulleiter der Kreisschule mitten in der Planung der neuen Oberstufe.

Peter Siegrist
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Christian Gantenbein leitet bereits ein halbes Jahr die Kreisschule Homberg.

Christian Gantenbein leitet bereits ein halbes Jahr die Kreisschule Homberg.

Peter Siegrist

Christian Gantenbeinübernahm die Nachfolge von Walter Mächler, der pensioniert wurde. Er sagt im Interview, dass ihn gegenwärtig der Wechsel auf 6 Primar- und 3 Oberstufenjahre am meisten beschäftigt. Er erklärt, mit welchen Massnahmen die Lehrerschaft gegen die Leseschwäche von Schulabgängern vorgeht.

Herr Gantenbein, Sie sind jetzt seit einem halben Jahr in Reinach, haben Sie die Kreisschule schon auf den Kopf gestellt?

Christian Gantenbein: Überhaupt nicht. Ich kam mit dem klaren Ziel, zuerst die Schule, Lehrpersonen, Behörde und Administration kennenzulernen. Mit allen 65 Lehrerinnen und Lehrern der Sek- und Realschule führte ich ein individuelles Kennenlern-Gespräch. Es ging mir darum, Stärken und Präferenzen der Lehrer zu erfahren. Mit den Lehrpersonen der Bez treffe ich mich in den kommenden Wochen.

Wie sind Ihre ersten Eindrücke?

Aus meiner Sicht bin ich gut in Reinach angekommen. Ich habe ein motiviertes und engagiertes Lehrerteam angetroffen.

Die Kreisschule gab für das neue Schuljahr das Motto: «Schulhauskultur – alle sollen sich wohlfühlen» bekannt. Peilen Sie die viel gepriesene Wohlfühlschule an?

Da sage ich ganz klar: Keine Wohlfühlschule. Ich halte mich an ein Zitat von Aristoteles: «Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.» Dies sage ich angesichts dessen, was alles an Projekten auf uns zukommt.

Keine Wohlfühlschule sagen Sie, was wollen Sie denn?

Meine Leitworte entnehme ich dem Leitbild der Kreisschule: «Eine Schulhauskultur, wo sich alle wohlfühlen, baut auf Vertrauen, Wertschätzung, Respekt und Toleranz auf.» Das trage ich in die Unterrichtsteams hinaus. Diese Werthaltung wollen wir mit den Schülern leben und umsetzen. Mehr noch, diese Haltung verlangen wir auch von den Jugendlichen. Wir hängen aber die Leitsätze nicht als Plakate auf, sondern, wir wollen sie verinnerlichen. Wenn es unseren Lehrpersonen an ihrem Arbeitsplatz wohl ist, dann haben wir gewonnen. Nur so schaffen wir es die kommenden Projekte umzusetzen.

Sprechen Sie da externe Forderungen und Projekte an?

Genau. Wir stehen mitten in der Vorbereitung für die Umstellung von 5 auf 6 Primarschuljahre. Die Oberstufe wird ab 2014 noch das 7. bis 9 Schuljahr führen. Bei der Kreisschule (Bez-Sek-Real) fallen 8 bis 9 Abteilungen weg.

Welche Probleme stehen da im Vordergrund?

Es sind zwei Sachen, die uns umtreiben: Schulraum innerhalb der Kreisschule und dann der Stellenplan für die Lehrpersonen.

Nehmen wir das Einfachere vorab, den Schulraum.

Mit der Behörde und der Firma Metron AG klären wir die Details der Schulraumfrage ab. Zur Kreisschule gehören drei Schulstandorte, mit fünf Schulhäusern, in Reinach, Gontenschwil und Beinwil am See. Zusätzlich besuchen Schülerinnen und Schüler aus Birrwil, Leimbach und Zetzwil die Kreisschule.

Ergeben sich daraus Konsequenzen für die Verbandsgemeinden?

Wir erklären den Gemeinden, weshalb ab Schuljahr 2014/15 mit der Umstellung auf 6/3 alle Oberstufenschüler der Verbandsgemeinden in die Kreisschule kommen sollen. Die teilweise Wahlfreiheit des Schulortes für Bezirksschüler von Gontenschwil und Zetzwil sollte auch aus Kostengründen wegfallen.

Das Personelle ist viel sensibler.

Ja, Schulpflege, Schulhausleiter und ich sind bereits mitten in der Personalplanung für den Wechsel auf 6/3. Ich stelle fest, dass innerhalb der Lehrerschaft grosse Ängste vorhanden sind, weil die Arbeitsplatzsicherheit nicht gewährleistet ist. Beim Personellen geht es um Menschen, die mit Jugendlichen arbeiten, und da wollen wir eine transparente Arbeit leisten und in Gesprächen die individuellen Situationen und Stärken der Lehrpersonen genau ausloten. Ich halte mich an das Credo meines Vorgängers: Die Kreisschule Homberg ist ein guter Arbeitgeber. Allerdings wünschte ich mir in der Umsetzung noch etwas mehr Support vom Kanton.

Untersuchungen zeigen, 20 Prozent der Schulabgänger können kaum lesen und schreiben, trotz Qualitätsmanagement und Schulevaluation. Wo steht die Kreisschule?

Leseschwäche ist ein erkanntes Problem. Ich halte fest: Unterricht ist immer auch Sprachunterricht. Bei Klassen mit hohem Anteil an ausländischen Schülern verstärkt sich das Problem und es braucht noch grössere Anstrengungen.

Wie steuern Sie konkret dagegen?

Wir haben in jedem Schulhaus eine Bibliothek. Die Lehrpersonen führen die Schüler ein und fördern gezielt das Lesen. Zusätzlich führen wir das Realienpraktikum «Kreatives Schreiben» durch. Ein Unterrichtsteam der KSH mit mehreren Lehrpersonen hat gemeinsam ein Lehrmittel für die Schule entwickelt, um mit den Jugendlichen die Lesegeschwindigkeit zu steigern, ebenso wird intensiv am Textverständnis geübt. Dank kleinen Klassen können unsere Lehrpersonen individuell auf die Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler eingehen.