Oberwynental

CEO weg, rote Zahlen da, GAV gekündigt: Geht Alu Menziken bald zu?

Erst vor zwei Jahren sind moderne CNC-Maschinen für die Alu Menziken angeliefert worden. Marcel Fricker

Erst vor zwei Jahren sind moderne CNC-Maschinen für die Alu Menziken angeliefert worden. Marcel Fricker

CEO Roland Gloor ist weg und wenn in Kürze die Zahlen nicht besser werden, will die Firma den Betrieb einzelner Bereiche einstellen. Derzeit prüft man die Rentabilität. Die Ergebnisse könnten üble Folgen für die Mitarbeiter haben.

Die Mitarbeiter der Alu Menziken zittern wieder um ihre Arbeitsplätze: «Es wird einen Chlapf geben. Alle haben Angst um ihre Jobs», sagt eine gut unterrichtete Quelle gegenüber der Aargauer Zeitung. Konkret hätte es diese Woche eine kurzfristig einberufene Informationsveranstaltung für die Mitarbeiter gegeben.

Diese seien informiert worden, dass die Firma in Kürze in einzelnen Bereichen den Betrieb einstellen wolle, falls diese bis dann nicht rentierten. Man werde dann auch Kündigungen aussprechen müssen.

Kein Gesamtarbeitsvertrag mehr

Es sei zudem nicht ausgeschlossen, dass man per Ende Jahr den Betrieb am Standort Menziken/Reinach ganz einstellen müsse, falls er weiterhin nicht rentabel sei. Die Firma habe auch den Gesamtarbeitsvertrag gekündigt und wollte den Mitarbeitern den 13. Monatslohn kürzen sowie Ferien, welche die gesetzlich vorgeschriebene Mindestdauer überschreiten, streichen.

Die Gewerkschaft Unia hat ebenfalls reagiert. Mit einem Flyer lädt sie die Mitarbeiter der Alu Menziken für den Montagabend zu einer Informationsveranstaltung ins Volkshaus Reinach ein.

Und plötzlich ist der CEO weg

Auffallend ist ausserdem: Anfang Jahr hat die Alu Menziken den CEO ausgewechselt – in aller Stille. «Wir haben Herrn Roland Gloor von seiner Aufgabe entbunden», sagt Ingolf Planer, Verwaltungsratspräsident der Alu Menziken und Chief Financial Officer des Mutterkonzerns Montana Tech Components AG, auf Anfrage der Aargauer Zeitung.

«Der Eigentümer der Alu und Herr Gloor hatten bezüglich der Strategie der Firma unterschiedliche Auffassungen.»

Aufgrund des schwierigen Schweizer Marktumfeldes habe man entschieden, Gerhard Anger als neuen CEO einzusetzen. Der Österreicher Anger verfüge über langjährige Erfahrung im Bereich Aluminium. «Herr Gloor wird der Firma über die nächsten Monate noch für Spezialprojekte zur Verfügung stehen.» Konkret heisst das: Die Alu Menziken hat Gloor gekündigt.

Rentabilität wird geprüft

Bezüglich der Ängste der Alu-Mitarbeiter sagt Planer: «Wir befinden uns mit dem Produktionsstandort Schweiz tatsächlich in einer schwierigen Lage.» Die hohen Lohnkosten und der starke Franken setze der Firma zu. «Die Alu Menziken schreibt derzeit rote Zahlen», so Planer.

«Wir wollten deshalb die Arbeitszeit der Mitarbeiter auf 42,5 Wochenstunden erhöhen, um die Lohnkosten zu senken und die Rentabilität zu steigern. Da hat die Unia aber nicht mitgespielt», sagt Planer. Infolgedessen habe man den Gesamtarbeitsvertrag per Ende Juni gekündigt.

«Wir wollen den Angestellten aber weder den 13. Monatslohn noch Ferienansprüche streichen – sonst verlieren wir Mitarbeiter, die wir brauchen», sagt der Verwaltungsratspräsident.

«Standortgarantie» für Alu

Man prüfe derzeit die Rentabilität aller Bereiche kritisch. Das könnte durchaus Folgen haben für die Angestellten: «Wenn wir sehen, dass wir mit einzelnen Bereichen nicht wettbewerbsfähig werden können, wird es Anpassungen geben.

Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass es mittelfristig zu einzelnen Kündigungen kommen wird», so Planer. Er betont jedoch: «Die Alu Menziken wird nicht geschlossen. Ich gebe eine Standortgarantie mit Brief und Siegel ab.»

Mal Kurzarbeit, mal Arbeitszeiterhöhungen, dann wieder Entlassungen und angedrohte Lohnkürzungen – die Alu Menziken kommt aus den Negativschlagzeilen kaum heraus. Erst im Januar 2013 musste die Alu in der Abteilung für die Herstellung von Flugzeugteilen 14 Leute entlassen.

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