Nutzungsplanung

Burg will neu ein Wohndorf werden: Der Plan gegen den Einwohnerverlust

Der «Schlosshügel Süd», wo bis anhin eine gemischte Nutzung von Gewerbe, Landwirtschaft und Wohnen erlaubt war, soll Wohnzone werden.

Der «Schlosshügel Süd», wo bis anhin eine gemischte Nutzung von Gewerbe, Landwirtschaft und Wohnen erlaubt war, soll Wohnzone werden.

Die Oberwynentaler Gemeinde hofft auf steuerkräftige Neuzuzüger, denn die Bevölkerungszahl ist seit längerem rückläufig.

In Burg hofft man auf steuerkräftige Zuzüger, die die schöne Lage des Oberwynentaler Dorfes zu schätzen wissen. Denn im Gegenteil zu den meisten anderen Gemeinden im Kanton ist die Bevölkerungszahl von Burg seit 20 Jahren rückläufig.

Im Jahr 1995 hatte sie mit 1143 Personen den Höhepunkt erreicht. Das war just bevor der grösste Arbeitgeber in der Gemeinde, die Firma Burger Söhne AG, ihre Tabakwarenproduktion ins Tessin verlagerte.

Damals waren rund 280 Personen in der Gemeinde beschäftigt. Zehn Jahre später waren es noch 182. Die Bevölkerungszahl war zwischen 1985 und 1995 um über 20 Prozent angestiegen, um danach fast ebenso schnell wieder zu sinken. Heute zählt Burg 969 Personen (Stand 31. 12. 2015), 1985 waren es 944.

Bevölkerungsentwicklung Gemeinde Burg 1985-2015

«Der Weggang der Firma Burger Söhne AG war eine Zäsur für die Gemeinde», sagt Gemeindeschreiber Viktor Würgler, «davon hat sich Burg nie mehr erholt.» Die Gemeinde habe zwar heute ein innovatives Gewerbe, dieses biete aber natürlich nicht «Massen von Arbeitsplätzen» an.

Zwischen Tabakvillen bauen

Mit der Gesamtrevision der Nutzungsplanung, die an der Gmeind vom 24. November zur Abstimmung kommt, will man dem Wohnbevölkerungsrückgang Gegensteuer geben – zum Beispiel am «Schlosshügel Süd». Das Gebiet, in dem bis anhin eine gemischte Nutzung von Gewerbe, Landwirtschaft und Wohnen erlaubt war, soll in eine Wohnzone umgewandelt werden: attraktives Bauland am Sonnenhang, geprägt von herrschaftlichen Villen mit Gartenanlagen und Gewerbebauten aus der Zeit der Tabakindustrie.

«Das Areal soll in seiner Struktur mit den charakteristischen Elementen erhalten und unter Wahrung des bestehenden Gesamtcharakters mit Einzelbauten weiterentwickelt werden», heisst es in der Zonenbeschreibung der Gemeinde.

«Burg hat Qualitäten als Familienwohnort, muss sie aber besser einsetzen», so Würgler. Baulandreserven habe die Gemeinde mehr als genug, allerdings setze sie sich aus zahlreichen Einzelparzellen inmitten des Dorfes zusammen. Eine Auszonung dieser Flächen mache wenig Sinn.

Das sieht offenbar auch der Kanton so. Er drückt bei den gemäss Richtplanung geforderten Auszonungen deshalb ein Auge zu – auch beim zweiten Entwicklungsgebiet, das die neue Zonenplanung im Fokus hat: dem Areal «Sandgasse Süd». Am Rand des Siedlungsgebietes gelegen, war gerade dieses «als Wohnzone attraktives Landstück», wie Würgler sagt, von der Auszonung bedroht.

«Im Moment haben wir den Kopf aus der Schlinge ziehen können.» Das von 2,8 auf 1,2 Hektaren verkleinerte Areal müsse gemäss abgeschlossener Vereinbarung mit dem Grundeigentümer innert Frist planungsrechtlich baureif gemacht und überbaut werden, sonst falle es in die Landwirtschaftszone zurück. Auch hier hoffe man auf eine familienfreundliche Quartierentwicklung.

Gegen die revidierte Nutzungsplanung waren während der Auflage vier Einwendungen eingegangen. Mit allen Einwendern hat eine Einigung erzielt werden können.

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