Burg
Wenn ein lauter Knall die Stille zerreisst: Diese Kinder wecken den Samichlaus

Um die 15 Kinder treffen sich jeweils wieder zum «Geisslechlöpfe uf de Burg». Nachwuchssorgen kennt der Anlass nicht. Wie es nach der Fusion mit der Nachbargemeinde Menziken weitergeht, verrät Initiant Stephan Siegrist.

Michael Hunziker
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Auf der – dunklen – Dorfstrasse wecken die Kinder mit lautem Knallen den Samichlaus.

Auf der – dunklen – Dorfstrasse wecken die Kinder mit lautem Knallen den Samichlaus.

mhu

Die Dunkelheit hat sich über das friedliche Dorf gelegt. Plötzlich zerreisst ein lauter Knall die Stille, ein paar Sekunden später wieder einer. Ein munteres Grüppchen findet sich an diesem – für die Jahreszeit milden – Abend auf dem Turnhallenplatz in Burg ein, um das Geisslechlöpfe zu üben. Beaufsichtigt werden die Kinder von Stephan Siegrist und Madeleine Rogger vom ortsansässigen Verkehrs- und Verschönerungsverein. Beide sind genauso geduldig und hilfsbereit wie versiert, zeigen, wie der runde Holzstiel gehalten, das Seil mit dem Zwick am Ende geschwungen werden muss.

Bei den Jüngsten ist anfänglich lediglich ein zaghaftes Zischen zu hören, bis sich nach und nach ein Erfolgserlebnis einstellt und ein erstes Ploppen zu vernehmen ist. Geisslechlöpfe braucht nicht nur Ausdauer und Kraft, sondern auch Geschick und Technik, wissen Stephan Siegrist und Madeleine Rogger. In der wohlverdienten Pause werden zur Stärkung Schoggistängeli und Getränke verteilt. Danach machen sich die Mädchen und Buben – die Geisseln fein säuberlich auf dem Bollerwagen verstaut – zu Fuss zur Dorfstrasse auf.

Lenzburger Chlauschlöpfer leisteten Unterstützung

Um die 15 Kinder im Schulalter – auch einige Eltern sind dabei – treffen sich jeweils am Dienstag, um schon einmal den Samichlaus zu wecken, der dann am 6. Dezember im Pärkli empfangen wird. Bei diesem beliebten Anlass können – als ein Höhepunkt – die erworbenen Geisslechlöpfer-Fertigkeiten gleich vor Publikum unter Beweis gestellt werden.

Stephan Siegrist hilft den Kindern.

Stephan Siegrist hilft den Kindern.

mhu

Stephan Siegrist hat den Anlass «Geisslechlöpfe uf de Burg» vor fünf, sechs Jahren ins Leben gerufen. Er ist im Ort aufgewachsen und führt heute einen Landwirtschaftsbetrieb. Bis 2017 war er Mitglied des Gemeinderats. Er habe den Jungen eine Freizeitbeschäftigung bieten wollen, ohne dass diese sich an einen Verein binden müssen, blickt der Initiant zurück. Seine Idee sei gewesen, dass sowohl die Kinder der Primarschule Burg als auch die Jugendlichen, die in die Oberstufe in Menziken gehen, zusammenkommen können. Er nahm Kontakt mit den Chlauschlöpfern aus Lenzburg auf, wo der Brauch seit langem besteht. Diese schickten zur Unterstützung einen Vertreter ins Oberwynental, um die Kinder anzuleiten.

Angesprochen sind alle, die neugierig sind

Über das Echo äussert sich Siegrist sehr zufrieden. «Wir können etwas zum Dorfleben beitragen», stellt er fest. «Es ist ein schöner Anlass in der Vorweihnachtszeit.» Dieser Aussage stimmt Madeleine Rogger zu. «Ich habe grundsätzlich gerne Kinder und freue mich, wenn etwas läuft und ein Treffpunkt geschaffen werden kann.» Sie ist dafür besorgt, dass genügend Geisseln in verschiedenen Grössen – je länger, desto lauter – zur Verfügung stehen und diese auch gepflegt werden.

Die Kinder treffen sich zum «Geisslechlöpfe uf de Burg».
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Die Kinder treffen sich zum «Geisslechlöpfe uf de Burg».
Die Kinder treffen sich zum «Geisslechlöpfe uf de Burg».
Die Kinder treffen sich zum «Geisslechlöpfe uf de Burg».
Die Kinder treffen sich zum «Geisslechlöpfe uf de Burg».
Die Kinder treffen sich zum «Geisslechlöpfe uf de Burg».

Die Kinder treffen sich zum «Geisslechlöpfe uf de Burg».

mhu

Nachwuchs zu finden, bereite keine Mühe, antwortet Stephan Siegrist auf die entsprechende Frage. «Unter den Kindern spricht sich das Angebot herum.» Es könnten alle mitmachen, die neugierig seien und etwas Neues ausprobieren wollten, führt Madeleine Rogger aus. Es handle sich nicht um einen Wettstreit, sondern es gehe darum, zusammen den Plausch zu haben.

Das «Geisslechlöpfe uf de Burg» soll übrigens auch weitergeführt werden nach der Fusion mit der Nachbargemeinde Menziken auf Beginn des kommenden Jahres. Es könne sogar sein, dass das Interesse steige durch das grössere Einzugsgebiet. «Wir sind offen», sagt Stephan Siegrist. «Auch für die Kinder wäre es schön, wenn sie sich so kennen lernen können.»