Bundesgericht
Nach Todesdrohung: Mann wird gestützt auf Aussage der ehemaligen Schwiegermutter verurteilt

Ein Mann hatte der Mutter seiner früheren Partnerin gesagt, er bringe sich um und werde die Ex-Freundin «mitnehmen». Das Gericht verurteile ihn wegen Drohung. Dagegen hat er sich nun bis vor Bundesgericht gewehrt.

Nadja Rohner
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Das Bundesgericht verurteilt einen Mann nach Todesdrohung gegen seine Ex-Freundin.

Das Bundesgericht verurteilt einen Mann nach Todesdrohung gegen seine Ex-Freundin.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Das Paar war rund neun Jahre zusammen gewesen und hatte sich nach islamischer Tradition, nicht aber zivilrechtlich vermählt. Die Frau beendete die Beziehung Anfang 2016. «Sie versuchte vergeblich, die Adresse ihrer neuen Wohnung vor A. zu verheimlichen», schreibt das Gericht. Er suchte sie schon nach wenigen Monaten und danach noch zwei weitere Male auf, bevor sie ihm Mitte 2017 schriftlich Hausverbot erteilte.

Anfang 2018, also zwei Jahre nach der Trennung, erschien er am neuen Wohnort der Frau und gab der Nachbarin einen Brief für sie ab. «In diesem Schreiben flehte er sie an, wieder mit ihm Kontakt aufzunehmen», so das Gericht. Und: Gleichentags rief der Mann die Mutter seiner früheren Partnerin an. Dieser gegenüber soll er gesagt haben, er werde sich umbringen und die Frau «mitnehmen». So wirft es ihm die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm vor, die ihn wegen mehrfachen Hausfriedensbruchs und Drohung zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 60 Franken verurteilte – die Hälfte davon (5400 Franken) unbedingt, die andere aufgeschoben bei einer Probezeit von fünf Jahren.

Vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs freigesprochen

Der Mann, der wegen des Vorfalles 42 Tage in Untersuchungshaft gesessen hatte und stets abstritt, je eine Drohung ausgesprochen zu haben, akzeptierte den Strafbefehl nicht. Sein Gang vor das Bezirksgericht Kulm war insofern erfolgreich, als dass er vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs freigesprochen wurde. Seine Strafe wurde auf 60 Tagessätze zu 60 Franken reduziert – bedingt auf vier Jahre. Die U-Haft wurde ihm angerechnet.

Wieder akzeptierte der Mann das Urteil nicht. Es stehe Aussage gegen Aussage. Das Obergericht hörte zwar – anders als die Vorinstanz – nun auch die ehemalige Schwiegermutter und nicht nur die Ex-Frau als Zeugin an, bestätigte aber das Urteil. Auch dieses wurde weitergezogen.

Mutter log wohl nicht für ihre Tochter

Vor Bundesgericht hatte der Mann aber ebenfalls keinen Erfolg. Das Obergericht würdige die Zeugenaussagen sorgfältig, heisst es im Urteil. Sowohl Mutter als auch Tochter erinnern sich demgemäss an denselben Wortlaut der Drohung, die Mutter lasse darüber hinaus den Beschuldigten aber in gutem Licht erscheinen und wünscht sich offenbar sogar immer noch, dass Tochter und Ex-Partner wieder zusammenkommen.

Ausserdem habe er eine enge Beziehung zu seiner vormaligen Schwiegermutter, wohingegen deren Tochter sich von ihr schon vor der Tat distanziert habe. «Angesichts dieser unbestrittenen Beziehungsverhältnisse liegt der Schluss der Vorinstanz nahe, dass die Mutter nicht für ihre Tochter log», so das Bundesgericht.