Reinach
Buchkultur mit 25'000 Titeln auf 60 Quadratmetern

Vor 38 Jahren, im November 1976, eröffneten Esther und Kurt Suter in Reinach eine Buchhandlung. Ihren Traum wollte das junge Buchhändler-Ehepaar im Oberwynental verwirklichen. Jetzt übergibt das Buchhändler-Ehepaar das Geschäft in jüngere Hände.

Peter Siegrist
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Während fast vier Jahrzehnten haben Esther und Kurt Suter Bücher ausgewählt, eingeräumt und verkauft.

Während fast vier Jahrzehnten haben Esther und Kurt Suter Bücher ausgewählt, eingeräumt und verkauft.

Peter Siegrist

Sie waren die Ersten im Tal und der Empfang sei von verhalten-skeptisch bis zu freudig-erwartungsvoll gewesen. «Glaubt ihr daran?», habe eine Kundin gefragt.

Suters haben damals ihr Geschäft ohne Start-up Programm und vor allem ohne fremden Kredit eröffnet. Sie mieteten sich in einem ehemaligen italienischen Spezialitäten-Ladenlokal ein. «Mit unserem Ersparten haben wir die Gestelle und die ersten Bücher gekauft», erzählt Kurt Suter. Hinter dem Ladenlokal befanden sich eine Küche und zwei Zimmerchen. Da haben Suters gewohnt.

Ein Telefon, eine Occasionsschreibmaschine und eine Kasse genügten für den Start. So begannen die ersten Geschäftsjahre. «Dank Mund-zu-Mund-Propaganda wuchs der Kundenkreis ständig», sagt Esther Suter. Mit dem verdienten Geld haben Suters weitere Bücher gekauft und ihr Sortiment ständig erweitert. Bald bildeten sie eine erste Lehrtochter aus. Mit dem Wohnen im Laden war jetzt Schluss. Die Verkaufsfläche wurde vergrössert, im Hintergrund ein Büro eingerichtet und Suters wohnten künftig in einem Haus im Dorf. Dreizehn Lernende haben in all den Jahren ihre Ausbildung in Reinach gemacht.

Was gleich geblieben ist nach 38 Jahren, ist die Verkaufsfläche. Sechzig Quadratmeter in drei kleinen Räumen. An den Wänden Büchergestelle, Tische für die Auslagen, Buchständer für Taschenbücher. Drei, vier Stühle stehen für die Kunden bereit, die gern durch ein Buch blättern möchten.

Die ersten 20 Jahre seien hart gewesen, erzählen Suters. Sie mussten sich als Buchhändler im Tal erst einmal bewähren und mit viel Engagement und Durchhaltevermögen einen Kundenstamm aufbauen. Heute dürften sie auf eine treue Stammkundschaft zählen. Frauen und Männer, Jugendliche, die es schätzten, in einer räumlich kleinen Buchhandlung mit grossem Sortiment zu stöbern und einzukaufen, sagen sie. Rund 25 000 Bücher stehen in den Gestellen, das ahnt der Kunde kaum auf den ersten Blick.

Feststellbar war natürlich auch auf dem Land der grosse Wandel im Buchhandel. Einerseits die Konzentration zu Buchhandelsketten in den Städten, andererseits die Verlagerung des Verkaufs ins Internet. Das sei spürbar, sagt Kurt Suter.

Der Wegfall der Buchpreisbindung habe zur Folge gehabt, dass zwar bei den Grossen Bestseller häufig billiger wurden. Andere Bücher wiederum standen plötzlich bei den Kleinen auf dem Land günstiger im Gestell. Entscheidend für Suters ist die Überzeugung, dass die kleinen, unabhängigen Buchhandlungen die entscheidende Rolle spielen, das Kulturgut Buch auch in entlegenen Orten des Landes zu verbreiten.

Ende September übergeben Suters ihre Buchhandlung an Anina Weber und Dominik Dössegger. Die beiden jungen Nachfolger übernehmen das Sortiment inklusive die herausgegebenen Büchergutscheine und starten am 11. Oktober mit der Neueröffnung.

Für Suters geht nach vier Jahrzehnten eine Epoche zu Ende. Täglich standen sie im Laden, waren für ihre Kundschaft da. Und für das Buch. Die Liebe zum Buch, zur Literatur war die Kraftquelle. Ein bisschen Wehmut schwinge mit am Ende, sagen beide, doch auch Freude, dass junge Leute weiterfahren; und Freude, künftig ohne Termin- und Verkaufsdruck das zu lesen, was primär gefällt.