Reinach

Buchhändler wünschen sich Preisbindung zurück

Buchhändler aus Leidenschaft: Esther und Kurt Suter, Wyna-Buchhandlung Reinach.  Peter Siegrist

Buchhändler aus Leidenschaft: Esther und Kurt Suter, Wyna-Buchhandlung Reinach. Peter Siegrist

Die Buchhändler Esther und Kurt Suter haben die Veränderungen im Buchpreismarkt in den letzten Jahren hautnah erlebt. Sie sagen, weshalb sie sich die Preisbindung zurückwünschen.

In Reinach führen Esther und Kurt Suter seit 35 Jahren eine mittelgrosse Buchhandlung mit rund 25 bis 30000 Titeln am Lager. Das Buchhändler-Ehepaar hat die Veränderungen im Markt in den letzten Jahren hautnah erlebt. Seit 2007 sind die Verkaufspreise für Bücher in der Schweiz nicht mehr vorgeschrieben. Die einzelnen Händler wie auch der Grosshandel haben die Möglichkeit, die Verkaufspreise selber zu gestalten.

Beim Fallenlassen der bisherigen Preisbindung sei erwartet und versprochen worden, dass die Buchpreise flächendeckend sinken würden, erklärt Kurt Suter. Das sei jedoch nicht eingetreten. «Es gab zwar bei den Grosshändlern Preissenkungen bei Bestsellern, ebenso beim Internet-Handel, aber viele Bücher sind auch teurer geworden», erklärt Suter.

Teurer bei den Grossen

Kurt und Esther Suter von der Wyna-Buchhandlung in Reinach erklären den Preisanstieg seit dem Fall der Preisbindung: «Bis zu dreissig Prozent billiger geworden sind die Bestseller bei Grossbuchhandlungen, der Markt hat jedoch nicht reagiert wie erwartet.» Bisher hätten Bestseller dank der guten Marge den Verkauf anderer Bücher querfinanziert, sagt Suter. Wenn dieser Gewinn wegen hoher Rabatte wegfalle, so müsse der Gewinn von den andern Büchern eingebracht werden. «Das hat zur Folge, dass Grossbuchhandlungen jetzt andere Bücher plötzlich teurer verkaufen als wir Kleinen auf dem Land.»

Die Wyna-Buchhandlung in Reinach hält sich bei ihrer Preisgestaltung an die empfohlenen Ladenpreise der Verlage. Allerdings wünschen sich Suters, dass die Preisbindung wieder eingeführt wird. Damit sind sie nicht allein, selbst die Grosshändler, welche international verknüpft sind, und auch das Buchzentrum als zentraler Auslieferer hoffen auf die erneute Preisbindung, sagt Suter.

Unterstützung aus Deutschland

Support erhält der Schweizer Buchhandel mit einem offenen Brief des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: «Kleinere, unabhängige Buchhandlungen spielen die entscheidende Rolle, wenn es darum geht, das Kulturgut Buch mit hoher Beratungskompetenz auch in entlegenen Orten des Landes zu verbreiten.» Dafür bilde in Deutschland die Preisbindung die solide Grundlage.

«Wir machten weniger Umsatz letztes Jahr», erklärt Esther Suter, ja, es zeichne sich ab, dass die freie Preisgestaltung den Kleinen und den Grossen ans Existenzielle gehe.

Ähnlich tönt es bei der Evangelischen Buchhandlung in Reinach. «Wir hoffen auf die Wiedereinführung», erklärt Heidi Galliker. «Wir verkaufen viel christliche Literatur aus kleinen Verlagen, da war der Fall der Preisbindung ein grosser Einschnitt.» Elisabeth Müller von der Buchhandlung Aleph und Tau in Schöftland denkt gleich: «Wir wünschen uns ein Ende im heute geltenden Preischaos, wir möchten wieder klare Strukturen.»

Heute kennen die Nachbarländer Deutschland und Österreich seit Jahren ein Preisbindungsgesetz. Frankreich hat die Preisbindung nach einem Versuch ohne Preisvorschrift wieder eingeführt. Heute spürt der Buchhandel zusätzlich die aktuelle Eurokrise. Viele Auslieferungen aus Deutschland waren vor dem letzten Herbst, als der Eurokurs noch höher war. Die Umsätze sind gesamtschweizerisch im letzten Jahr um 2,8 Prozent gesunken, meldet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Im gleichen Jahr legten die beiden Euro-Länder Deutschland (0,5 Prozent) und Österreich (1,8 Prozent) zu.

Keine Ware, sondern ein Kulturgut

Der im August 2009 verstorbene Schriftsteller Hugo Loetscher hat am 23. April 2007, am Welttag des Buches, in einer Rede die Sicht der Autoren dargestellt: «Wenn der Buchpreis frei ist, wird mit aller Voraussicht das Einkommen der Verursacher (=Autoren) sinken. Das hat sich in Schweden drastisch gezeigt.» Loetscher wies auf die Vielfalt hin: «Wenn infolge der Aufhebung der Preisbindung kleinere Verlage und Buchhandlungen in Existenznot gelangen, ist gefährdet, was die Diversität dieses Landes stets ausgezeichnet hat.» Und Suter ergänzt: «Die kleinen Buchhandlungen definieren sich nicht allein wirtschaftlich, es geht ums Buch als Kulturgut, um die Liebe zu den Büchern und zu den Kunden.»

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