Es geschah am 5. April, einem frühlingshaften Dienstagnachmittag: Die Wyna unterhalb der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Reinach war auf einmal braun gefärbt – zumindest teilweise. Recherchen der Aargauer Zeitung ergaben, dass aus einer Baugrube bei der ARA verschmutztes Baustellenabwasser ins Gewässer eingeleitet worden war.

Jetzt ist die für das Umweltdelikt verantwortliche Person ermittelt. «Die Untersuchungen der Kantonspolizei wurden vor wenigen Tagen abgeschlossen», sagt Roland Pfister, Medienchef der Kantonspolizei Aargau, auf Anfrage.

Ein verantwortlicher Angestellter einer Bauunternehmung werde wegen Widerhandlung gegen das Gewässerschutzgesetz angezeigt. Die Akten gehen nun zur Beurteilung an die zuständige Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm.

«Eine fahrlässige Handlung»

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, eine Gewässerverschmutzung verursacht zu haben, indem mittels Pumpen verschmutztes Baustellenabwasser in den Bach eingeleitet wurde. «Eine fahrlässige Handlung», wie Pfister sagt, denn die Person habe damit klar in Kauf genommen, dass das Gewässer Schaden nehmen und die Fische sterben könnten.

Dafür wird der Verantwortliche jetzt strafrechtlich belangt. Details aus dem Untersuchungsbericht will die Polizei aber aus Rücksicht auf das laufende Verfahren noch keine bekannt geben. Wann mit einem Urteil zu rechnen ist, kann die Staatsanwaltschaft zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Der Vorfall ist eine unschöne Angelegenheit, just zur Halbzeit des rund 31 Millionen Franken teuren Erweiterungs- und Sanierungsprojekts der Reinacher ARA. Bei der Bauherrschaft, dem Abwasserverband Oberwynental, ist man zwar erleichtert, dass die Verantwortlichkeiten jetzt geklärt sind und dank der Ermittlungen feststeht, «dass die ARA nichts damit zu tun hat», wie der Verbandspräsident Joe Eugster sagt. Der Ärger über den Vorfall ist trotzdem gross. «Ein solches Vorkommnis ist natürlich nicht gut für unser Image», sagt Eugster.

Schläuche von oben nicht sichtbar

Der Verbandspräsident befürchtet, dass die Bevölkerung nicht zwischen Abwasserverband und Baufirma unterscheidet. «Das rückt die ARA in ein schlechtes Licht, dabei sind wir immer bestrebt, nichts zu tun, was nicht in Ordnung ist.»

Die Mitarbeitenden der ARA seien auf der Baustelle präsent und intervenierten bei Ungereimtheiten. «Aber man muss es halt auch zuerst merken», so Eugster. Die Schläuche, die das Baustellenabwasser die Böschung hinab in die Wyna leiteten, seien vom Gelände her nicht zu sehen gewesen. «Zum Glück ist der Vorfall noch glimpflich abgelaufen. Im Abwasser waren keine Schadstoffe drin», sagt Eugster. «Trotzdem, das darf nicht passieren.»

Gleicher Meinung ist der Reinacher Gemeinderat Rudolf Lanz, der unter anderem für das Ressort Umwelt zuständig ist: «Was hier passiert ist, ist ein ›Seich›. Gerade bei einer Baustelle, die so nahe am Wasser ist, sollte die Bauleitung sensibilisiert sein und die Risiken kennen – nicht wegen des Images, sondern wegen der Umwelt.»