Sie tragen so entsetzliche Namen wie Japanischer Knöterich oder Drüsiges Springkraut, zaubern aber auch hübsche Farbtupfer in die Landschaft und in die Gärten wie die Späte Goldrute oder der Sommerflieder: Neophyten. Der Natur- und Vogelschutzverein Rued lud am Freitag zum Verspeisen von Neophyten. Neophyten sind Pflanzen, die erst nach 1492, nachdem Kolumbus Amerika erreicht hatte, zu uns gekommen sind und sich selbstständig halten können.

Stephan Marti vom Verein steigt mit einer Zigarre – Neophyt Tabak – in seinen Vortrag und kredenzt einen französischen Wein aus Americano-Reben – auch dies Neophyten. Er verwendet den Begriff Archäophyten für Pflanzen, die vor 1492 zu den einheimischen Pflanzen kamen.

Also sind nicht nur Kartoffeln, Mais und Tomaten «Ausländer», sondern auch Weizen, Hafer, Dinkel, Aubergine, Bohnen. Was zeigt: Wir leben von eingewanderten Lebensmitteln. Auf den Tischen liegen Knabberkerne von der Erdmandel aus Niger in Afrika. Sie munden, und das Erdmandelgras gedeihe auch im Ruedertal.

Invasive Pflanzen sind Problem

Das Problem, davon berichten auch einige der rund drei Dutzend Leute in der Waldhütte, sind invasive Neophyten oder Archäophyten: Sie nehmen Überhand und verdrängen einheimische Pflanzen. Und da gibt es, so Marti, auch giftige Pflanzen wie das Jakobs-Kreuzkraut, das beispielsweise auch Pferde nicht vertrügen. «In Leerb ist mal ein Pferd daran gestorben», erinnert sich einer.

«Ein Vitamin-D3-Lieferant, die ebenfalls giftige Wachsartige Blattkirsche, gedeiht auch im Ruedertal», erzählt Marti, doch das extrahierte Vitamin komme bislang erst Hühnern (kräftigere Beine) und Schweinen (Lebermittel) zu Gute, noch nicht aber Menschen (Osteoporose).

Rege ist der Austausch am lauschigen Plätzchen. Eine Bäuerin erzählt von der Kirschessigfliege, die die ganze Kirschenernte verdorben habe. Ein Kind bringt einen Pilz. Der Fachmann sieht sofort: ein Hexenröhrling, nicht der giftige Satansröhrling.

Nun, zum Verspeisen von Neo- und Archäophyten gibts nichts Giftiges. Eine Augenweide (einheimisch) ist die Auslage der Früchte und Gemüse. Nicht nur Kartoffeln, auch Maiskolben, Tomaten, Kürbisse, Zwiebeln, Äpfel und Südfrüchte wollen vernascht werden. Wer ein kreatives Teiggericht macht, eine Pizzavariation, tut gut daran, eine Schale zu benutzen. Ein Maiskolben wird schwarz und einem fällt das Teigteil beim Wenden in den Kies. «Mit Verlust musst du rechnen», wird kommentiert. «Wie ein Schiffli», sieht die Banane aus, mit weisser Schoggi bedeckt. Da wäre Kentern dumm.

«Woher kommst du eigentlich?», fragt einer Stephan Marti. Neozoe? «Ich bin ein Berner; man hat mir wegen der Nasenform aber auch schon gesagt, ich hätte etwas Indisches», sagt er und wendet seine Schweinsrippen auf dem Grill.