Hat eine Person in Schöftland, Holziken, Hirschthal oder Staffelbach einen Herzstillstand, rückt bald die regionale Herznotfallgruppe Schöftland aus. Sie ist ab dem 1. Januar im Einsatz und kann innerhalb von vier bis sechs Minuten an den entlegensten Orten in diesen vier Gemeinden sein (az vom 4.12.). Die Gruppe sieht sich laut David Rickenbach nicht als Konkurrenz zu den Rettungsdiensten. Vielmehr gehe es darum, in den ersten, wichtigen Minuten Ersthilfe zu leisten, bis der Rettungswagen eintreffe. Diese kommen von den Spitälern Menziken, Aarau und Zofingen ins Suhrental. Die Herznotfallgruppen werden auch First Responder-Gruppen genannt, die ersteintreffende Gruppe.

Ruft aber jemand aus dem noch weiter entfernten Kirchleerau oder aus dem Ruedertal die 144 an, wird die Herznotfallgruppe Schöftland nicht alarmiert. Denn diese ist nur in den vier Mitgliedsgemeinden tätig. Hat also eine Person in Kirchleerau einen Herzstillstand, wird der Rettungswagen in Aarau alarmiert. Für Wiliberg beispielsweise ist das Spital Zofingen zuständig. Im Ruedertal kommt die Ambulanz aus Menziken. Es gehen einige Minuten mehr verloren.

Ambulanz in 15 Minuten vor Ort

Kann die grössere Distanz nicht heikel werden? «Nein», sagt Michael Edion, Projektleiter beim Kantonsärztlichen Dienst und Ansprechpartner für die Herznotfallgruppen. Denn ein Rettungsteam müsse jeden Einsatzort in dem ihm zugeteilten Gebiet innerhalb von 15 Minuten erreichen können. Dies sind die Qualitätskriterien des Interverbandes für Rettungswesen (IVR). Im Kanton Aargau muss dies in 80 Prozent der Fälle eingehalten werden. Innerhalb dieser 15 Minuten muss also auch in Kirchleerau die Ambulanz sein.

Trotzdem sind die Herznotfallgruppen schneller innerhalb ihres Gebietes. «Die First Responder-Gruppen optimieren die Versorgung, sie versuchen, es noch besser zu machen», sagt Edion. Dies mache grundsätzlich überall Sinn.

Die Gruppen bestehen aus Freiwilligen, meist Mitglieder der Feuerwehr oder des Samaritervereins, und auch für die Finanzierung müssen die Gruppen selbst sorgen. «Wenn sich aber keine Personen zur Verfügung stellen, die in einer Gruppe mitmachen möchten, kommt sie auch nicht zustande.»

Kleine Dörfer: Aufbau schwierig

Wäre eine solche Herznotfallgruppe beispielsweise auch im Ruedertal möglich? Die Gemeinde Schlossrued hat bis letzte Woche nichts von der neuen Gruppe in Schöftland gewusst. «Ohne Zweifel ist eine solche Herznotfallgruppe eine sehr gute und lebensrettende Massnahme», sagt Martin Goldenberger, Schlossrueder Gemeindeammann. Aufgrund der Distanz käme wohl nur eine Gruppe für Schlossrued und Schmiedrued zusammen infrage. Er geht davon aus, dass eine Herznotfallgruppe bei der Feuerwehr Rued anzusiedeln wäre. Doch er bedenkt: «Mit rund 2000 Einwohnern dürfte es aber schwierig werden die personellen und finanziellen Ressourcen in dem Mass bereitzustellen, wie es die Regiowehr Suhrental kann.» Das Thema werde sicher mit dem Schmiedrueder Gemeinderat diskutiert.

Marliese Loosli, Gemeindeammann von Schmiedrued-Walde, findet die Idee einer solchen Herznotfallgruppe gut. Nur: «Wir haben uns aber noch nie Gedanken darüber gemacht, vielleicht wäre das Interesse in der Bevölkerung da.» Seit Anfang 2013 hat die Gemeinde zwei Defibrillatoren an öffentlichen Plätzen montiert, um im Notfall Ersthilfe leisten zu können.

Regina Lehmann, Ammann von Reitnau, sagt, die Gemeinde habe gut ausgebildete Personen im Samariterverein, die über einen Defibrillator verfügen. «Ansonsten zählen wir auf eine rasche und kompetente Hilfe nach Alarmierung über die Nummer 144.» Auch Stephan Müller, Wiliberger Ammann, zählt auf die schnelle Hilfe der Rettungsdienste und er sagt: «Für kleine Gemeinden wird es schwierig eine solche Gruppe aufzubauen.» Markus Gabriel, Ammann von Uerkheim, sagt, dass im Tal die Frage nach einer Herznotfallgruppe auch schon diskutiert worden sei. «Doch anders als in Schöftland, sind wir sehr nahe beim Spital Zofingen.»

Etwas weiter mit der Einführung einer Herznotfallgruppe ist man im Oberwynental: Der Rettungsdienst des Spitals Menziken hat mit der Feuerwehr bereits erste unspezifische Gespräche geführt. «Zuerst muss ein Konzept vorliegen, das die Qualität sicherstellt und die Finanzen müssen geregelt sein», sagt Hans-Peter Wyss, Leiter des Rettungsdienstes.