Strafverfahren

Brandgefährliches Manöver: Aargauer Verkehrsrowdy überholt Fahrschüler rechts auf Autobahn

Der Autorowdy ist für diverse gefährliche Manöver verantwortlich. (Symbolbild)

Der Autorowdy ist für diverse gefährliche Manöver verantwortlich. (Symbolbild)

Ein unverbesserlicher Verkehrssünder ist vor dem Bundesgericht mit einer Beschwerde abgeblitzt. Er erhält eine Gefängnisstrafe und muss eine Therapie absolvieren.

Die Aargauer Behörden haben erfolgreich einen notorischen Verkehrs-Rowdy hinter Gitter gebracht. Dessen Beschwerden bis vor Bundesgericht hatten keinen Erfolg.

Der Mann, nennen wir ihn Ruedi, war an einem Abend im August 2013 in einem VW Golf unterwegs. Es handelte sich um eine Probefahrt nach einem Kaufgespräch. Gegen 20 Uhr befand er sich auf der A1, kurz nach der Raststätte Kölliken. Ruedi war mit etwa 130 km/h unterwegs, als er sich über eine Mercedes-Fahrerin ärgerte, die vor ihm auf der Überholspur fuhr. Sie war dort gerade dabei, ein drittes Auto zu überholen. Ruedi ging es aber nicht schnell genug. Laut aktuellem Bundesgerichtsurteil fuhr er so nahe auf die Frau auf, dass sie sich bedrängt fühlte. Dann wechselte er schnell von der Überholspur auf die Normalspur und gleich wieder zurück, um die Frau dazu zu bringen, die Überholspur freizugeben. Bloss konnte sie das nicht, weil sich neben ihr auf der Normalspur noch das dritte Auto befand.

Als Ruedis Golf nur noch eine Handbreit vom Mercedes entfernt war, hupte die verängstigte Frau und tippte leicht die Bremse an, um den Tempomaten rausnehmen zu können. Da rammte Ruedi ihren Mercedes, sodass dieser einen Satz nach vorne machte. Schliesslich gelang es der Frau, auf die Normalspur zurückzuwechseln. Zu diesem Zeitpunkt war ihr Ruedi über zwei Kilometer quasi Stossstange an Stossstange am Heck geklebt – bei Höchstgeschwindigkeit.

Auch Fahrschüler bedrängt

Damit aber nicht genug. Ruedi fuhr weiter. Sein nächstes Opfer: ein Fahrlehrer und sein Fahrschüler. Der Schüler war gerade dabei, zwei lange Fahrzeuge, wahrscheinlich Bus und Lieferwagen, zu überholen. Das erste Fahrzeug hatte er gerade passiert, als Ruedi auch dem Fahrschulauto bis an die Stossstange auffuhr. Dann wechselte Ruedi abrupt auf die Normalspur, zwängte sich in die Lücke zwischen Bus und Lieferwagen – nur um dann direkt vor der Nase des Fahrschülers wieder auf die Überholspur einzuschwenken. Für dieses brandgefährliche Rechtsüberhol-Manöver bei mindestens 120 km/h hatte er nur eine Lücke von 1 bis 1,5 Autolängen zur Verfügung. Das sei dreist gewesen, «wie im Film», gab der erschrockene Fahrlehrer später zu Protokoll. Passiert ist letztlich nichts, aber wenige hundert Meter weiter vorne überholte Ruedi nochmals ein Fahrzeug rechts.

Opfer als «Wixer» betitelt

Anderthalb Jahre später kam es nochmals zu einem Vorfall. Kurz vor Weihnachten 2014 befand sich Ruedi als Beifahrer seiner Mutter in einer stehenden Kolonne auf dem Bahnhofplatz Brugg, als der Fahrer hinter ihnen mehrfach hupte. Ruedi stieg aus, packte den Fahrer durch die offene Fahrzeugtür am Arm, schlug ihn auf die Schulter und betitelte den überraschten Mann als «Souhund». Als der Fahrer aussteigen wollte, klemmte Ruedi dessen Fuss in der Fahrertür ein und schlug ihn erneut. Im Juni 2015 kam es in dieser Sache zu einer Vergleichsverhandlung bei der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, wo Ruedi sein damaliges Opfer als «Wixer» betitelte.

Erst nur teilbedingte Strafe

Das Bezirksgericht Aarau verurteilte Ruedi schliesslich wegen mehrfacher Beschimpfung (Fall Brugg) und wegen Gefährdung des Lebens, Nötigung, Sachbeschädigung sowie verschiedener Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz (Fall Autobahn) und sprach eine teilbedingte Gefängnisstrafe von 2,5 Jahren aus. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Ruedi zogen das Urteil ans Obergericht weiter. Dieses verschärfte die Strafe: Es befand, Ruedi müsse die 2,5 Jahre unbedingt absitzen. «Dass nichts passiert ist», so das Obergericht, «ist einzig dem kontrollierten Fahrverhalten der Geschädigten und letztlich dem Zufall zu verdanken.»

Ohne Zweifel voll schuldfähig

Auch das wollte Ruedi nicht hinnehmen. Er gelangte ans Bundesgericht. Zur Hauptsache argumentierte er, er habe sich beim Autobahn-Vorfall in einem «manischen Zustand» befunden, es seien ihm «die Sicherungen durchgegangen» und er sei deshalb nicht schuldfähig. Bereits die Vorinstanzen hatten sich aber auf ein forensisches Gutachten abgestützt, das Ruedi zwar eine narzisstische Persönlichkeitsstörung attestierte, ihn aber ohne Zweifel für voll schuldfähig erklärte. Das Bundesgericht erachtete dies als schlüssig und wies Ruedis Beschwerde ab.

Ruedi habe nicht schlicht Abstandsvorschriften nicht eingehalten und sei auch nicht bloss rechts am Fahrschüler vorbeigefahren, heisst es im neu publizierten Urteil aus Lausanne. «Vielmehr schuf er mit seinen waghalsigen Fahrmanövern ein hohes Kollisionsrisiko sowie das hohe Risiko von Panikreaktionen der bedrängten Verkehrsteilnehmer.»

Ruedis Wunsch nach einer teilbedingten Strafe oder doch wenigstens um Strafaufschub zugunsten einer ambulanten Massnahme – er hatte freiwillig eine begonnen – kam das Bundesgericht nicht nach. Auch, weil Ruedi bereits im Jahr 2010 zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt wurde, nachdem er bei 70 km/h einen Schikanenstopp durchgeführt hatte. Das habe ihm als Warnung offensichtlich nicht gereicht, so das Bundesgericht. Dieses bedingt ausgesprochene Urteil wird nun vollzogen, was Ruedi fast 9000 Franken kostet. Zudem muss er 2,5 Jahre absitzen und sich vollzugsbegleitend therapieren lassen.

Urteil: 6B_698/2017

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