«Unterkulm ändert sein Gesicht», berichtete die AZ im Februar 2017. «Es wird extrem viel und extrem schnell gebaut», sagte Bauverwalter Reto Müller damals. Jetzt sollen zwei weitere Mehrfamilienhäuser dazu kommen. Und zwar an der Stelle des rosaroten Jungscharhauses an der Hauptstrasse vis-à-vis der WSB-Haltestelle «Unterkulm Nord» und der 114-jährigen Chrischona-Kapelle hinter dem farbigen Haus. Die beiden Gebäude sollen abgerissen werden.

Bewilligung für Abbruch

Bis 2017 stand die Chrischona-Kapelle aus dem Jahr 1904 unter kommunalem Schutz. Im Zuge der Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) sollte sie aus dem Inventar der geschützten Bauten gestrichen werden. Das Verfahren der BNO-Revision ist jedoch noch am Laufen. Als Nächstes kommt es zum Mitwirkungsverfahren. Die Bauherrin Chrischona wollte nicht bis zum Abschluss der Revision warten und reichte beim Gemeinderat ein Gesuch um Ausnahmebewilligung ein.

Damals sagte Pius Räber von der Fachstelle der kantonalen Denkmalpflege auf Anfrage: «Anlässlich einer Innenbesichtigung der Kapelle musste festgestellt werden, dass das Gebäude heute nicht mehr seinem eigentlichen Zweck als Versammlungsraum dient und dass das Innere mit Ausnahme einer alten Fensterverglasung über keine relevante bauzeitliche Ausstattung mehr verfügt.» Das Gesuch wurde von der kantonalen Denkmalpflege und dem Gemeinderat bewilligt. Der rechtskräftige Entscheid liegt vor. Jetzt soll also gebaut werden.

Zehn neue Wohnungen

Für 2,9 Millionen Franken plant «Chrischona Schweiz» zwei Mehrfamilienhäuser. Ein vierstöckiges Gebäude mit sechs Wohnungen und ein dreistöckiges mit vier Wohnungen. Auf beiden Gebäuden ist je eine Attika-Wohnung geplant. Dort wo die Kapelle stand, soll parallel zur Hauptstrasse das grössere Haus zu stehen kommen. Die Liegenschaft dahinter kann nach dem Bau nicht mehr über die Zufahrt an der ehemaligen Kapelle vorbei erreicht werden. Sie wurde neu über den Unteren Eingeländeweg erschlossen.

«Unterkulm ist historisch gesehen ein Strassendorf», sagt Bauverwalter Reto Müller. Dies zeige sich in der Parzellierung der Grundstücke östlich der Hauptstrasse. «Es gibt unzählige schmale rechteckige Parzellen», so der Bauverwalter. Diese seien schwierig zu bebauen und eine raumplanerische Herausforderung für die Gemeinde. Da die «Chrischona Schweiz» zwei Parzellen nebeneinander besitzt, konnte das Mehrfamilienhaus quer, also parallel zur Hauptstrasse, projektiert werden.(MEi)