Gemeindeversammlung

Birrwil findet einfach keinen neuen Gemeindeschreiber

Birrwil sucht einen Gemeindeschreiber.

Birrwil sucht einen Gemeindeschreiber.

Gemeinderat und Verwaltung sind nach personellen Wechseln überfordert. Die Gemeindeversammlung genehmigte einen Stellenausbau.

«Wenn abends um elf im Gemeindehaus noch das Licht brennt, dann nicht, weil es den Mitarbeitenden dort so gut gefällt», meinte Birrwils Ammann Max Härri. Er musste sich an der Gemeindeversammlung dafür rechtfertigen, dass er eine personelle Aufstockung für die Gemeindeverwaltung beantragt hat: Von 2,2 auf neu 2,9 Stellen. Die Arbeit häufe sich im Gemeindehaus, während gleichzeitig viele Altlasten abgearbeitet werden müssten.

Da passte es auch ins Bild, dass der Gemeinderat an diesem Abend ein Traktandum kurzfristig verschieben musste, weil noch weitere rechtliche Abklärungen nötig sind. Später schob Max Härri nach, dass es auch daran lag, dass man benötigte Unterlagen im Gemeindehaus nicht finden konnte. Der Gemeinderat wünscht sich die personelle Power, um den Gemeindebetrieb wieder in geordnete Bahnen lenken zu können. Betroffen von der Verschiebung war der Verkauf einer Landparzelle, der nun im Sommer vor die Gmeind kommen soll.

Für Unruhe in der Gemeinde sorgte neben dem Rücktritt eines Gemeinderats auch, dass sie im Sommer 2018 ihre langjährige Gemeindeschreiberin an eine grössere Gemeinde verloren hat. Birrwil versuchte es daraufhin mit einem sehr jungen Gemeindeschreiber, der sich noch als zu wenig erfahren herausgestellt hat.

Diesen Sommer hat er gekündigt und seitdem ist die Gemeinde auf der Suche nach einem Nachfolger. Das erklärt auch die Budgetaufstockung in der Verwaltung, die deutlich über die gesteigerten Pensen hinausgeht. Ammann Härri: «Der Markt für Gemeindeschreiber ist ausgetrocknet – so sehr wir uns bemühen, es bewirbt sich niemand. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, deswegen bereiten wir uns darauf vor, einen Kandidaten auch entsprechend entlöhnen zu können.»

Wenigstens gibts eine neue Finanzverwalterin

Immerhin kann Birrwil im Januar 2020 mit Brigitte Hediger eine neue Finanzverantwortliche begrüssen, von der sich die Verwaltung einen ersten Schritt zurück zu langfristiger Stabilität erhofft. Der Souverän stimmte dem höheren Verwaltungsbudget zu. Zuvor war die kleine Verwaltung trotz zunehmender Belastung schon seit Jahren nicht mehr aufgestockt worden. Doch der grosse Publikumsmagnet an dieser Gemeindeversammlung war das seit Langem geplante Schulhaus.

Schulhaus kann endlich gebaut werden

Unter anderem waren die relativ hohen Kosten Schuld daran, dass sich die Bevölkerung lange schwertat mit dem Bau. Nach langwierigen Verhandlungen und Überarbeitungen hat die Gemeindeversammlung das Projekt für insgesamt 5,9 Millionen Franken nun abgesegnet. Ein Gegner hatte noch vorgeschlagen, die Schüler in kostengünstigeren Containern unterzubringen, so, wie das anderswo mangels Schulraum als Provisorium gehandhabt werde. Spätestens das Raunen im Saal ob diesem Vorschlag verriet: Die grosse Mehrheit der Anwesenden will dieses Schulhaus nun in die Bauphase befördern. Heidi Villiger, bis 2017 Gemeinderätin in Boniswil, wand noch ein, dass Boniswil sein neues Schulhaus für gut zwei Millionen Franken umsetzen konnte. Doch die Bevölkerung hatte genug von dem langen Weg zum neuen Schulhaus und segnete das Projekt schliesslich deutlich mit 112 Ja- zu 34 Nein-Stimmen ab.

Geheime Abstimmung

Dass die Abstimmung auf Antrag eines Bürgers geheim abgehalten worden ist, zeigt, wie weit die Meinungen bis zum Schluss auseinandergegangen sind – längst nicht alle Unterstützer stehen vorbehaltlos hinter dem Projekt.

Für Erheiterung sorgte hingegen die Abstimmung über den Einbau einer Regenfassung im neuen Schulhaus. Der Initiant erhoffte sich davon ökologische und wirtschaftliche Vorteile. Doch bei jährlichen Wasserkosten von weniger als 300 Franken wäre die 50'000 Franken teure Anlage auch nach Jahrzehnten nicht amortisiert. Und weil Regenwasser nur bei Regen zur Verfügung steht, nützte die Massnahme auch nichts gegen die Wasserknappheit. Die Fassung wurde in Folge deutlich verworfen.

Der Steuerfuss für 2020 steigt um fünf Prozentpunkte auf neu 95 Prozent. Sparen tut sich die Gemeinde dafür den Beitritt zum Label Energiestadt. Ausser Kosten biete es keinen erkennbaren Nutzen, erklärte der Gemeinderat. Die Bevölkerung investiert auf seinen Vorschlag hin in einen Workshop, mit dem die Gemeinde praktische Energie-Ideen zur Umsetzung suchen wird.

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