Region
Bezirksschulstreit im Wynental: Unterkulm wirft den Bettel hin

Wegen eines Bezirksschulstreits kehrt Unterkulm dem Oberwynental den Rücken. In der Kritik steht vor allem Reinach, das eigenmächtig gehandelt haben soll.

Rahel Plüss
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Wie gehts weiter mit der Bezirksschule Unterkulm? Im mittleren Wynental ist man dringend auf Bezschüler angewiesen.

Wie gehts weiter mit der Bezirksschule Unterkulm? Im mittleren Wynental ist man dringend auf Bezschüler angewiesen.

Sandra Ardizzone

Unterkulm reichts. Der Streit um die Bezirksschüler im Tal hat das Fass zum Überlaufen gebracht. In einem Schreiben gibt der Gemeinderat des Bezirkshauptorts bekannt, die regionale Zusammenarbeit bis auf weiteres sistieren zu wollen. Dies als Reaktion auf die jüngsten Ereignisse, aufgrund derer sich die Gemeinden im mittleren Wynental nicht nur benachteiligt, sondern von der Kreisschule Homberg (Reinach) regelrecht über den Tisch gezogen fühlen.

Rückblick: Der Bezirksschulstandort Unterkulm ist akut gefährdet. Der Kreisschule Mittleres Wynental fehlen im Sommer zehn Schüler, um die erste Bezirksschulklasse doppelt führen zu können. Geklaut hat diese nach Ansicht der Gemeinden im mittleren Wynental zu einem guten Teil die viel grössere Kreisschule Homberg, indem diese den künftigen Bezschülern von Gontenschwil und Zetzwil in einem Elternschreiben eigenmächtig die Ortswahlfreiheit absprach und sie so nach Reinach lotste.

Vorausgegangen waren Bemühungen, die Kreisschulen Homberg und Mittleres Wynental unter einer gemeinsamen Führung zu vereinen. Dies im Hinblick auf die kantonalen Vorgaben, wonach Bezirksschulen ab Schuljahr 2021/2022 in mindestens sechs Abteilungen zu führen sind. Das Projekt «Schaffung einer Kreisschule», das unter dem Patronat des Gemeindeverbands aargauSüd impuls stand, war aber im vergangenen Sommer gescheitert. Die Interessen konnten nicht annähernd auf einen Nenner gebracht werden. Es war offensichtlich, dass keine Not für eine gemeinsame Lösung bestand – vor allem nicht für die grössere Schule, die Kreisschule Homberg.

Gontenschwil ist interessiert

Die Schülerverteilung zwischen den Kreisschulen Homberg und Wynental für nächstes Schuljahr wird sicher noch zu reden geben. Seit in Gontenschwil bekannt geworden ist, dass die Kreisschule Homberg den künftigen Bezschülern die Standortwahlfreiheit eigenmächtig abgesprochen hat, haben sich sieben Schüler gemeldet, die lieber in die Bez nach Unterkulm möchten. Ein Rekursverfahren ist gemäss Renate Gautschy, Gemeindeammann Gontenschwil, am Laufen. «Obwohl wir zur Kreisschule Homberg gehören, haben wie immer einen Ausgleich mit Unterkulm gemacht», sagt sie. «Jetzt wirds eng. Reinach hätte nicht drei Abteilungen, wenn sie nicht erlaubt hätten, über unsere Köpfe hinweg zu entscheiden.»

Eigeninteressen im Vordergrund

Jetzt hat Unterkulm genug von diesem Gärtchendenken – in der Schule und überhaupt: Der Gemeinderat stelle zunehmend fest, «dass partielle Eigeninteressen der Gemeinden dem regionalen Gedanken der Zusammenarbeit vorangestellt werden», heisst es in dem Schreiben. Aktuelles Beispiel sei die Vorgehensweise der Kreisschule Homberg. Der Unterkulmer Gemeindeammann Roger Müller (FDP), der diese Woche überraschend seinen Rücktritt auf Ende Amtsperiode bekannt gegeben hat, sagt auf Anfrage: «Das Vorgehen der Kreisschulpflege Homberg kann in keiner Art und Weise toleriert werden.» Abmachungen betreffend Schülerzuteilung seien von Reinach einfach in den Wind geschlagen worden.

Unterkulm habe daraufhin die Entwicklung der regionalen Zusammenarbeit kritisch hinterfragt. «Es ergibt sich der subjektive Eindruck, dass die Mitarbeit der Gemeinden im mittleren Wynental nur dann erwünscht wird, wenn diese als Geldgeber auftreten, nicht aber dann, wenn es auch einmal um unsere Region geht», heisst es im Schreiben weiter. «Der Gemeinderat hat sich aus diesem Grund entschieden, sämtliche Formen der regionalen Zusammenarbeit bis auf weiteres einzustellen.» Davon betroffen sei unter anderem die Mitarbeit beim Gemeindeverband aargauSüd impuls, dem Integrationsprojekt Impuls Zusammenleben aargauSüd, bei der Regionalen Jugendarbeit Wynental, dem Zivilschutz-Fusionsprojekt Fusio2018, dem Erzähltal und die Unterstützung kultureller Veranstaltungen. «Der Gemeinderat Unterkulm wird die Zusammenarbeit mit anderen Regionen suchen und sich konsequent und ausschliesslich für die Interessen des mittleren Wynentals einsetzen.»

Ein Zeichen setzen

Klare Worte an die Adresse des Gemeindeverbands. Geschäftsführer Herbert Huber sagt: «Ich würde es ausserordentlich bedauern, wenn sie die Zusammenarbeit mit aargauSüd impuls einstellen würden.»

Ob den Worten Taten folgen, wird sich weisen. Unterkulm will jedenfalls ein Zeichen setzen. Roger Müller sagt es so: «Ziel ist ein Denkanstoss, damit im aargauSüd künftig wieder der regionale Gedanke der Zusammenarbeit und nicht das partielle Eigeninteresse in den Vordergrund gestellt wird.» Gut möglich, dass sich Unterkulm noch andere Gemeinden anschliessen werden. Roger Müller jedenfalls sagt: «Der Unmut, nicht nur betreffend Bezirksschule, ist in mehreren Gemeinden von aargauSüd gross. Unterkulm hat als erste Gemeinde gehandelt.»

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