Menziken

Bewegender Abschied von Beat Richners Freund – mit einer Liebeserklärung an seine Frau

Vor dem Altar der katholischen Kirche Menziken stand am Gedenkgottesdienst ein Bild von Peter Studer.

Vor dem Altar der katholischen Kirche Menziken stand am Gedenkgottesdienst ein Bild von Peter Studer.

Der Wynentaler Kinderarzt Peter Studer hat kurz vor seinem Tod seinen ehemaligen Schulschatz geheiratet. Als letzte Worte stand im Lebenslauf ein «Gruss an meine über alles geliebte Geneviève».

Es war vor allem eine Liebeserklärung an seine Frau Geneviève F. Cattin-Studer, die der im Mai mit 73 Jahren verstorbene Kinderarzt Peter Studer hinsichtlich seiner Abdankung eigens verfasst hatte. Auf seinem am gestrigen Gedenkgottesdienst in der katholischen Kirche Menziken vorgelesenen Lebensweg kreuzten sich die Wege des späteren Reinacher Kinderarztes Studer und seiner späteren Gattin sehr früh.

Bereits auf dem Gymnasium in Bern lernten sich die beiden kennen und wurden ein Paar. Dann sei es zu einer dramatischen Trennung gekommen, so die Worte Studers, obwohl sie zusammen bis dahin nur Schönes erlebt hätten. Sie hätte gerne eine Familie gegründet, er wollte Kinderarzt werden und fernab der Zivilisation in Hilfsprojekten tätig sein. Die Beziehung überlebte diese Dehnung nicht.

Arbeit erfüllte Studer

Für viele Jahre sollten sie kaum mehr Kontakt haben. Jahre, in denen Peter Studer mit Berufskollege Thomas Huber in Reinach eine Kinderarztpraxis eröffnete, erste humanitäre Einsätze in Südostasien leistete und seine lebenslange Leidenschaft – ausgeprägte Reisen per Motorrad oder Auto – entdeckte. Die Arbeit als Kinderarzt erfüllte Peter Studer. Schon als er nach dem Studium in Spitälern arbeitete, schrieb er, sei er oft bis zehn Uhr nachts oder noch später bei den Kindern am Bett sitzen geblieben, habe mit ihnen Memory gespielt oder ihnen Geschichten vorgelesen.

In seiner späteren Reinacher Praxis hat er unzählige Kinder aus den Tälern behandelt. Mit Allgemeinpraktiker Werner Häfeli, der in Gontenschwil seine Praxis hatte, tauschte er sich fast täglich am Telefon und während Joggingrunden aus. Er habe in ihm einen Seelenverwandten gefunden.

1992 stiess Studer zu Beat Richners Team von Ärzten in den Kinderspitälern in Kanta Bopha. «Damals nahm mein Leben eine entscheidende Wende.» Beat Richner und ihn hätte eine jahrzehntelange Freundschaft verbunden. Nach Richners Tod 2018 wurde Studer Präsident der Stiftung. Als das digitale Zeitalter anbrach, versandte Peter Studer eines Tages eine elektronische Postkarte zum 60. Geburtstag von Geneviève. Wenige Wochen später trafen sie sich – und sollten sich nicht wieder trennen.

«Es ist ein grosses Loch – er fehlt sehr»: Kinderarzt Peter Studer über seinen Freund Beat Richner.

«Es ist ein grosses Loch – er fehlt sehr»: Kinderarzt Peter Studer über seinen Freund Beat Richner. (TeleM1, 2017)

In den letzten 14 Jahren sei nicht ein böses Wort gefallen, schrieb Studer. Zusammen richteten sie ihr Heim in Birrwil ein. Dann kam im September 2019 die Diagnose. Der Himmel sei trüb geworden. Die beiden heirateten am 20. Dezember 2019. Als letzte Worte stand im Lebenslauf ein «Gruss an meine über alles geliebte Geneviève».

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