Nur weil eine Bekannte von ihr zufällig den Kimono im Kleiderschrank entdeckte, kam Ursi Kölliker vor 40 Jahren zum Judo Club Arashi Kulm. Heute ist sie die älteste Aktive des Vereins und hat unzähligen Kindern aus dem Wynental die Grundlagen des japanischen Kampfsports beigebracht.

Aus einem Schnupperkurs heraus, der auf grosses Interesse stiess, entstand im Frühling 1977 in Oberkulm ein Judoclub. Ursi Kölliker, kurz zuvor aus dem Bernbiet zugezogen, war bereits eine begeisterte Judoka und plante, sich einem Club in der Umgebung anzuschliessen. So kam der Hinweis der Bekannten vor dem Kleiderschrank, dass in ihrem Wohnort eben ein Verein gegründet worden war, gerade recht und sie trat kurz danach ein.

Sport für Körper und Seele

«Zu dieser Zeit hatte ich den gelben Gurt, unser Trainer den braunen, die anderen alle noch keinen», erzählt Ursi Kölliker. «So kam es, dass ich gleich von Anfang an Hilfstrainerin wurde.» Unterdessen besitzt sie den zweiten schwarzen Gurt, leitete bis 2012 die Trainings des Clubs und engagierte sich vor allem in der Ausbildung der Kinder.

Auch heute, mit 66 Jahren, steht Ursi Kölliker noch regelmässig auf der Matte. «Ich komme mir aber nie alt oder ausgeschlossen vor, auch wenn ich nicht mehr so kämpfen kann wie früher. Im Judo ist der gegenseitige Respekt grundlegend», berichtet sie. «Besonders fasziniert mich, dass in diesem Sport Körper und Geist gleichermassen gefordert werden. Man kann überschüssige Kraft auf eine gute Art und Weise herauslassen. Je nach Stimmung suche ich mir meine Trainingspartner aus. Einen stärkeren Kämpfer, wenn ich Dampf ablassen will, einen schwächeren, wenn ich mal nicht so zwäg bin.»

In den Anfangsjahren trainierten Ursi Kölliker und ihre Mitkämpfer im Schwingkeller des Schulhauses Teufenthal und nannten sich Judoclub Teufenthal. Nachdem 1988 in Oberkulm eine neue Turnhalle gebaut wurde, konnte man in die Neudorfturnhalle zügeln und damit an den Gründungsort zurückkehren. Diesen Neubeginn zelebrierten die Judokas mit einem frischen Namen und nannten sich fortan «Judo Club Arashi Kulm». Arashi bedeutet Sturmwind.

Kindertraining gibt viel zurück

Besonders aktiv ist der Verein bei der Förderung des Nachwuchses. Bis zu 60 Kinder besuchten zu Spitzenzeiten die Trainings. Oft schicken Ärzte Kinder mit motorischen oder koordinativen Defiziten ins Judo. «Wir haben häufig schwierige Kinder im Training, aber deren Ausbildung ist besonders befriedigend», erzählt Ursi Kölliker. «Es ist schön zu sehen, dass man sie weiterbringen kann, und es kommt so viel zurück.»

Weitherum bekannt ist der Verein für sein Jugendturnier, das seit über 30 Jahren immer im November stattfindet. «Es ist sehr wichtig, dass die Kinder an Veranstaltungen mit offizieller Atmosphäre kämpfen lernen», erklärt Ursi Kölliker. «An unserem Turnier können sie gegen andere Anfänger antreten und mindestens drei Kämpfe austragen.» Inzwischen melden sich jedes Jahr rund 120 Kinder an. Auch im eigenen Verein hat die jahrelange Nachwuchsförderung Früchte getragen. Immer wieder kehren Mitglieder aller Altersklassen mit Medaillen von Turnieren zurück, an der kürzlich ausgetragenen Aargauer Meisterschaft eroberten neun Arashi-Judokas zwölf Podestplätze.

Seit 2012 trainieren die Arashi-Judokas in der Turnhalle der Stiftung Schürmatt in Zetzwil. Zu oft war die Oberkulmer Mehrzweckhalle durch andere Anlässe belegt, ein regelmässiger Trainingsbetrieb konnte nicht aufrechterhalten werden. «Es ist schade, dass wir im Dorf nicht mehr so präsent sind», sagt Ursi Kölliker. Doch für die Feier zum 40-Jahr-Jubiläum kehrt man zurück. Am 17. Juni findet in der Neudorfturnhalle ab 15 Uhr ein grosses Jubiläumsfest mit Schnuppertraining für Kinder, Judoshows und Konzert statt.