Kölliken
Bereit, wenn zu all dem Gift noch Asbest kommt

Das SGS Institut Fresenius vergrössert das Labor, in dem der Sondermüll aus der Sondermülldeponie Kölliken analysiert wird. Speziell am geplanten Anbau ist, dass der Neubau auch für die Aufbereitung von asbesthaltigen Proben geeignet ist.

Lilly-Anne Brugger
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Sondermüll Kölliken

Sondermüll Kölliken

Aargauer Zeitung

Die Sondermülldeponie Kölliken (SMDK) und SGS Institut Fresenius gehören zusammen wie das Huhn und das Ei. Ohne das Institut könnte der Sondermüll in der grössten Halle der Schweiz nicht entsorgt werden, ohne die SMDK hätte SGS Institut Fresenius nie eine Betriebsstätte in Kölliken errichtet.

«Wir analysieren den rückgebauten Sondermüll und geben der Leitung der SMDK Empfehlungen ab, wie und wo der Abfall sicher entsorgt werden könnte», sagt Lutz Zabel, Leiter Standort Kölliken.

Sondermüll analysieren

Im herrschaftlichen Haus, das neben dem flachen Laborbau steht, erklärt Zabel die Abläufe in den Hallen der Sondermülldeponie, in die wegen der vielen unbekannten und gefährlichen Substanzen kein Mensch mehr ohne Schutzausrüstung hineingehen darf.

«Die Arbeiter sortieren in ihren luftdicht abgeschlossenen Baggern den Abfall in Haufen von rund 250 Kubikmeter vor», erklärt Zabel und greift in eine Schüssel mit Feinkristallzucker-Päckchen.

Er nimmt einige heraus und legt sie in Häufchen auf den Tisch. «Von diesen Haufen nehmen die Mitarbeiter unseres Arge-Partnerbetriebs IBL Umwelt- und Biotechnik GmbH Proben.»

Zabel nimmt vom ersten Zuckerhaufen ein Päckchen weg und legt es auf die andere Tischseite. «Proben dieser Proben untersuchen wir dann im Labor.» Rund drei Tage dauert es von der Probennahme in der Halle, bis das Institut sagen kann, wie der betroffene Haufen am besten entsorgt werden kann.

Erst dann wird der Müll in luftdichte Container gepackt und meist per Bahn an seinen Bestimmungsort geschickt.

Vorbereitet für Asbest-Funde

Die Brände, die es 2008 auf der Sondermülldeponie gegeben hat, haben nicht nur zu einem vorübergehenden Rückbaustopp geführt. Es mussten auch verschiedene Massnahmen überdacht werden.

Unter anderem gelten nun andere Standards, um die Abfallproben vorzubereiten und zu untersuchen. «Und dafür reichen die Räume im Labor nicht mehr aus», sagt Standortleiter Zabel.

Deshalb musste schon im vergangenen Jahr am Labor ein Raum angebaut werden, in dem die Proben aus der SMDK für die chemische Analyse im Labor vorbereitet werden können. Nun wird ein zweiter solcher Raum nötig. Dafür lag auf der Bauverwaltung ein Baugesuch auf.

Es habe sich gezeigt, dass es aufwendiger sei als ursprünglich gedacht, die Proben für die Analyse vorzubereiten, sagt Zabel. So enthalten die Proben immer häufiger Steine oder andere grosse Feststoffe, die genau analysiert werden müssen.

Es braucht geeignete Maschinen

Um diese Proben so vorzubereiten, dass eine homogene Masse entsteht, sind dafür geeignete Maschinen nötig.

Speziell am geplanten Anbau ist, dass der Neubau auch für die Aufbereitung von asbesthaltigen Proben geeignet ist.

«Wir müssen aufgrund der Einlagerungsdatenbank davon ausgehen, dass wir kleine Mengen von asbesthaltigen Abfällen finden werden, und haben deshalb alle nötigen Vorkehrungen getroffen», sagt Benjamin U. Müller, Geschäftsleiter der SMDK.

Entsprechend vorbereitet sein will auch SGS Institut Fresenius. Deshalb wird der Anbau so ausgerüstet, dass auch asbesthaltige Proben ohne Gefahr für die Angestellten vorbereitet werden könnten – wenn denn tatsächlich solche Proben gefunden werden.

Ja zum Standort Kölliken

Den Einwand, die Sondermülldeponie sei bis in drei Jahren zurückgebaut, deshalb sei ein neuer Anbau doch nicht mehr nötig, lässt Zabel nicht gelten. «Vom Volumen her ist die SMDK zwar zu mehr als der Hälfte rückgebaut, in der zweiten Hälfte werden wir aber deutlich mehr Proben analysieren müssen.»

Dies hängt damit zusammen, dass im unteren und hinteren Teil der Deponie deutlich mehr Fässer eingelagert worden sind als an der Oberfläche der Deponie.

Ausserdem bereitet das Institut auch bereits die Zeit nach der SMDK vor. «Wir möchten die Analysetätigkeit für andere Organisationen weiter ausbauen», sagt Zabel.

Bereits heute analysiert das Institut von extern eingesandte Proben. «Das ist aber unsere Nebenbeschäftigung. Unser Hauptauftraggeber ist die SMDK», betont Zabel.

Die Nebenbeschäftigung ist aber wichtig für die Zeit nach dem SMDK-Rückbau: So wird der Markt sondiert und getestet, ob überhaupt eine Nachfrage für die Dienstleistungen des Instituts besteht. Die Zeichen stehen nicht schlecht: Kürzlich ist die Entscheidung gefallen, das Institut weiter zu betreiben.

Allerdings muss vermutlich ein anderer Standort gesucht werden, da das Institut an der momentanen Stelle rückgebaut wird.

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